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Finanzmärkte Die Bank der Zukunft ist billig - oder chinesisch

Die Finanzkonzerne aus China erleben goldene Zeiten, die Europäer stürzen ab. Die Banken sind mehr denn je an das Schicksal ihres Heimatlands gebunden. Und gewinnen nur, wenn sie sparen.

© Bloomberg In Singapur glitzert die schöne neue Bankenwelt.

Mit dem, was heutzutage als Bank der Zukunft gepriesen wird, hätte man in den neunziger Jahren keinen Bankangestellten hinter seinem Schalter hervorlocken können und keinen Investmentbanker hinter seinem Trading Desk. Mit der Vision der Finanzmärkte etwa. Wenn man die heutigen Kurse der Banken als Hinweis auf künftige Gewinne wertet, dann wird in den kommenden Jahren eine Klasse von Banken dominieren, über die man vor wenigen Jahren noch die Nase rümpfte: die Chinesen. Die beiden Banken mit dem größten Börsenwert weltweit sind jetzt schon chinesisch, die profitabelsten sowieso. Als heiße Kandidaten für den künftigen Aufstieg gelten indonesische und indische Banken.

Lisa Nienhaus Folgen:

Für europäische Geldhäuser gibt es ganz andere Visionen. Etwa die von Konrad Becker, Bankenanalyst bei der Privatbank Merck Finck & Co. Er glaubt, die Bankfiliale der Zukunft sieht aus wie ein Handy-Shop: „Sehr praktisch, sehr funktional, kein Schnickschnack und nur zwei, drei Mitarbeiter.“ Ganz anders als die heutigen Bankfilialen in Deutschland natürlich. „Dadurch aber auch extrem kostengünstig.“ Die spanische Banco Santander hat solche Filialen, allerdings in Ländern außerhalb Deutschlands. Hierzulande will die Commerzbank erste Experimente mit kostengünstigen Kleinstfilialen machen. Wenn das klappt, könnten andere folgen.

Infografik / Die größten Banken der Welt / Nach Börsenwert und Kernkapital Auf dem Vormarsch: die chinesischen Banken ICBC und CCB © F.A.Z. Bilderstrecke 

Besonders sexy ist das nicht für eine Branche, die gerne im Maßanzug von großen Gewinnen und goldenen Zeiten träumt. Aber für europäische Banken ist es Realität, dass Sparen angesagt ist. Die Finanzkrise und dann die Euro-Krise haben Gewinne dramatisch einbrechen lassen und die Abhängigkeit vom jeweiligen Heimatstaat erhöht. Die europäischen Banken hängen am Tropf des Staates - über die Hilfen der Europäischen Zentralbank und über die impliziten Garantien, die die Politiker für ihre nationalen Großbanken abgegeben haben. Da bleibt den Bankern nicht viel Platz für eigene Zukunftsphantasien. Es zählt, was Politiker und Banken-Regulatoren mit ihnen vorhaben.

Zu riskant, zu teuer

Die sind sich im Groben einig. Das Geschäft der Banken soll weniger riskant werden, das Eigenkapital größer und der Eigenhandel eingestellt. Diese Vision gießen sie in Regularien, die die Banken in genau diese Richtung treiben sollen. Sie müssen mehr Sicherheiten vorhalten oder weniger riskante Geschäfte tätigen. Die Anleger sehen das ähnlich. Beim kleinsten Anzeichen für Risiken in den Bankbilanzen fallen die Kurse rasant.

Also tun viele Banken das, was gerade alle von ihnen wollen. Sie werden gewöhnlicher, konzentrieren sich mehr auf den Kunden, sogar auf den kleinen Sparer in der Filiale. Sie kürzen Zehntausende Stellen im Investmentbanking, das einmal der schillernde Traum der Branche war. Zu riskant, zu teuer. Und auf einmal kommt etwas ins Spiel, das in Banken traditionell weniger relevant war als in anderen Branchen: die Kosten. Wer den Kunden das Standard-Schwarzbrot-Geschäft für wenig Geld bietet, gewinnt. So landet man im Extremfall bei der Filiale, die wie ein Handy-Shop aussieht, auch wenn es bis dahin in Deutschland noch ein sehr weiter Weg ist.

Die Bankenwelt der Zukunft ist also zweigeteilt. Gewinnen werden diejenigen, die entweder das Glück haben, in einer Wachstumsregion den Markt zu dominieren oder diejenigen, die sich besonders erfolgreich und kostengünstig aufs Wesentliche des Bankgeschäfts konzentrieren: die Spareinlagen, die Unternehmenskredite. „Es spricht einiges für Institute, die eher ein traditionelles Modell verfolgen und gut kapitalisiert sind“, sagt Stefan Best, der für die Ratingagentur Standard & Poor’s Banken analysiert. „Sie werden als besonders solide und solvent eingeschätzt und können sich deshalb derzeit besonders günstig refinanzieren. Ein Vorteil für die nächsten Jahre.“

Wer das sein könnte? „Die deutschen Sparkassen und Volksbanken“, glaubt Best. Unter den Großbanken sieht er die Rabobank aus den Niederlanden, eine Genossenschaftsbank, vorne und die Standard Chartered Bank, die zwar in Großbritannien sitzt, aber vor allem in Asien und Afrika tätig ist. Beide Banken haben bei Standard & Poor’s mit AA und AA- mit die besten Ratings aller Banken der Welt. Die Großbanken mit großen Investment-Abteilungen hält Best für weniger kreditwürdig.

Wo ist dein Heimatmarkt?

Das bedeutet aber nicht, dass Investmentbanken ganz verschwinden, glaubt Merck-Finck-Analyst Becker. „Die großen Wale werden überleben: Goldman Sachs, Deutsche Bank“, prophezeit er. „Aber die kleinen Wale werden abtauchen: DZ Bank, Commerzbank, UBS.“ Die Verbleibenden spielen ein riskanteres Spiel als zuvor. Schaffen sie es, ihre Abteilungen zusammenzuhalten, bis die Euro-Krise vorbei ist, werden sie danach die großen Gewinner sein und die Schwarzbrot-Banken wieder in den Hintergrund drängen. Das wird allerdings noch ein paar Jahre dauern.

Bis dahin gilt: Ein klassisches Geschäftsmodell hilft, ist aber bei weitem nicht alles. Denn eine Sache ist noch wichtiger, nämlich die Frage: Wo ist dein Heimatmarkt? Das sieht man an der spanischen Banco Santander. Sie ist im Rating von Standard & Poor’s trotz recht solidem Geschäft eher hinten angesiedelt. Der Grund ist simpel: das Heimatland Spanien. „Wir bewerten Banken so gut wie nie besser als die Staaten, in denen sie sitzen“, sagt Stefan Best. Wohl aber können weniger starke Banken durch einen starken Staat im Hintergrund im Rating gewinnen, zum Beispiel chinesische Banken.

Die Banken sind mehr denn je an das Schicksal ihres Heimatlands gebunden. Das liegt auch daran, dass die Finanzmärkte sich in der Krise stark renationalisiert haben. In den nächsten Jahren werden Banken aus aufstrebenden Schwellenländern aufsteigen. Banken aus Deutschland, Holland, den Vereinigten Staaten halten sich. Und Banken aus Südeuropa verlieren.

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Quelle: F.A.S.

 
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