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Finanzinvestoren Der neue Realismus

27.05.2009 ·  Der akute Mangel an Fremdkapital zwingt die Private-Equity-Häuser zur Suche nach neuen Geschäftsfeldern. Der Mittelstand rückt in den Fokus. Der braucht zwar Finanzinvestoren, aber auch den nötigen Sachverstand.

Von Holger Paul
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„Vorerst gibt es so gut wie keine großen Deals mehr.“ Auf diese eine griffige Formel können sich derzeit alle Akteure im Private-Equity-Markt verständigen. Denn für milliardenschwere Übernahmen brauchen die Beteiligungsgesellschaften die Unterstützung der Banken in Form hoher Kredite. Doch dazu sind die Geldhäuser – wohl für längere Zeit – nicht mehr bereit. „Einzelne Banken geben derzeit höchstens noch 20 bis 30 Millionen Euro Fremdkapital für eine Transaktion“, sagt Clemens Doppler, Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft Heidelberg Capital. Selbst wenn ein Finanzinvestor daher sieben oder acht Banken für einen sogenannten Club-Deal zusammenbekommt und die Transaktion zudem mit ebenso viel Kapital aus dem eigenen Fonds ausstattet: Mehr als ein paar hundert Millionen Euro kommen nicht zusammen. Das reicht nicht für die Übernahme eines Dax-Konzerns.

Dieser akute Mangel an Fremdkapital ist denn auch der Hauptgrund, warum immer mehr Private-Equity-Häuser sich inzwischen dem Markt für kleinere und mittelgroße Unternehmen zuwenden. „Insbesondere im Pharmasektor, aber auch in der Infrastruktur oder der Energiewirtschaft gibt es da weiterhin Transaktionen“, erläutert Doppler. Und die Finanzinvestoren sehen sich dafür auch gut aufgestellt. Die Akzeptanz von Private-Equity-Finanzierungen im Mittelstand wachse, heißt es in einer Studie der Unternehmensberatung Rödl & Partner. Trotz der Krise verfügten Beteiligungsgesellschaften noch über ausreichend Mittel, um den erhöhten Eigenkapitalbedarf der mittelständischen Wirtschaft zu bedienen, lautet die Selbsteinschätzung der Branche.

Der nötige Sachverstand

Allerdings ist unter den Private-Equity-Häusern inzwischen eine Art Hahnenkampf entbrannt. Der Mittelstand brauche Finanzinvestoren, die sich mit dem operativen Geschäft auskennen und nicht nur mit Bilanzstrukturen, heißt es quer durch die Branche. Und natürlich nimmt jede Gesellschaft nun für sich in Anspruch, genau dieses Profil zu erfüllen und dafür auch die nötigen Fachleute zur Hand zu haben, während man der Konkurrenz skeptische Blicke zuwirft. Wirklich gut seien aber nur diejenigen, die sich mit dem Mittelstand schon seit Jahren beschäftigen, warnen Branchenkenner.

Neben den direkten Übernahmen rückt aber auch eine langsamere, indirekte Spielart des Private-Equity-Geschäfts stärker in den Vordergrund: der Aufkauf von Unternehmensschulden. Weil viele Altgläubiger im Augenblick selbst dringend Geld benötigen, sind sie bereit, ihre Forderungen zum Teil weit unter Wert an andere Investoren zu veräußern. „Der Abschlag im Handel mit Schulden reicht von 10 bis 90 Prozent des Nominalwertes“, sagt Wolfgang Biedermann, der deutsche Geschäftsführer der amerikanischen Private-Equity-Gesellschaft HIG Capital. Für den Aufkäufer der Schulden habe das Geschäft den Vorteil, „dass man den Fuß in die Tür eines Unternehmens bekommen und die Forderungen anschließend eventuell in Eigenkapital umwandeln kann“, erläutert er. Auf diese Weise könne ein Private-Equity-Haus zum Anteilseigner eines Unternehmens werden, ohne dabei einen Kaufpreis an die Gesellschafter zu zahlen. „Gleichzeitig wird durch die Wandlung der gekauften Schulden in Eigenkapital die Verschuldung des Unternehmens nachhaltig reduziert.“

Viele Transaktionen nicht veröffentlicht

Rund 300 Millionen Euro hat HIG Capital in den vergangenen Monaten in dieses Geschäft investiert und damit Positionen „in rund zwei Dutzend Unternehmen, darunter auch einige deutsche, aufgebaut“, sagt Biedermann. Der Handel mit den Schuldtiteln findet zumeist in London statt. Wie viele Marktteilnehmer – zu denen auch Hedge-Fonds oder Investmentbanken gehören – daran teilnehmen, lässt sich jedoch nicht ermessen. „Der Markt ist sehr heterogen, viele dieser Transaktionen werden gar nicht veröffentlicht“, erläutert er.

Günstig erhältlich sind am Private-Equity-Markt derzeit auch Zweitplazierungen. Ein Finanzinvestor kauft einem anderen die Anteile an Unternehmen ab oder übernimmt gleich ein vollständiges Firmenportfolio. „In beiden Fällen werden hohe Abschläge zugestanden“, sagt Clemens Doppler. Für dieses Geschäft sind viele Investoren sogar jetzt noch bereit, neues Geld zur Verfügung zu stellen. Laut dem Branchendienst Prequin sind allein in diesem Jahr schon drei neue Fonds an den Start gegangen, die zusammen über 8,7 Milliarden Dollar an Mitteln zum Kauf von Zweitplazierungen verfügen. Die Akteure in diesem Geschäft stehen allerdings vor der Herausforderung, sich in kürzester Zeit einen genauen Überblick über den Wert der zum Kauf stehenden Anteile verschaffen zu müssen. „Und das können nur wenige am Markt richtig gut“, sagt der Heidelberg-Capital-Chef.

Rückkehr zum Ursprünglichen

Neben der Suche nach neuen Finanzierungs- und Einstiegsmöglichkeiten rückt zugleich auch die Rückkehr zum Ursprünglichen des Private-Equity-Geschäfts wieder stärker in den Fokus. Finanzinvestoren müssen ihre Beteiligungen künftig wieder länger behalten, heißt es in der Branche. Einige kleinere Beteiligungsgesellschaften setzen deshalb darauf, ihre Geldgeber nun mit einem Geschäftsmodell zu überzeugen, das weniger Rendite je Jahr, diese jedoch über einen langen Zeitraum verspricht. Denn insbesondere vermögende Privatpersonen oder Familien suchten nach Möglichkeiten, ihr Geld langfristig in Unternehmensbeteiligungen anzulegen, sagt Peter Sewing, Mitgründer der vor einem Jahr ins Leben gerufenen Beteiligungsgesellschaft Obermark. Die Gesellschaft plant daher bei jeder erworbenen Firma mit einem endlosen Zeithorizont. Statt Traumrenditen von 30 Prozent und mehr stellt Obermark den Investoren eine jährliche Eigenkapitalrendite von 15 Prozent in Aussicht, die aber in den Unternehmen verbleiben soll. Zehn bis fünfzehn Mittelständler will man in den kommenden Jahren mit diesem Geschäftsmodell ins eigene Portfolio holen, „mit etwas Glück können wir in diesem Jahr noch in zwei Unternehmen investieren“, sagt Sewing.

Generell habe er den Eindruck, „dass klassische Beteiligungsfirmen wieder mehr Beachtung gewinnen und die Investoren wieder realistischere Erwartungen haben“, sagt der Obermark-Gründer, der selbst viele Jahre als Partner beim großen britischen Private-Equity-Haus Doughty Hanson verbrachte. „Allerdings“, so schränkt er gleich wieder ein, „wird bei vielen diese Rückbesinnung auf traditionelle Investitionsstrategien wohl nur wenige Jahre lang anhalten.“

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft.

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