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Finanzkrise : Hilfe! Das Kapital verschwindet

Gute Bank, schlechte Bank: die Skyline von Frankfurt Bild: AP

Die Banken müssen zusehen, wie das Eigenkapital erodiert. Ihre Rettungsversuche verschlimmern die Lage. Und dem Staat geht die Puste aus. Was geht hier eigentlich vor? Man muss ein Stück zurückgehen, um das Bild besser sehen zu können.

          Der Satz "Es ist noch nicht vorbei" signalisiert in Horrorfilmen eine dramatische Wendung, wenn gerade das Böse gebannt schien. Der Satz ist wie gemacht für die Finanzkrise, die nur noch eine Gewissheit liefert: Ein Happy End ist nicht garantiert.

          Die amerikanischen Bankriesen wanken. Citigroup will sich teilen, die Bank of America braucht abermas Staatsgeld. Die Hypo Real Estate ist wieder in Not. Die Deutsche Bank zeigt einen Riesenverlust an. Die Landesbank Baden-Württemberg sieht sich unterkapitalisiert (siehe LBBW-Chef Jaschinski: „Im Moment haben wir zu wenig Eigenkapital“).

          Seit Monaten versuchen Banken, ihr Geschäft in Ordnung zu bringen. Bisher ohne durchschlagenden Erfolg. Auch Milliardeninjektionen des Staates, Regierungsgarantien, Teilverstaatlichungen und eine ausufernde Geldpolitik schlagen offenbar nicht an und lassen nur den einen Schluss zu: Es ist noch nicht vorbei.

          Keine Firma illustriert die Dramatik besser als die Deutsche Bank, die lange noch die Hoffnung nährte, sie sei der Fels in aufgewühlter See. Bis in den Herbst 2008 hinein verdiente das Unternehmen Geld. Im letzten Quartal aber, dem Lehman-Quartal, fiel die Bank in ein tiefes schwarzes Loch. Minus 4,8 Milliarden Euro führte zum Jahresverlust der Bank von knapp vier Milliarden, dem ersten seit Jahren.

          Den Sicherheitspuffer systematisch verkleinert

          Bankchef Josef Ackermann will immer noch kein Geld vom Staat oder von Staatsfonds, bekräftigte er in der vergangenen Woche wieder, doch er nutzt alle anderen Instrumente, um die Kapitaldecke auszufüttern. Keine große Bank kann sich zurzeit der Abwärtsspirale entziehen. In allen Häusern der Welt läuft nur noch ein Programm: Rettet das Eigenkapital!

          Was geht hier eigentlich vor? Man muss ein Stück zurückgehen, um das ganze Bild besser sehen zu können. In normalen Zeiten sammeln Banken Geld von Sparern ein und verleihen es weiter. Das jetzt von der großen Erosion bedrohte Eigenkapital halten Banken nur als Sicherheitspuffer vor. Diesen Puffer haben die Finanzinstitute in den vergangenen Jahren systematisch verkleinert (siehe Grafik). Betriebswirtschaftlich ist das logisch: Den Gegenwert des Eigenkapitals kann man nicht ausleihen, um damit Geld zu verdienen. Es ist ein bisschen wie ein Feuerwehrteich. Solange es nicht brennt, ist er nutzlos.

          Dazu kommt noch etwas. Nach all den guten Jahren fühlten sich die Banken bis 2007 hinein sehr sicher mit ihren kleinen Kapitaldecken. Sie hatten mit komplizierter Finanzmathematik ausgerechnet, dass kleinere Sicherheitspuffer reichen. Die Begründung leuchtet auch ein, zumindest auf den ersten Blick: Kredite und Wertpapiere ohne Ausfallrisiko (sprich: mit besten Noten der Rating-Agenturen) brauchen kein Eigenkapital in der Rückhand.

          Die Banken argumentieren mit der „Kernkapitalquote“

          Relevant sei nur das Verhältnis von Eigenkapital zu riskanten Krediten, wurde in den Banktürmen ausgegeben. Das ist grob jene Kernkapitalquote, mit der die Banken heute argumentieren (siehe Grafik). Die Bankregulierung zog mit und verständigte sich mit den Banken auf jene "risikogewichtete" Kapitalquote. Danach lautete die Losung der Banken und ihrer Anteilseigner damals: Runter mit dem Kapital.

          Das war fatal. Denn es tauchten Risiken auf, die in den finanzmathematischen Modellen nicht vorkamen. Die Banken wurden voll von der Finanzkrise erwischt. Sie hatten praktisch keine Eigenkapitalreserven, die über das von der Bankenaufsicht vorgeschriebene Kapital hinausgehen, sagt der Ökonom Martin Hellwig.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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