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Finanzkrise Europas Banken kommen wohl glimpflich davon

17.09.2008 ·  Ratingagentur Standard & Poor's sieht keine großen Auswirkungen der Lehman-Insolvenz

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Der Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers wird von der Ratingagentur Standard & Poor's zwar als „seismisches Ereignis“ eingestuft, die europäischen Banken dürften dieses Beben aber wohl ohne allzu große Blessuren überstehen. Die direkten Geschäftsbeziehungen der Europäer mit Lehman seien überschaubar, heißt es. Die Auflösung der Positionen mit Lehman gingen laut Aussagen von Marktteilnehmern auch schneller und geordneter über die Bühne, als anfänglich befürchtet wurde. Das größte Risiko sieht die Ratingagentur deshalb in einem weiteren Kursrutsch vieler Wertpapiere durch die Insolvenz von Lehman. Dies könnte abermals zu spürbaren Abschreibungen in den nächsten Quartalsberichten einiger europäischer Banken führen. Vor allem die größeren Häuser könnten davon betroffen sein. Das Ausmaß dieser weiteren Wertberichtigungen könne aber noch nicht abgeschätzt werden, heißt es.

Auswirkungen in Deutschland „beherrschbar“

Bei den deutschen Instituten herrscht großes Schweigen zum Thema Lehman. Einzig die Düsseldorfer Hypothekenbank hat konkret erklärt, man besitze Lehman-Schuldverschreibungen in Höhe von 60,7 Millionen Euro und werde deshalb im laufenden Jahr wohl einen Bilanzverlust ausweisen. Die West LB gab bekannt, dass man kein unbesichertes Engagement in Lehman-Anleihen und strukturierten Produkten habe und das Nettoengagement in derivaten Papieren in einem niedrigen einstelligen Euro-Millionenbereich liege. Von der Deka-Bank, der Bayern LB und der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) heißt es, die Auswirkungen der Insolvenz seien für ihre Häuser nur geringfügig. „Mögliche Verluste wären in jedem Fall beherrschbar“, sagte ein LBBW-Sprecher.

Noch zugeknöpfter geben sich die großen Privatbanken. Zu einzelnen Kundenbeziehungen sage man grundsätzlich nichts, heißt es einstimmig bei der Commerzbank, der Deutschen Bank, der Postbank und Dresdner Kleinwort, genauso wie bei der DZ Bank. Bei Sal. Oppenheim heißt es, man sei von der Entwicklung bei Lehman nicht betroffen.

Frankreich insgesamt „nicht sehr stark betroffen“

In Paris erklärte die Finanzministerin Christine Lagarde, die französischen Banken seien insgesamt nicht sehr stark vom Lehman-Konkurs betroffen. Die größten Sorgen macht man sich in der Pariser Finanzwelt um die beiden Investmentbanken Natixis und Calyon. Natixis, die Investmentbank der Großaktionäre Banque Populaire und der Sparkassen (Caisses d'Epargne) beziffert ihr direktes Geschäftsengagement mit Lehman, das nun ausfallen könne, auf 109 Millionen Euro.

Crédit Agricole beziffert ihre drohenden Verluste über die hauseigene Investmentbank Calyon auf 270 Millionen Euro, davon 20 Millionen Euro aus Krediten für Lehman. Bei der Société Générale beläuft sich das Ausfallrisiko nach eigenen Angaben auf 479 Millionen Euro, wovon sich 400 Millionen Euro auf Risiken aus Markttransaktionen mit Lehman als Gegenpartei beziehen. Bei BNP Paribas erreicht das Risikovolumen rund 400 Millionen Euro, davon 180 Millionen Euro aus Krediten für Lehman.

Spaniens zweitgrößte Bank nicht von Insolvenz bedroht

Die führenden spanischen Banken sind von dem Zusammenbruch von Lehman Brothers direkt kaum getroffen worden. Die größte spanische Privatbank Santander berichtete, sie habe Kredite an Lehman von nur 11 Millionen Euro in den Büchern. Dazu kämen Derivate im Volumen von 45 Millionen Euro. Die zweitgrößte Bank, BBVA, teilte mit, dass weder ihre Bilanz noch ihre Ertragsrechnung von der Insolvenz berührt werden.

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Von Heike Göbel

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