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Veröffentlicht: 12.11.2012, 11:32 Uhr

Finanzbranche im Wandel Keine Woche ohne Skandal

Keine Woche ohne Skandal in der Londoner City: Geldwäsche, Korruption, Marktmanipulation. Dabei werden die Banken gerade jetzt dringend gebraucht. Eine Analyse.

von , London
© dpa Londons Banken stehen immer noch unter Druck. Dabei werden sie zur Finanzierung von Wachstum gerade dringend gebraucht.

Keine Woche ohne Skandal in der Londoner City: Geldwäsche, Korruption, Marktmanipulation, Beihilfe zur Steuerhinterziehung - die Liste der Strafermittlungen wird immer länger. Die Finanzbranche hat die Finanzkrise überlebt. Jetzt wäre es eigentlich an der Zeit, dass die Banken ihre Geschäftsstrategie neu ausrichteten. Es gibt genug zu tun: Die schärfere Regulierung, die hohen Kosten des Eigenkapitals, die schwächeren Erträge im Investmentbanking, das Ende des kreditfinanzierten Aufschwungs und der Wandel hin zu einem wachstumsärmeren Normalmaß - all dies würde die volle Aufmerksamkeit in den Vorstandsetagen erfordern.

Stattdessen hält die strafrechtliche Aufarbeitung der Vergangenheit die City in Atem. Was von den Ermittlungsbehörden ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt wird, ist haarsträubend. Kaum ein Institut hat eine weiße Weste mehr: Der Vorwurf der Geldwäsche trifft die kleine Edelbank Coutts ebenso wie den weltumspannenden Konzern HSBC. Die Liste der Banken, die von den Ermittlungsbehörden in die Mangel genommen werden, wird immer länger.

Krisenstäbe und ein Heer von Anwälten

Jetzt setzen die Banken Krisenstäbe ein, bezahlen ein Heer von Anwälten, geben Millionen aus für die Aufarbeitung von Beweismaterial und stehen vor den Ermittlungsbehörden stramm. In jedem Geschäftsbericht steht mittlerweile die Warnung an die Aktionäre, dass die laufenden Ermittlungsverfahren in ungeahnt hohen Strafzahlungen münden könnten.

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Ungereimtheiten, die vor der Krise noch unter den Tisch gekehrt worden wären, landen nun - nicht zuletzt aus öffentlicher Verbitterung über die Bankenkrise und Rezession - auf dem Tisch der Aufsichtsbehörden, der Notenbanken, der Staatsanwälte. Und schließlich vor Gericht.

Durch Strafverfahren wacht die Branche auf

Jetzt wacht die Branche auf. Bisherige Appelle der Aufsichtsbehörden, Notenbanker und Politiker an Moral und Anstand mögen ignoriert worden sein. Die Strafverfahren aber tun den Banken weh und müssen den Aktionären erklärt werden, denn juristische Auseinandersetzungen sind teuer: Allein die Rückstellungen, die britische Banken gebildet haben, weil sie Kunden wegen falsch verkaufter Kreditausfallversicherungen entschädigen müssen, belaufen sich mittlerweile auf 13 Milliarden Pfund.

Die vorsorglichen Rückstellungen für Strafen, die den Banken wegen Korruption und Geldwäsche drohen, summieren sich ebenfalls auf Milliardenbeträge. Hinzu kommen die noch nicht abgeschlossenen Verfahren wegen der Manipulation von Geldmarktsätzen und Energiepreisen. Es ist aber nicht einfach damit getan, Vorstände der betroffenen Banken aus der City zu jagen, wie mit den Chefs von Barclays in diesem Sommer geschehen. Wäre es doch nur so einfach.

Mexikanisches Drogengeld in die Vereinigten Staaten

Kaum ein Vorstand will der Geldwäsche, Korruption, Marktmanipulation und dem Kundenbetrug das Wort geredet haben. So hat der ehemalige Vorstandsvorsitzende und Chairman der Großbank HSBC, Stephen Green, Moral und Anstand gepredigt - im wahrsten Sinne des Wortes. Für ihn war es als ordinierter Priester der anglikanischen Kirche eine Herausforderung, in den gläsernen Tempeln des Mammons mit Integrität die Bank zu führen. Er schrieb gar ein Buch über Faust II, wo eben nicht der Pakt mit dem Teufel zur Erlösung führt, sondern letztlich nur die Hilfe am Nächsten.

Warum aber schleusen dann Mitarbeiter in der mexikanischen Tochtergesellschaft des Konzerns Drogengelder in die Vereinigten Staaten? Ist es bei einem Institut wie der HSBC mit rund 300.000 Mitarbeitern nicht möglich zu kontrollieren, ob über eine Konzernbank in Saudi-Arabien Gelder für Terrorzellen gewaschen werden? Weiß das Management auf Etage 40 des Konzernsitzes in London nicht, dass der Vertrieb den Kunden sträflich falsche Finanzprodukte andreht? Kann das Management einer großen Bank wie UBS, JP Morgan oder der Société Générale wirklich nicht verhindern, dass in dem Gewusel der tausend Händler ein Mitarbeiter gerade Milliarden verzockt?

Rückzug aus dem Größenwahn

Jetzt sind die Strafen so hoch und ist der Ansehensverlust so gravierend, dass eine neue Generation von Managern das Zepter übernimmt. Sie müssen die Integrität des Bankgeschäfts wieder ernst nehmen und die Prinzipien ordentlichen Bankgeschäfts intern erfolgreich durchsetzen. Das geht nur über härtere Kontrollen, eine Straffung des Geschäfts und einen Rückzug aus dem Sammelsurium des ehemaligen Größenwahns. Es ist bedenklich, dass erst mit den drakonischen Strafen der überfällige Kulturwandel erzwungen wird.

Das Thema wäre nicht so ernst, würde die Branche nicht gerade jetzt aus der Sicht der Gesamtwirtschaft dringend gebraucht. Je größer die Skandale und Fehlschläge, desto härter die Reaktion der Politik, Aufsicht und Regulierungsbehörden. Je teurer aber das Bankgeschäft wird, desto weniger Kapazitäten bleiben zur Finanzierung des Wirtschaftswachstums. Die Notenbanken können noch so viel Liquidität in die Volkswirtschaften pumpen - wenn das Vertrauen in die Integrität und Stabilität der Banken nicht gegeben ist, können sie ihre gesamtwirtschaftliche Aufgabe nicht erfüllen.

Quelle: F.A.Z.

 

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