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Flug-Upgrades : Feilschen über den Wolken

Business Class der Lufthansa: Kostengünstigere Upgrades gibt es fast nur noch bei Auktionen. Bild: Kien Hoang Le

Kostenlose Upgrades von Flugtickets in höhere Klassen werden seltener. Immer mehr Fluglinien versteigern bessere Sitze meistbietend über Auktionen. Bei Air Berlin geht man sogar noch weiter.

          Die Sparwut der Fluggesellschaften hat für den Reisekomfort handfeste Folgen: Bei der Kabinenverpflegung ist längst wieder Schmalhans Küchenmeister und zwischen den Sitzreihen grassiert die Platznot. Vor allem die chronisch ertragsschwache Lufthansa hat ihrer Economy-Klasse in jüngster Zeit einen harten Schrumpfkurs verpasst: Konnten sich ihre Gäste in den Fünfziger Jahren auf Langstrecken-Verbindungen noch über einen Sitzabstand von 86,3 Zentimetern freuen, müssen sich die Eco-Passagiere der Lufthansa auf Fernrouten mit einer Spanne von 78,7 Zentimetern begnügen.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Noch enger wird es auf Flügen der Kurz- und Mittelstrecken, wo die frisch installierte „Europakabine“ einen dürftigen Abstand von 76,2 Zentimetern ausweist -  ganz egal, ob die Economy- oder Business-Klasse von Geschäftsreisenden gebucht wurde. In Amerika geht es bisweilen noch viel enger zu: In Flugzeugen von Billiglinien wie Spirit Airlines liegt der Abstand mitunter nur bei 71 Zentimetern. Immer seltener können sich Fluggäste auch Hoffnung auf ein Gratis-Upgrade in eine höhere Klasse machen, das sie von der Enge in der Holzklasse erlösen würde. Denn Upgrades werden für Fluggesellschaften zunehmend ein Vehikel für Zusatzeinnahmen, ebenso wie es in den vergangenen Jahren schon Gebühren für die Aufgabe von Gepäck und andere vormals kostenlose Annehmlichkeiten waren.

          Mehr und mehr Fluggesellschaften vergeben solche Upgrades über Auktionen, die sie von amerikanischen Online-Plattformen wie Plusgrade oder Seatboost abwickeln lassen. Plusgrade zum Beispiel arbeitet mit mehr als 30 Fluggesellschaften auf der ganzen Welt zusammen, darunter auch mit der Lufthansa und Air Berlin. Diese Plattformen verheißen den Fluglinien eine weitere Einnahmequelle, aber nach ihrem Selbstverständnis bieten sie auch den Reisenden einen Nutzen. Denn mit den Auktionen werde es möglich, billiger an einen besseren Sitz zu kommen als durch den direkten Kauf eines Tickets in der höheren Klasse.

          Bieten für die höhere Klasse

          Die Lufthansa bietet ihren Kunden seit Oktober Upgrade-Auktionen unter dem Namen „My Offer“ auf ihrer konzerneigenen Website an. Gäste mit einer festen Buchung können bis zu 72 Stunden vor Abflug für ein Upgrade bieten. Dabei wird die Preisspanne für den „Aufstieg“ vom Eco-Gast zum Passagier der Premium Economy oder der Business-Klasse jeweils vorher von der Gesellschaft festgelegt. Den Zuspruch der Kundschaft für solche Versteigerungen bezeichnet ein Sprecher in Frankfurt  als „erfreulich, wenngleich das neuartige Angebot bislang nicht aktiv beworben wird“. Nach seinen Worten haben Kunden grundsätzlich gute Chancen, gegen Aufpreis in eine höhere Reiseklasse zu kommen, ob nun über die neuen Auktionen oder auf traditionellem Wege. Schon seit Jahrzehnten vergibt Lufthansa Upgrades über das Einlösen von Flugmeilen, oder wenn bei ausgewählten Flügen plötzlich frei gewordene Sitzplätze direkt am Flugsteig zum Festpreis angeboten und bar bezahlt wurden.

          Passagiere der österreichischen AUA, die ebenfalls zum Lufthansa-Konzern gehört, können schon seit 2013 Tickets für die jeweils nächst höhere Reiseklasse auf der Website ersteigern. Die Resonanz fällt allerdings bislang noch verhalten aus. Von den mehr als 45.000 Geboten, die im vergangenen Jahr abgegeben wurden, haben etwa ein Drittel das gewünschte Upgrade erhalten, heißt es in der AUA-Zentrale in Wien.

          Der Plusgrade-Wettbewerber Seatboost beginnt seine Auktionen nicht schon Tage vor dem Abflug, sondern erst kurz vor dem Einsteigen. Reisende können via App Gebote für einen Sitz in einer höheren Klasse abgeben und direkt auf einer Rangliste sehen, wo sie im Vergleich zu anderen Bietern stehen. Seatboost meint, das helfe nicht nur Fluglinien dabei, ihre Umsätze für unverkaufte Sitze zu maximieren, sondern mache durch das spielerische Element der Auktionen auch die langweilige Wartezeit vor dem Einsteigen für die Passagiere spannender. Die Fluglinie Virgin America bietet solche Seatboost-Auktionen derzeit testweise auf Flügen von und nach Las Vegas an.

          Manche Fluggesellschaften beschränken ihre Auktionen derweil nicht auf Upgrades. Passagiere von Air Berlin können zum Beispiel dafür bieten, einen freien Sitz neben sich oder sogar eine ganze Sitzreihe für sich alleine zu haben. Das bringt nicht nur mehr Platz, sondern lässt auch die Gefahr entfallen, einen nervigen Sitznachbarn zu haben. Auch das gehört schließlich zum Reisekomfort.

          Quelle: F.A.Z.

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