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Flugbranche EADS meldet Auftragsrekord und Gewinnrückgang

30.07.2010 ·  Der Luft- und Raumfahrtkonzern meldet Auftragsrekorde für die Airbus-Flugzeuge. Doch in den aktuellen Zahlen kann sich das noch nicht niederschlagen. Ein starker Dollarkurs und Belastungen aus neuen Flugzeugprogrammen bremsen den Gewinn - und der Militärtransporter A 400 M bereitet wieder Sorgen.

Von Rüdiger Köhn
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Die stark gestiegenen Aufträge für Airbus-Flugzeuge allein im Monat Juli stehen im Kontrast zur wirtschaftlichen Entwicklung der EADS NV im ersten Halbjahr 2010. Zu sehr lasten auf den europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern noch die sich seit Jahren hinziehenden Probleme. Während es mit der Herstellung des Großraumflugzeuges A 380 allmählich weniger hakt, gestaltet sich die Bewältigung der Schwierigkeiten mit dem Militärtransporter Airbus A 400 M unverändert zäh und komplex. Neue Widrigkeiten sind hinzugekommen. Belastet hat auch der wieder erstarkte Dollarkurs, der sich erst im Jahr 2012 im Zahlenwerk der EADS positiv niederschlagen wird.

Dennoch hat das deutsch-französisch-spanische Gemeinschaftsunternehmen wieder Optimismus gefunden und die Prognosen für dieses Jahr mit der Bekanntgabe der Halbjahreszahlen für einige Werte erhöht. So erwartet die wichtigste Gesellschaft Airbus nach den Erfolgen auf den Luftfahrtmessen in Berlin und im britischen Farnborough Aufträge für mehr als 400 Flugzeuge statt bisher 300. In Berlin hatte die Fluggesellschaft Emirates 32 weitere Maschinen des Typs A 380 zum Listenpreis von 11,5 Milliarden Dollar bestellt.

Der abgeschwächte Euro hat EADS falsch erwischt

In Farnborough wurden 133 Airbusse fest bestellt, für 122 Flugzeuge gab es Kaufoptionen. Das Gesamtvolumen beträgt 28 Milliarden Dollar. Für die kleineren Flugzeuge der A-320-Familie wird nun die Produktion von 36 auf 40 Maschinen im Monat bis zum ersten Quartal 2012 erhöht. Das Auftragsbuch von einer halben Billion Dollar umfasst 3355 Verkehrsflugzeuge. Der Erzrivale des amerikanischen Boeing-Konzerns will in diesem Jahr rund 500 Flugzeuge ausliefern, etwas mehr als im vergangenen Jahr.

Dementsprechend hat EADS auch die Umsatzprognose von 43 Milliarden Euro (Umsatz 2009) auf nun mehr als 44 Milliarden Euro angehoben. Bei einem angenommenen Wechselkurs von 1,35 Dollar rechnet der Konzern indes mit einem unveränderten Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) vor Einmaleffekten von 1 Milliarde Euro.

Dabei müssen nicht nur die erhöhten eigenfinanzierten Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen - im ersten Halbjahr plus 11 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro - verkraftet werden. Der abgeschwächte Euro hat EADS falsch erwischt: Die teuren Kurssicherungen der in der amerikanischen Währung abgerechneten Geschäfte waren eigentlich unnötig und waren hauptverantwortlich für den Rückgang des Betriebsergebnisses.

Der Militärtransporter A 400 M befindet sich inmitten der Problembewältigung

„Waren wir früher vorsichtig optimistisch, sind wir jetzt optimistisch“, sagte Finanzvorstand Hans Peter Ring. Für den Vorstandsvorsitzenden Louis Gallois haben die Luftfahrtmessen gezeigt, dass sich der zivile Flugzeugmarkt erholt habe. „Für das institutionelle Geschäft hingegen ist der Ausblick schwieriger, da die öffentlichen Haushalte in unseren Heimatmärkten einer grundlegenden Prüfung unterzogen werden“, sagte er jedoch. Zudem seien noch die Herausforderungen mit der größeren Effizienz der A 380-Produktion zu lösen sowie die Entwicklung des neuen Langstreckenflugzeuges A 350 voranzutreiben.

Der Militärtransporter A 400 M befindet sich immer noch inmitten der Problembewältigung. Kaum werden Fortschritte etwa bei den Propellertriebwerken und im Flugerprobungsprogramm gemacht, tun sich neue Baustellen auf. EADS hat nun gewarnt, dass es mit dem Flugmanagement-System offenbar schwerwiegende Probleme gibt. Die Entwicklung befinde sich in einer kritischen Phase. Sie sei herausfordernder als erwartet, heißt es.

Offenbar stellt sich EADS aber auf Schlimmeres ein

Die A 400 M soll extrem wendig und flexibel in der Luft agieren sowie auf kurzen Pisten landen und starten - auch auf Sand. Damit sind die Ansprüche an das Flugzeug äußerst hoch gesteckt. Es seien Maßnahmen zur Verringerung der Risiken eingeleitet worden. Die vom Management im vergangenen März getroffenen Annahmen zur Berechnung der Rückstellungen für dieses Projekt, die das Ergebnis zusätzlich belastet haben, seien weiter gültig. Offenbar stellt sich EADS aber auf Schlimmeres ein. Es wird nochmals darauf hingewiesen, dass sich Änderungen dieser Annahmen erheblich auf künftige Ergebnisse auswirken könnten. Über eine weitere Verspätung in der Entwicklung gibt es keine Angaben.

Zugleich ziehen sich die Gespräche mit den sieben Nato-Kunden über die neue Lastenverteilung im Militärflugzeug-Projekt unverändert hin. Eine Einigung lässt immer noch auf sich warten. Anfang März hatten sich beide Seiten im Grundsatz geeinigt, dass die sieben Nato-Länder für die bestellten Flugzeuge 2 Milliarden Euro mehr bezahlen und damit einen Teil der Zusatzlasten aus dem verzögerten Programm übernehmen.

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