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Anhörung beginnt : Starten in Düsseldorf bald noch mehr Flugzeuge?

Stark ausgelastet in Spitzenzeiten: Blick aus dem Tower auf den Düsseldorfer Flughafen Bild: dpa

Der drittgrößte deutsche Flughafen hat einen Passagierrekord aufgestellt und will weiter wachsen. Das kommt nicht überall gut an: 40.000 Bürger haben Einwände.

          Aus seinem Büro blickt Thomas Schnalke direkt auf das Rollfeld. Der Sprecher der Geschäftsführung des Düsseldorfer Flughafens kann dabei zusehen, wie beinahe im Minutentakt Flugzeuge starten und landen. Sollten seine Pläne aufgehen, wird es vor seinen Augen demnächst noch deutlich mehr Bewegung in der Luft geben. Bis 2030 könnte die jährliche Passagierzahl von zuletzt 23,5 auf 30 Millionen steigen, rechnet der 54 Jahre alte Schnalke im Gespräch mit der F.A.Z. vor. Allerdings vorausgesetzt, dass der beim Landesverkehrsministerium beantragte zusätzliche Flugverkehr genehmigt wird.

          Brigitte  Koch

          Wirtschaftskorrespondentin in Düsseldorf.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin im Wirtschaftsteil.

          Ansonsten drohe Stagnation: „Mit der bestehenden Regelung haben wir keine Chance auf Wachstum.“ Bislang sind auf dem nach Frankfurt und München drittgrößten deutschen Passagierflughafen maximal 47 Starts oder Landungen in der Stunde erlaubt. Der seit dem vergangenen Sommer amtierende Flughafenchef will künftig in Spitzenzeiten 60 Flüge in der Stunde abfertigen dürfen.

          Dies entspräche einer Kapazitätsausweitung von 18 Prozent und würde acht zusätzliche Abstellpositionen für Flugzeuge erforderlich machen. Der Antrag wurde im Februar 2015 noch unter seinem Vorgänger Ludger Dohm eingereicht, Schnalke wirkte als langjähriges Mitglied der Geschäftsführung aber schon damals mit. 800 Aktenordner füllen die Antragsunterlagen samt Plänen und Gutachten.

          Hohes Mobilitätsbedürfnis als Argument

          An diesem Montag geht das Verfahren in die heiße Phase. Dann beginnt die sogenannte Erörterung: Um unter Moderation der Bezirksregierung alle Argumente für und wider das Vorhaben mündlich zu besprechen, wurde für drei Wochen die Halle 1 der Düsseldorfer Messe angemietet. Mehrere hundert Menschen finden dort Platz. Wie viele tatsächlich kommen werden, ist unklar.

          Rund 40.000 Bürger haben schriftlich Einwände gegen die Erweiterungspläne erhoben. Nachbarkommunen, Bürgerinitiativen und Anwohner fürchten eine Zunahme des Fluglärms wie auch der Emissionen. Die Grünen sehen keine Notwendigkeit für den Ausbau und schlagen vor, einen Teil der Urlaubsflieger über kleinere Flughäfen wie Weeze, Münster oder Dortmund abzuwickeln. SPD und CDU haben es bisher vermieden, Position zu dem Thema zu beziehen.

          Den Gegnern hält Schnalke das stetig steigende Mobilitätsbedürfnis der rund 18 Millionen Einwohner im 100-Kilometer-Einzugskreis entgegen. In den Spitzenstunden gebe es eine Übernachfrage der Fluggesellschaften nach Slots. Auch sei der Ausbau im Sinne der ansässigen Unternehmen, wobei er den Fokus besonders auf die Langstrecke richtet: „Wenn wir alle zusammen die Wirtschaftsleistung Nordrhein-Westfalens voranbringen wollen, müssen wir auch international verbunden sein.“

          Für die Langstreckenflüge nach Nordamerika und Asien wiederum brauche es ausreichend Zubringerflüge. Viele Europamaschinen kämen in Wellen recht gleichzeitig an, die Passagiere stiegen dann in Flieger nach Singapur, Hongkong, New York, San Francisco oder Los Angeles um. Könnten diese Zubringerdienste nicht gewährleistet werden, drohten dem Flughafen Einschnitte: „Falls der Antrag nicht genehmigt wird, werden Langstreckenverbindungen an andere Flughäfen außerhalb Nordrhein-Westfalens und Deutschlands abwandern.“

          Gepäckkontrolle muss effizienter gestaltet werden

          Erwartungsgemäß zeigt sich Schnalke optimistisch, dass dem Begehren stattgegeben wird. Doch sind die Erfolgsaussichten besonders vor dem Hintergrund der anstehenden Landtagswahl schwer abzuschätzen. Vor dem Wahltermin im Mai dürfte Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) kaum über die Erweiterung befinden. Schnalke hofft auf eine Entscheidung noch in diesem Jahr.

          „Wahrscheinlich wird es aber bis 2018 dauern.“ Sollte das Flughafenmanagement mit seinem Antrag auf mehr Flugbewegungen durchkommen, wären bei der erweiterten Kapazität überhaupt reibungslose Abläufe am Boden gewährleitet? Der Flughafenchef räumt ein, dass Prozesse wie die Sicherheitskontrollen der Passagiere und die Gepäckabfertigung effizienter organisiert werden können, damit es zu weniger Verspätungen und auch weniger verspäteten Landungen in die Nachtruhe (23 bis 6 Uhr) hinein kommt.

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