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Luftverkehr : Fluggesellschaften klagen über Fluglotsen

Fluglotsen im Kontrollraum der Deutschen Flugsicherung in Langen Bild: dpa

Die Verspätungen in der Luft sind im Sommer deutlich gestiegen. Die Fluggesellschaften machen dafür die Fluglotsen und die Kleinstaaterei an Europas Himmel verantwortlich.

          Diesmal sind es nicht die Passagiere, die sich über Flugverspätungen beschweren, sondern die Fluggesellschaften selbst. Und aus Sicht der Vorstandschefs der zwölf im Branchenverband Airlines For Europe (A4E) zusammengeschlossen Gesellschaften von der Deutschen Lufthansa über British Airways bis zum Billigflieger Ryanair gibt es Verantwortliche dafür, dass allein im Monat Juli rund zwei Millionen Minuten Verzögerungen in der Luft eingeflogen wurden: Es sind die Flugsicherungen der Länder und EU-Politiker, die mit der Beendigung der Kleinstaaterei an Europas Himmel durch einen einheitlichen europäischen Luftraum nicht voran kommen. 49.984 Flüge haben nach Daten der europäischen Flugsicherungsorganisation Eurocontrol im Juli in der Luft jeweils mindestens 15 Minuten Verspätung eingeflogen. Zählt man ab der ersten Verspätungsminute, waren 116.000 Flüge betroffen.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ansonsten sind sie ärgste Konkurrenten, doch in diesem Punkt sind sich der Lufthansa-Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr, Ryanair-Chef Michael O‘Leary sowie ihre Amtskollegen von zehn weiteren Gesellschaften einig. Sie haben sie einen Brandbrief an die Flugsicherungen Europas unterzeichnet, in dem sie „ernsthafte Bedenken“ äußern. Das Schreiben vom Montag, das dieser Zeitung vorliegt, schickten sie auch an EU-Verkehrskommissarin Violetta Bulc. „Wir wissen, dass die Komplexität im europäischen Luftraum in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen ist und die Nachfrage im Luftraum weniger vorhersagbar ist als früher. Aber Fluggesellschaften erwarten einen Service, der ihnen einen stabilen Betrieb ermöglicht“, fordern sie. Ihre Konzerne planten ein gewisses Maß an Störungen ein, nun seien aber stabilere und länderübergreifende Lösungen nötig. Denn mit Wendezeiten von 45 Minuten zwischen Landung und Start – Ryanair kalkuliert oft mit 25 Minuten – lassen sich die Verzögerungen am Boden nicht ausgleichen. Das führe zu „Dominoeffekten“ mit Überstunden und Verspätungen für Passagiere.

          Im Juli hätten die in der Luft entstanden Verspätungen 12 Prozent über dem Vorjahresniveau und 35 Prozent über dem Wert von 2015 gelegen. Im August seien die Verzögerungen gar um 43 Prozent gestiegen. Der Flugverkehr habe dagegen im Jahresvergleich nur um 5 Prozent zugenommen, gegenüber 2015 um 8 Prozent. Zwar ist manches Mal schlechtes Wetter Schuld an Verzögerungen, doch 70 Prozent hätten andere Ursachen: Dicht gefüllte Flugrouten, in zeitraubende Warteschleifen gelenkte Jets und zu wenig beziehungsweise falsch eingesetzte Fluglotsen.

          Die Kritik trifft auch die Deutsche Flugsicherung (DFS). Neben Frankreich haftet die Luftfahrtbranche intern Deutschland das Etikett des „Trouble-Makers“, des Verursachers von Verzögerungen an. In 20 anderen Ländern seien dagegen im Juli fast oder gar keine Verspätungen in der Luft dazu gekommen. In Frankreich sind nach Eurocontrol–Daten 47 Prozent aller mit knappen Flugrouten verknüpften Verzögerungen Europas entstanden, in Deutschland 50 Prozent der mit dem Personaleinsatz verknüpften Verspätungsminuten – insgesamt 174854. „Deutschland ist unterversorgt“, sagt ein Luftfahrtmanager, der ungenannt bleiben möchte.

          Die DFS sieht sich hingegen beim Verkehrsmanagement nicht allein in der Pflicht: „ Das unerwartet starke Verkehrsaufkommen stellt alle europäischen Flugsicherungsorganisationen vor große Herausforderungen“, teilte DFS-Chef Klaus-Dieter Scheurle in einer Stellungnahme mit. Er sagt, auf die DFS in Langen entfielen im Juli knapp ein Fünftel aller Verspätungen in Europa – davon die Hälfte wetterbedingt. Rund ein Drittel seien auf temporäre Personalengpässe, also krankheits- oder urlaubsbedingte Ausfälle der Luftraum-Kontrolleure zurückzuführen. Angesichts der anhaltend hohen Nachfrage werde die DFS alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen, um kurz- und mittelfristig der künftigen Nachfrage gerecht zu werden, so Scheurle. Für 2017 rechnet die DFS mit 3,22 Millionen Gesamtflügen im deutschen Luftraum, 2016 waren es 3,1 Millionen. Trotz wachsender Geschäfte im In- und Ausland ist Scheurle mit hohem Kostendruck im Personalbereich konfrontiert. Dieser entsteht durch die Kombination aus hohen Pensionslasten und den geringen Zinserträgen der damit verbundenen Rücklagen für die Belegschaft. Aufgrund des Sparzwangs soll die Zahl der Mitarbeiter sinken, wobei die Zahl der rund 2000 Fluglotsen möglichst konstant bleiben soll. Der Verband A4E drängt derweil darauf, dass ein einheitlicher europäischer Luftraum „schneller und ohne weitere Verzögerungen geschaffen wird“: Davon profitierten die Gesellschaften und auch Passagiere.

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