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Finanzkrise Morgan Stanley sucht einen Rettungsring

18.09.2008 ·  Fusionsgespräche mit der viertgrößten amerikanischen Bank Wachovia oder Rettung der Unabhängigkeit mit Hilfe eines asiatischen Großaktionärs: Am Donnerstag überschlagen sich die Nachrichten über die Zukunft von Morgan Stanley.

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Die zweitgrößte amerikanische Investmentbank Morgan Stanley will laut einem Medienbericht womöglich mit Hilfe eines asiatischen Großaktionärs ihre Unabhängigkeit retten. Die Wall-Street-Firma spreche mit dem chinesischen Staatsfonds CIC über eine Aufstockung seiner Beteiligung auf bis zu 49 Prozent, berichtete am Donnerstag die Finanznachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider. CIC war bereits Ende vergangenen Jahres mit zehn Prozent bei Morgan Stanley eingestiegen.

Die durch einen dramatischen Absturz ihres Aktienkurses schwer in Bedrängnis geratene Investmentbank ist Berichten zufolge auch in Fusionsgesprächen mit der viertgrößten amerikanischen Bank Wachovia. Statt eines Verkaufs oder Zusammenschlusses würde Morgan Stanley aber die weitere Eigenständigkeit bevorzugen, berichtete Bloomberg. Morgan Stanley und Branchenprimus Goldman Sachs sind die letzten verbliebenen unabhängigen Investmentbanken von bis vor kurzem noch fünf Häusern.

Die Investmentbank stehe in Verhandlungen mit der Wachovia Corp und mindestens einer weiteren Bank, berichtet das „Wall Street Journal“. Nach dem Kursverfall der vergangenen Tage liege die Marktkapitalisierung von Morgan Stanley nahe der von Wachovia, deshalb sei die wahrscheinlichste Lösung eine Fusion unter Gleichen. Die beiden Häuser führten bereits „fortgeschrittene Gespräche“ über einen Zusammenschluss, berichtete der amerikanische Wirtschaftssender CNBC am Donnerstag. Es seien Fusionsteams gebildet und Treffen anberaumt worden. Gleichzeitig versuche Morgan Stanley weiter, in China Geld aufzutreiben. Am Morgen hatte CNBC bereits die britische Bank HSBC sowie die chinesische Finanzgruppe CITIC als mögliche Käufer in den Ring geworfen. Inzwischen hat auch der singapurische Staatsfonds GIC sein grundsätzliches Interesse an Morgan Stanley angekündigt.

Aktien: Morgan Stanley runter, Wachovia rauf

Marktteilnehmer beurteilten die Berichte negativ. „Wir brauchen einen Fusionspartner, sonst schaffen wir es nicht“, soll der Morgan-Stanley-Chef der „New York Times“ zufolge gesagt haben. Die Aktie von Morgan Stanley lag nach Handelsstart mehr als neun Prozent im Minus, das Papier von Wachovia dagegen 13 Prozent im Plus.

Der Aktienkurs von Morgan Stanley war schon am Mittwoch trotz eines vergleichsweise soliden Quartalsergebnisses um 24 Prozent gefallen. Der Aktienkurs des Konkurrenten Goldman Sachs brach um 14 Prozent ein. Morgan Stanley hatte dabei im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang des Nettogewinns um nur 8 Prozent auf 1,4 Milliarden Dollar ausgewiesen. Der Überschuss von Goldman Sachs war deutlich stärker um 70 Prozent auf 845 Millionen Dollar zurückgegangen. Konkurrenten wie Lehman Brothers hatten wegen ihrer Hypothekenengagements allerdings Milliardenverluste angehäuft.

Investmentbanken grundsätzlich in Frage gestellt

Anleger stellen nach dem jüngsten Konkurs von Lehman Brothers und dem Verkauf des größeren Konkurrenten Merrill Lynch an die Großbank Bank of America nun aber offenbar das Überleben unabhängiger Investmentbanken in Frage. Investmentbanken finanzieren ihr Geschäft über die Kapitalmärkte, die derzeit unter schweren Verwerfungen leiden. Geschäftsbanken können sich dagegen auf stabilere Kundeneinlagen stützen und sich über die Notenbank refinanzieren. Die Notenbank Fed hatte nach dem Fast-Zusammenbruch des Wertpapierhauses Bear Stearns im März für einen begrenzten Zeitraum aber auch Investmentbanken Zugang zum sogenannten Diskont-Fenster eingeräumt. Noch vor 10 Tagen hatte der Morgan Stanley-Vorstandsvorsitzende John Mack in einem Interview gesagt, dass er „nicht an einen Verkauf der Firma“ denke.

Mack machte für den jüngsten Einbruch des Aktienkurses Leerverkäufer verantwortlich. Leerverkäufer wetten auf fallende Kurse, in dem sie geliehene Aktien verkaufen, die sie später zu einem günstigeren Kurs wieder zurückkaufen wollen. Besonders Hedge-Fonds, große Investmentvehikel für institutionelle Investoren und Privatanleger, sind als Leerverkäufer bekannt.

Die Börsenaufsicht SEC hat ab Donnerstag Maßnahmen verfügt, um mögliche Manipulationen der Aktienkurse zu unterbinden und die Welle der Leerverkäufe zu stoppen. Die SEC will zudem von Hedge-Fonds mehr Informationen über ihre Handelspositionen verlangen. Der große kalifornische Lehrerpensionsfonds CSTRS hat am Mittwoch angekündigt, keine Aktien von Morgan Stanley und Goldman Sachs mehr zu verleihen.

„Beendet den Wahnsinn“

Der einflussreiche Analyst Glenn Schorr von der Schweizer Bank UBS hat in einem Kommentar auf die starke Liquiditäts- und Eigenkapitalausstattung der beiden Investmentbanken hingewiesen. Die Refinanzierung der beiden Gesellschaften sei auf sechs Monate gesichert. „Beendet den Wahnsinn“, schrieb Schorr. Schorr empfahl Investoren Investmentbanken nach Risikomanagement und Gewinnentwicklung zu bewerten und nicht danach, ob sie Einlagen von Privatkunden besitzen.

Das in Charlotte beheimatete Kreditinstitut Wachovia hat stark unter der Hypothekenkrise gelitten und in den vergangenen Quartalen Milliardenverluste angehäuft. Die Schwierigkeiten der Bank stammen vornehmlich aus der Akquisition einer stark im Hypothekengeschäft engagierten kalifornischen Regionalbank. Wachovia hatte deswegen jüngst den langjährigen Vorstandschef entlassen und den ehemaligen Goldman Sachs-Manager Robert Steel an die Spitze geholt. Steel gilt als Fachmann für Risikomanagement. Als Staatssekretär im Finanzministerium war Steel auch an der Rettungsaktion für Bear Stearns beteiligt.

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