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Flughafen Fraport verdient zuviel Geld

30.05.2004 ·  Frankfurts Flughafen macht Gewinn. Selbst in schlechten Zeiten. Das geht zu Lasten der Airlines. Die drohen jetzt mit Abzug. Ein Grund sind vor allem die hohen Flughafengebühren.

Von Winand von Petersdorff
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Am kommenden Mittwoch tritt Wilhelm Bender, Chef der Fraport AG, vor die Aktionäre in der Frankfurter Jahrhunderthalle. Er hat schon wieder schlechte Nachrichten. Zuletzt verdüsterten die Millionenverluste im Manila-Projekt die Stimmung der Aktionäre. Diesmal verdirbt der verzögerte Ausbau des Frankfurter Flughafens die Laune. Ein genauer Termin für die Fertigstellung einer zusätzlichen Landebahn wird nicht mehr genannt, 2009 vielleicht.

Verkehrszahlen nahmen im April zu

Luftfahrtexperten sind sich einig. Kaum ein Flughafen-Unternehmen hat sein operatives Geschäft so gut im Griff wie Bender und seine Mitstreiter im Management. Kaum einer schafft, so viele Starts und Landungen auf so wenig Fläche in so kleinen Zeitfenstern so effizient zu managen wie Fraport. Einerseits. Und andererseits scheinen die strategischen Engagements des Unternehmens unter einem schlechten Stern zu stehen.

Zur Zeit erholen sich die Frankfurter prima von schweren Phasen, wie die April-Kennziffern belegen. So legten die Verkehrszahlen am Frankfurter Flughafen bei Passagieren und Fracht zweistellig zu. Während die Fluggastzahl nur knapp unter der vom Rekord-April 2001 lag, verzeichnete Fraport bei der Luftfracht den besten April-Wert seit Bestehen des Airports. Wäre nicht die außerplanmäßige Abschreibung des Manila-Engagements in Höhe von knapp 290 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2002 gewesen, Fraport hätte jedes Jahr gute Gewinne ausweisen können.

Lufthansa hofft auf Senkung der Flughafengebühren

Diese positive Geschäftsentwicklung stößt nicht nur auf Anerkennung, sondern zunehmend auf Mißmut bei wichtigen Kunden: Die Fluggesellschaften sehen das so schlicht, wie die Dinge manchmal eben sind. Airlines verdienen kein Geld, Flughäfen gutes Geld. Die Gewichte müssen verschoben werden. Munition bekommen Lufthansa & Co durch eine Untersuchung der Boston Consulting Group: "In den letzten drei Jahren hat der Verdrängungswettbewerb zwischen Billigfliegern und nationalen Airlines die hohen Gewinnspannen der Flughäfen von derzeit durchschnittlich 13 Prozent kaum beeinträchtigt. Fluglinien dagegen erreichten im gleichen Zeitraum nur knapp zwei Prozent Profitabilität."

Lufthansa spricht von einer "strategischen Disparität". Fraport braucht Lufthansa, Lufthansa braucht Fraport. Sie sind, so die Lufthansa-Sicht, Systempartner in einer Wertschöpfungskette. Doch Partnerschaften halten nur, wenn beide davon profitieren. Anderseits sind die Slots der Fraport so begehrt, daß sie Fluggesellschaften abweisen muß. Warum sie billiger verkaufen? Für die gebeutelte Lufthansa ist eine Senkung der Flughafengebühren, sie betrugen zuletzt weltweit 2,3 Milliarden Euro, zentral. Aber nicht nur für die Lufthansa. Der schwer angeschlagene Tourismuskonzern Thomas Cook will für seine Condor-Flieger auch weniger zahlen. Der Reiseriese aus Oberursel beschäftigt seit Anfang Mai eigens einen Beauftragten für Flughafen-Angelegenheiten. Seine Aufgabe: "Sicherstellung von Dienstleistungen der Flughäfen und Abfertigungsunternehmen zu wettbewerbsfähigen Kosten." Im Klartext: Frankfurt muß billiger werden.

Cook-Vorstand macht Druck

Bis Ende kommenden Jahres wird sich allerdings wenig bewegen bei den unmittelbaren Entgelten für Starts und Landungen. Dafür aber bei der Abfertigung. Lufthansa und anderen Fluggesellschaften ist ein Dorn im Auge, daß die teuren Bodenverkehrsdienste der Fraport nur einen kleinen spanischen Konkurrenten mit einem Marktanteil von weniger als zehn Prozent haben. In Amsterdam und London wetteifern vier bis fünf Handling-Firmen um die Abfertigungsaufträge der Fluggesellschaften. Und sind deshalb billiger.

Wenn die Kosten nicht sinken, dann würden Alternativ-Szenarien geprüft, droht Thomas-Cook-Vorstand Ralf Teckentrup unverhohlen. Seine Condor wird zum Billigflieger. Für solche dient sich der Flughafen Köln-Bonn an. Die Verbindung nach Frankfurt klappt bald reibungslos. Im Juni wird am Flughafen der neue ICE-Bahnhof eröffnet.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 30.05.2004, Nr. 22 / Seite 36
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Jahrgang 1963, stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft.

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