11.08.2005 · Die schlechte Entwicklung im Versicherungsgeschäft hat der ING Groep NV im zweiten Quartal zu schaffen gemacht. Das Netto-Ergebnis des größten niederländischen Finanzkonzerns ging um 6,7 Prozent auf 1,66 Milliarden Euro zurück.
Die schlechte Entwicklung im Versicherungsgeschäft hat der ING Groep NV im zweiten Quartal zu schaffen gemacht. Das Netto-Ergebnis des größten niederländischen Finanzkonzerns ging um 6,7 Prozent auf 1,66 Milliarden Euro zurück. Zwar wurde ein Minus erwartet, da sich im Vergleichsquartal des Vorjahres außerordentliche Gewinne aus Unternehmensverkäufen von 219 Millionen Euro positiv niedergeschlagen hatten; bereinigt wäre das Ergebnis um knapp 7 Prozent gestiegen. Doch legten die vorgelegten Zahlen Schwächen in der Versicherung offen, die auch mit zusätzlichen Vorsorgen in Taiwan zu tun haben.
Insgesamt brach der Vorsteuergewinn im Versicherungsgeschäft um 23,3 Prozent auf 867 Millionen Euro ein, während der Bankbereich um 13,4 Prozent auf 966 Millionen Euro deutlich zulegte. In der Region Asien/Pazifik ging das Vorsteuerergebnis um 65 Prozent auf 54 Millionen Euro zurück. Dabei belastete vor allem eine notwendige Stärkung der Reserven im Taiwan-Geschäft für den alten Versicherungsbestand mit 80 Millionen Euro. Eine höhere Dotierung sei wegen der weiter gesunkenen Zinsen sowie wegen des Anstiegs des Taiwan-Dollar notwendig geworden, teilte ING am Donnerstag mit.
Die Entwicklung in Asien hat denn auch dazu geführt, daß die ING-Aktie am Donnerstag vorübergehend um mehr als 3 Prozent nachgegeben hatte und damit im Eurostoxx 50, dem Aktienindex für den Euro-Raum, zeitweise Tagesverlierer gewesen ist.
Trotzdem hat sich Vorstandschef Michel Tilmant angesichts der "soliden Entwicklung in den ersten sechs Monaten" zuversichtlich für den weiteren Jahresverlauf geäußert. Grundsätzlich trifft der ING-Chef jedoch keine Aussagen über die künftige Entwicklung des Geschäftes. Die Einnahmen seien in der gesamten Gruppe gestiegen. Sowohl das Bank- als auch das Versicherungsgeschäft hätten von niedrigen Zinsen profitiert. Tilmant machte aber auch deutlich, daß die Kostenkontrolle nach wie vor Priorität habe, nachdem bereits Maßnahmen ergriffen worden seien. "Wir werden weitere Schritte unternehmen, um die Effizienz zu verbessern und um unsere Position in den etablierten Märkten zu halten", sagte er. Das verbesserte Ergebnis im Bankengeschäft ist auch auf eine spürbar reduzierte Kreditrisikovorsorge zurückzuführen. Sie ging im zweiten Quartal von 128 auf 50 Millionen Euro und im ersten Halbjahr von 265 auf 46 Millionen Euro zurück.
Zwar erzielt die Direktbankensparte ING Direct weiterhin hohe Zuwächse in Kundenzahl und Einnahmen. Doch haben sie im Verlauf des Halbjahres an Dynamik verloren. Im zweiten Quartal stiegen die Einnahmen um 17 Prozent auf 497 Millionen Euro, im ersten Halbjahr noch um 23,5 Prozent auf 984 Millionen Euro.
Das Vorsteuer-Ergebnis verbesserte sich zwischen April und Juni nur noch um 1,6 Prozent auf 127 Millionen Euro, während in den ersten sechs Monaten noch ein Plus von 25 Prozent auf 254 Millionen Euro blieb. Hier machen sich nicht nur die steigenden Marketingkosten, sondern auch sinkende Zinsspannen bemerkbar. So hat die deutsche Tochtergesellschaft ING Diba, die mit 5 Millionen Kunden und 97 Millionen Euro Halbjahresergebnis (plus 52 Prozent) größte ING-Direct-Landesgesellschaft ist, gerade erst den Zinssatz für Tagesgeld von 2,5 auf 2,25 Prozent gesenkt. (kön.)
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