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Finanzkrise Hoffnung und Wut bei Lehman in London

21.09.2008 ·  Die gekündigten Mitarbeiter von Lehman Brothers in London hoffen auf ihre Rettung durch eine andere Bank. Trotzdem sind sie wütend. Ihre New Yorker Kollegen bekommen Bonusgelder - sie selbst wahrscheinlich nicht mal ihr letztes Gehalt.

Von Bettina Schulz
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Für die 5000 Mitarbeiter von Lehman Brothers in London gibt es wieder neue Hoffnung: Nachdem die britische Bank Barclays die gesamten Operationen von Lehman Brothers in New York übernehmen will, zeigen die Briten nun auch Interesse an Teilen des Geschäftes von Lehman Brothers in London.

Barclays hatte zunächst den Kollaps von Lehman Brothers dazu genutzt, durch die Übernahme des Geschäfts von Lehman Brothers in New York zu einer der größten Investmentbanken der Vereinigten Staaten aufzusteigen. Da Barclays Capital, die Investmentbank von Barclays, ihr Aktien- und Beratungsgeschäft auch in Europa noch aufbauen möchte, zeigen die Briten nun auch Interesse, das Aktiengeschäft und die Unternehmensfinanzierung von Lehman Brothers in London aufzukaufen. Das würde etwa 2500 Mitarbeiter der amerikanischen Bank an dem Sitz von Lehman Brothers im Londoner Finanzzentrum Canary Wharf betreffen.

Kurz vor dem Kollaps 8 Milliarden Dollar an die New Yorker Zentrale

Am Wochenende berichtete die japanische Sonntagszeitung „Mainichi“, dass das größte japanische Brokerhaus, Nomura Holdings, an einer kompletten Übernahme der Geschäfte von Lehman Brothers in London interessiert sei. Eine Entscheidung wird in Kürze erwartet, da eine Übernahme der Geschäfte von Lehman Brothers Tausenden von Mitarbeitern in London die Arbeitslosigkeit ersparen würde und die Transaktion sowohl für Barclays wie auch für Nomura ein Schnäppchen wäre.

Unterdessen hat es einen erbitterten Streit zwischen London und New York über einen Kapitaltransfer von 8 Milliarden Dollar gegeben, den Lehman Brothers London wenige Stunden vor dem Kollaps der Bank an die New Yorker Zentrale getätigt hat. Der Zwangsverwalter von Lehman Brothers in London, Price Waterhouse Coopers (PWC), pocht nach einem Bericht der „Sunday Times“ darauf, dass die Gelder wieder an die Londoner Geschäftsstelle zurücküberwiesen werden. Der Transfer des Betrages hinterließ Lehman Brothers in London kein Geld mehr, um die 5000 Mitarbeiter für den Monat September zu bezahlen. Von PWC heißt es, der Fall ähnele dem Kollaps der amerikanischen Gesellschaft Enron, bei dem ebenfalls kurz vor dem Untergang von allen außenliegenden Geschäftsstellen sämtliche Liquidität an die Zentrale überwiesen wurde.

Bonuszahlungen für die New Yorker, nicht aber für die Londoner Mitarbeiter

Bei Lehman Brothers will sich sogar der britische Premierminister Gordon Brown dafür einsetzen, dass das Geld wieder zurück nach London fließt. Dies kündigte Brown auf der Jahreskonferenz der Labour-Partei an. Brown wird am Mittwoch in die Vereinigten Staaten fliegen, um dort Gespräche über die Finanzkrise zu führen. Der Transfer des Geldes hat bei den bereits gekündigten Mitarbeitern von Lehman Brothers in London zu großer Verbitterung geführt.

In London wurde nämlich mit Erstaunen zur Kenntnis genommen, dass für die New Yorker Mitarbeiter von Lehman Brothers ein Topf für Bonuszahlungen in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar zurückgestellt wurde, den der neue Arbeitgeber, Barclays, im Rahmen der Übernahme garantiert hat. Mit Wut müssen die Mitarbeiter von Lehman Brothers daher mit ansehen, wie ihre Kollegen in New York trotz des Zusammenbruches der Bank Bonuszahlungen erhalten werden, ihnen hingegen gekündigt wurde und sie nicht einmal sicher sein können, ob sie auch nur ihr reguläres Gehalt für September erhalten werden.

Brown: „Es sind große Fehler begangen worden“

„Das ist Sozialismus für die Reichen. Jeder weiß, dass das Bonussystem der Krebs in diesem Finanzsystem ist. Solange sich das nicht ändert, wird es nicht weitergehen“, kritisierte John McFall, Vorsitzender des parlamentarischen Finanzausschusses. Brown sagte mit Blick auf das Bonussystem: „Es ist unverantwortlich, und es sind große Fehler begangen worden. Jeder weiß das, und jeder weiß, dass hier Änderungen vorgenommen werden müssen.“

Der neue Verwaltungsratsvorsitzende der Londoner Aufsichtsbehörde FSA, Adair Turner, kündigte an, dass das Bonussystem der City überprüft werde. „Es muss sichergestellt werden, dass hier nicht Bonuszahlungen für Papiergewinne geleistet werden, die sich später in Luft auflösen.“

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