10.08.2007 · Alarmstimmung an den Finanzmärkten rund um den Erdball: Die Europäische Zentralbank will mit Macht verhindern, dass die Krise auf die restliche Wirtschaft übergreift. Jetzt hat sie zum zweiten Mal in zwei Tagen Liquidität in das Bankensystem gepumpt - um das Feuer zu löschen.
Von Christian von HillerDie Sorgen über eine Ausweitung der Krise bestimmten auch am Freitag die Lage auf den Finanzmärkten. Die Europäische Zentralbank (EZB) - die Feuerwehr der Banken - ist in Alarmbereitschaft. Sie greift den Banken mit immer mehr Liquidität unter die Arme, um Engpässe in der Versorgung mit frischem Geld zu verhindern.
In einem weiteren Schnelltender schleuste die EZB am Freitag 61,05 Milliarden Euro in das Bankensystem. Der Zinssatz betrug durchschnittlich 4,08 Prozent, teilte die Zentralbank mit. Diese zweite Soforthilfe unterstreicht nach Meinung von Marktbeobachtern den Ernst der Lage auf den Finanzmärkten. Die EZB wolle ein Übergreifen der Krise verhindern, hieß es.
Erster Schnelltender seit dem 11. September
Schon am Donnerstag hatte die Notenbank überraschend einen Schnelltender über 95 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Damit konnten Banken, die aufgrund der Turbulenzen an den Finanzmärkten und der Krise auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt in Liquiditätsschwierigkeiten gekommen waren, kurzfristig frisches Geld ausleihen.
Das letzte Mal griff die Notenbank zu diesem Mittel, als die Finanzmärkte nach den Terroranschlägen in den Vereinigten Staaten vom 11. September 2001 in Turbulenzen geraten waren. Der zweite Schnelltender am Freitag war notwendig, weil der vom Donnerstag nur eine eintägige Laufzeit hatte.
Wie gespannt die Situation ist, lässt sich in diesen Tagen an den Zinssätzen auf dem Geldmarkt ablesen. Auf diesem Markt können sich Banken, die Liquidität benötigen, kurzfristig Liquidität bei anderen Banken, aber auch bei der EZB ausleihen. Wegen der hohen Nervosität auf den Finanzmärkten wollen viele Banken, die einen Liqudititätsüberschuss haben, nicht mehr anderen Banken Geld leihen. Dadurch ist das Liquditätsangebot der Geschäftsbanken auf dem Geldmarkt rapide gefallen.
Entspannung auf dem Geldmarkt
Am Freitagmorgen zog der Zinssatz in der Spitze bis auf 4,25 Prozent an. Am Donnerstag war er auf bis zu 4,7 Prozent geschnellt. Nach der Finanzspritze der EZB fiel der Satz am Freitag wieder deutlich. Händler nannten Kurse zwischen 4,00 und 4,05 Prozent. Besonders die Tatsache, dass die EZB so schnell reagierte und am Freitag auch die Höhe des Schnelltenders nicht beschränkte, sorgte für Beunruhigung. Normalerweise liegen die Zinssätze auf dem Geldmarkt nur geringfügig über dem Leitzins der Notenbank. Zur Zeit beträgt er in der Euro-Zone 4,0 Prozent.
Auch die japanische Zentralbank ist am Freitag mit zusätzlicher Liquidität den Banken im Land zur Seite gesprungen. Sie habe eine Billion Yen (6,2 Milliarden Euro) zur Verfügung gestellt, teilte die Bank of Japan am Freitag mit. Zuvor hatte die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) 24 Milliarden Dollar Reserven in das Bankensystem geschleust.
Ein Übergreifen der Krise verhindern
Zwar verfolgen die Notenbanken, besonders in den Vereinigten Staaten und im Euroraum, derzeit eigentlich die Politik, die Leitzinsen vorsichtig zu erhöhen. Aber Volkswirte in den Banken gehen davon aus, dass die Fed und die EZB trotz der zusätzlichen Bereitstellung von Liquidität nicht dauerhaft von ihrer Politik abrücken werden. In den vergangenen Jahren hat besonders die Fed die Weltfinanzmärkte dank niedriger Leitzinsen großzügig mit frischem Geld versorgt.
Nun jedoch will die Fed die Leitzinsen allmählich anheben, ohne dass diese Abschöpfung von Liquidität zu Spannungen an den Finanzmärkten führt. Die amerikanische Notenbank sieht sich nun auch dem Vorwurf ausgesetzt, über eine Politik des billigen Geldes Verwerfungen, wie sie am amerikanischen Hypothekenmarkt stattgefunden haben, unterstützt oder zumindest in Kauf genommen zu haben. Diese Kritik richtet sich jedoch weniger an den derzeitigen Fed-Chef Ben Bernanke, sondern vielmehr an seinen langjährigen Vorgänger Alan Greenspan.
Kursverluste auf den Aktienmärkten
Auf den Märkten gehen die Marktteilnehmer jedoch allgemein davon aus, dass die Notenbanken alles tun werden, um einen schockartigen Zusammenbruch der Finanzmärkte zu verhindern. In dieser Erwartung sehen sie sich vor allem auch dadurch bestätigt, dass die Notenbanken das Bankensystem in diesen Tagen rasch und großzügig mit Liquidität versorgen.
Auch am Freitag hielten die Spannungen an den Finanzmärkten an. Der Deutsche Aktienindex Dax verlor im Handelsverlauf 1,3 Prozent auf 7.354 Punkte (siehe auch: Börsen in Asien: Stärkster Kursrutsch seit 11. September). Besonders unter Druck standen Finanzwerte: Die Aktien der Deutschen Bank wurden mit einem Abschlag von 4,1 Prozent gehandelt. Die Titel von Commerzbank, Deutscher Postbank und Hypo Real Estate verloren mehr als 2,5 Prozent.
Verkaufswelle an der Wall Street
Auch auf den anderen europäischen Aktienmärkten fielen überwiegend die Kurse: Der Index Euro-Stoxx-50 für Standardwerte des Euroraums verlor 1,6 Prozent. In London gab der richtungsweisende FTSE-100-Index 1,5 Prozent ab. Paris und Zürich lagen, gemessen an ihren Leitindizes, 1,5 Prozent schwächer.
Am Donnerstag schon wurde die Wall Street von einer gewaltigen Verkaufswelle erfasst. Die Umsätze an der New Yorker Börse schossen auf 2,8 Milliarden Dollar hoch, der Dow Jones stürzte um 2,8 Prozent. Vor allem amerikanische Bankaktien standen unter Druck. Am Freitagmorgen europäischer Zeit schloss die Börse Tokio mit einem Verlust von 2,4 Prozent.
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| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2469 | −0,15% |
| Rohöl Brent Crude | 106,24 $ | −0,57% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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