15.10.2007 · Die Krise an den Finanzmärkten drückt das Ergebnis der größten amerikanischen Bank um 57 Prozent. Der Vorstandsvorsitzende Charles Prince spricht von einer Enttäuschung. Und der Druck auf ihn wächst weiter.
Von Roland Lindner, New YorkDer weltgrößte Finanzdienstleister Citigroup Inc. hat für das dritte Quartal einen dramatischen Gewinneinbruch um 57 Prozent gegenüber dem Vorjahr gemeldet. Die jüngsten Turbulenzen auf den Hypotheken- und Kreditmärkten haben das Geschäft des New Yorker Bankhauses erheblich belastet. Daneben musste die Bank aber auch Verluste im Eigenhandel mit Wertpapieren zugeben.
Das schwache Ergebnis für das dritte Quartal erhöht den Druck auf den Vorstandsvorsitzenden Charles Prince weiter. Prince war zuletzt zunehmend ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, und in der Branche mehren sich Spekulationen über seine bevorstehende Ablösung.
Schlecht, aber besser als erwartet
Der Gewinneinbruch der Citigroup kommt nicht überraschend: Das Unternehmen hatte Anfang des Monats schon eine Warnung vor schlechteren Ergebnissen abgegeben und damals sogar einen Rückgang von 60 Prozent in Aussicht gestellt. Das endgültige Ergebnis ist zwar nun insgesamt etwas besser als damals angekündigt und lag auch über den Erwartungen von Analysten.
Allerdings fielen die Abschreibungen und Verluste im Hypotheken- und Kreditgeschäft noch einmal etwas höher aus als zunächst gedacht. Die Citigroup kündigte bei der Vorlage der Quartalszahlen außerdem an, Aktienrückkäufe vorerst auszusetzen. Der Aktienkurs des Unternehmens verlor im Handelsverlauf mehr als 2 Prozent an Wert und notierte um 46,75 Dollar.
Kosten reduzieren
Prince versuchte nicht, die Ergebnisse schönzureden. „Es war ein enttäuschendes Quartal“, sagte er in einer Mitteilung. Selbst vor dem Hintergrund der Verwerfungen in den Hypotheken- und Kreditmärkten könne die Citigroup nicht zufrieden sein, denn ein großer Teil des Gewinnrückgangs sei auf den Eigenhandel mit Anleihen zurückzuführen. „Wir haben hier eine lange Erfolgsgeschichte mit starken Ergebnissen und das Abschneiden in diesem Quartal war deutlich unter den Erwartungen“, sagte Prince.
Im Gesamtkonzern meldete die Citigroup nun einen Rückgang beim Nettogewinn um 57 Prozent auf 2,38 Milliarden Dollar. Das Ergebnis je Aktie von 47 Cent lag um 3 Cent über den Analystenschätzungen. Die Einnahmen legten um 6 Prozent auf 22,7 Milliarden Dollar zu und lagen damit etwas über den Erwartungen von Analysten, die im Schnitt mit 21,8 Milliarden Dollar gerechnet hatten.
Allerdings konnte die Einnahmenseite nicht annähernd mit den gestiegenen Kosten mithalten. Die Ausgaben im betrieblichen Geschäft erhöhten sich um 22 Prozent auf 14,6 Milliarden Dollar. Die Citigroup versucht derzeit, ihre Kosten zu reduzieren. Im Frühjahr kündigte das Unternehmen an, 17.000 Arbeitsplätze abbauen zu wollen. Das entspricht 5 Prozent der Belegschaft.
Schätzungen übertroffen
Die Citigroup meldete für das dritte Quartal allein bei Übernahmekrediten Abschreibungen von 1,4 Milliarden Dollar. Für Wertberichtigungen im Geschäft mit zweitklassigen Hypotheken verbuchte die Bank einen Verlust von 1,6 Milliarden Dollar. Anfang des Monats hatte die Citigroup hier noch von 1,3 Milliarden Dollar gesprochen.
Banken wie die Citigroup kaufen solche Hypotheken, verpacken sie als Anleihen und reichen sie an andere Investoren weiter. Aufgrund einer von Kreditausfällen im amerikanischen Hypothekenmarkt ausgelösten Vertrauenskrise ist die Nachfrage nach diesen Anleihen eingebrochen.
Im Anleihehandel wies die Citigroup einen Verlust von 636 Millionen Dollar aus - und damit noch einmal mehr als die 600 Millionen Dollar, von denen Anfang des Monats noch die Rede war. Die Bank begründete den Verlust mit den starken Kursschwankungen an den Finanzmärkten.
Auch andere Banken schreiben Verluste
Vor dem Hintergrund des immer größeren öffentlichen Drucks hat die Citigroup am vergangenen Freitag Veränderungen im Management angekündigt. So wurde der erst vor einem Jahr zur Citigroup gekommene Vikram Pandit zum Chef einer neugeschaffenen Sparte bestimmt, die Investmentbanking und alternative Anlageformen wie Hedge-Fonds umfasst. Gleichzeitig haben einige hochrangige Manager die Bank verlassen, zum Beispiel Randolph Barker, der bislang Ko-Leiter des Anleihehandels war.
Diese Veränderungen reichten aber nicht aus, um die Kritik am Vorstandschef verstummen zu lassen. Analyst Michael Mayo von der Deutschen Bank forderte zum Beispiel Veränderungen in der obersten Führungsspitze. Er stufte seine Anlageempfehlung für die Citigroup von „Kaufen“ auf „Verkaufen“ herab und reduzierte sein Kursziel für die nächsten zwölf Monate von 60 auf 44 Dollar.
Die Citigroup ist nicht die einzige amerikanische Bank, deren Gewinne durch die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten gedrückt worden sind. Vor einigen Tagen kündigte die Investmentbank Merill Lynch eine Abschreibung von 5 Milliarden Dollar im Zusammenhang mit der Krise im Hypothekengeschäft an. In dieser Woche legen neben der Citigroup auch die Bank of America und J.P. Morgan ihre Quartalszahlen vor.