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Flughäfen Kampf um die „Festung Heathrow“

07.01.2009 ·  Kaum eine Stadt hat so viele Flughäfen wie London. Vor allem um den Ausbau von Heathrow streiten sich Umweltschützer und Unternehmer. Um die Debatte zu entschärfen hat Londons Oberbürgermeister sogar schon den Bau eines neuen Flughafens an der Themse-Mündung angeregt.

Von Ulrich Friese, London
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Für einen eingefleischten Londoner wie John Stewart ist der Flughafen in Heathrow ein ständiges Ärgernis: "Die britische Regierung ist seit Jahren fest entschlossen, ihre Vormachtstellung im europäischen Luftverkehr zu behaupten", sagt er, "und dazu ist ihr fast jedes Mittel recht." Der Gründer und Chairman der Bürgerinitiative "Hacan Clear Skies" zögerte daher nicht lange. Er verschrieb sich beizeiten dem Ziel, die negativen Folgen der schier ungebremsten Expansion - Lärmbelästigung und Luftverschmutzung - mit medienwirksamen Protestaktionen und auch rechtlichen Mitteln einzudämmen. Mit gemischtem Erfolg. Nach einer Reihe von juristischen Niederlagen landete Stewarts Truppe vor sechs Jahren einen spektakulären Coup beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, als sie für die britische Metropole mit ihren 7,5 Millionen Einwohnern ein Nachtflugverbot zwischen 23:30 und 6 Uhr einklagte.

Der Aktivist aus dem Südwesten Londons kann inzwischen mit breiter Unterstützung aus der Bevölkerung, lokaler Politiker oder prominenter Unternehmer rechnen. Denn massiven Widerstand von Bürgern und Umweltschützern hatte in jüngster Zeit Großbritanniens Premierminister Gordon Brown mit seinem Plan provoziert, alle fünf Flughäfen der Stadt möglichst gleichzeitig auf- und auszubauen. Durch Investitionen in Milliardenhöhe, die dann aus privaten und staatlichen Kassen fließen, sollen zwar in erster Linie Heathrow und Stansted profitieren, um ihre "strategisch wichtige Bedeutung in Europa zu verteidigen", heißt es in einem internen Strategiepapier der Regierung. Doch auch die benachbarten Flughäfen in Gatwick, dem städtischen Hafengebiet (City-Airport) und im Vorort Luton sollen mit Hochdruck modernisiert werden, um ihre Kapazitäten an die auf mittelfristig stark steigende Zahl an Fluggästen anzupassen. So dürften im Vorgriff auf die Olympischen Sommerspiele 2012, die im Osten der britischen Hauptstadt ausgetragen werden, Gatwick und City-Airport die wichtigsten Flugziele für ausländische Gäste und Besucher werden, heißt es bei den Veranstaltern.

BAA will neue Start-und-Lande-Bahnen in Heathrow und Stansted

Eine Entscheidung der Regierung wird in Kürze erwartet. Danach wollen Brown sowie der zuständige Verkehrsminister Geoff Hoon wohl noch im Januar endgültig über die Expansion in Heathrow und in Stansted befinden. In beiden Fällen ringt der Betreiber BAA, der inzwischen zum spanischen Baukonzern Ferrovial gehört, seit Jahren um den Bau einer zusätzlichen Start-und-Lande-Bahn. Doch im Westen als auch im Nordosten der Stadt wächst der Widerstand von Einwohnern und Umweltschützern. Die Motive der Protestler sind unterschiedlich: Während Nachbarn in Heathrow und Stansted "schmerzhafte Einschnitte ins Privatleben durch die Umsiedlungen in großem Stil" anführen, fürchten Aktivisten von "Plane Stupid" oder "Friends of Earth" um Klimaschutz und den Bestand der Natur.

Sympathien für diesen Widerstand sind längst auch bei Managern in London und britischen Unternehmern zu finden. So stellte sich unlängst Multimillionär Mark Constantine öffentlich hinter die Demonstranten in Stansted und kündigte dabei an, die Anliegen von "Plane Stupid" finanziell unterstützen zu wollen. Der britische Unternehmer, der mit der Gründung der ökologischen Kosmetik-Handelskette "Lush" erfolgreich war und mit 600 Filialen in Europa 170 Millionen Pfund im Jahr umsetzt, will weitere Kollegen aus der Wirtschaft für sein Anliegen gewinnen. "Der Ausbau der Londoner Flughäfen kann nur mit Rücksicht auf unsere nationalen Ziele beim Umweltschutz erfolgen", sagt Constantine.

Investmentbanker: Neuer Großflughafen ist „völlig undenkbar“

Um die politisch brisante Debatte um Heathrow und Stansted zu entschärfen, regte Londons Oberbürgermeister Boris Johnson zwischenzeitlich sogar an, die umstrittenen Ausbaupläne endgültig zu den Akten zu legen. Stattdessen schlug er vor, in den kommenden Jahren einen neuen Groß-Flughafen an der Themse-Mündung in Kent zu errichten. Der kühne Plan des konservativen Kommunalpolitikers löste bei Fachleuten, heimischen Spitzenmanagern und Freunden in der Tory-Partei eher Heiterkeit denn ernsthafte Beachtung aus. "Ein solches Milliarden-Projekt wäre angesichts der chronisch leeren Kassen der britischen Regierung und im aktuellen Umfeld der Kreditkrise völlig undenkbar", sagt ein Investmentbanker.

So kann die landesweit größte Fluglinie British Airways (BA) langfristig wohl auch weiterhin von den Vorteilen ihrer Heimatbasis profitieren. Die hinter Air France/KLM und Lufthansa drittgrößte Fluglinie in Europa besitzt in Heathrow seit Jahren die mit Abstand meisten Start- und Landerechte (Slots). Um ihre Vormachtstellung auf dem Londoner Groß-Flughafen systematisch auszubauen, machte sich die Führung von BA frühzeitig für den Bau eines weiteren Abfertigungsterminals stark. Dabei kann der britische Branchenführer wiederum mit der Unterstützung des Betreibers BAA rechnen. Um das jährliche Passagieraufkommen in Heathrow von heute 70 Millionen Fluggästen auf die geplanten 100 Millionen zu steigern, muss die Infrastruktur wachsen und laufend modernisiert werden.

Damit nicht genug. Auch wenn der offizielle Betriebsstart vom "Terminal 5" im Frühjahr 2007 wegen schlampiger Vorbereitung zum Debakel des Betreibers geriet, ist jetzt schon vom Bau eines sechsten Abfertigungsterminals die Rede. Für Stewart und seine Mitstreiter in den London ist das eine Horrorvision.

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft.

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