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Veröffentlicht: 09.07.2012, 17:20 Uhr

Finanz- und Schuldenkrise Investmentbanken vor tiefen Einschnitten

Die Ertragskraft der Banken sinkt im kapitalmarktnahen Geschäft. Sie müssen die Kostenschraube enger ziehen. Die Berater von Roland Berger erwarten den Abbau von 75 000 Stellen.

© Reuters Auch in der Londoner City bauen die Investmentbanken Kapazitäten ab.

Auf der Welt gibt es rund 500.000 Investmentbanker. Die meisten von ihnen blicken auf ein enttäuschendes zweites Quartal zurück. Denn die europäische Staatsschuldenkrise und die davon ausgehende Verunsicherung der Kapitalmärkte haben die Ertragslage deutlich beeinträchtigt. Wie aus einer aktuellen Studie der Beratungsgesellschaft Roland Berger hervorgeht, haben die Investmentbanken im ersten Quartal noch Erträge von gut 80 Milliarden Euro erzielt. Im zweiten Quartal dürften es deutlich weniger sein als die 60 Milliarden Euro, die in diesem Dreimonatsabschnitt in den beiden Vorjahren jeweils verdient worden waren.

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Nach Ansicht von Roland Berger stehen die Investmentbanken vor einem Wendepunkt: In den kommenden fünf Jahren könnten 75.000 Stellen und damit 15 Prozent der gegenwärtigen Belegschaft wegfallen, heißt es. Bislang haben die Investmentbanken den Abbau von 10.000 bis 15.000 Arbeitsplätzen zwar angekündigt, aber nicht umgesetzt.

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Im vergangenen Jahr hatte eine regelrechte Kündigungswelle die internationale Bankenwelt überrollt. Banken wie die britische HSBC oder die Schweizer UBS kündigten den Abbau von insgesamt mehr als 100.000 Arbeitsplätzen an. Einen Schwerpunkt der Streichungen stellt das Investmentbanking dar. Dort beschäftigt die Deutsche Bank 10.000 Mitarbeiter. Allerdings dürften noch mehr Stellen von der mit Abstand wichtigsten Ertragssäule abhängen. Die Analysten von JP Morgan Cazenove rechnen dem Investmentbanking der Deutschen Bank insgesamt gut 31.000 Stellen zu. Diese Zahl schließt auch die Mitarbeiter ein, die in den nachgelagerten Bereichen wie Verwaltung oder Infrastruktur für das Investmentbanking arbeiten.

Bislang halten sich die Sparmaßnahmen der Deutschen Bank noch in Grenzen: Insgesamt 500 Stellen sollen gekürzt werden. Das fällt im Vergleich zur HSBC und Bank of America, wo 30.000 beziehungsweise 36.000 Arbeitsplätze abgebaut werden, noch sehr gering aus. JP Morgan Cazenove rechnet im Investmentbanking der Deutschen Bank mit einem Abbau von 10 bis 20 Prozent der Stellen. Nach ihrer Definition wären dies 3100 bis 6200 Arbeitsplätze.

Doch mit entsprechenden Maßnahmen ist wohl erst im September zu rechnen. Dann wird die neue Doppelspitze Anshu Jain und Jürgen Fitschen ihre Strategie vorstellen, mit der sie die bevorstehende Konsolidierung unter den Großbanken überstehen will. Nach Ansicht von Jain, der weiterhin für das Investmentbanking verantwortlich zeichnen wird, dürften am Ende der Konsolidierung nur noch fünf bis sechs internationale Großbanken übrig bleiben. Höchstens eine werde davon aus Kontinentaleuropa stammen und diese soll dann die Deutsche Bank sein, erklärte Jain den Mitarbeitern anlässlich seines Amtsantritts am 1. Juni.

Strengere Kapitalvorschriften kosten die Banken Geld

Nach Einschätzung von Roland Berger war die Ertragserholung im Investmentbanking im ersten Quartal nicht nachhaltig. Europäische Staatsschuldenkrise, strengere Kapital- und Liquiditätsanforderungen wie etwa Basel III oder der auf der ganzen Welt intensivere Wettbewerb würden die Profitabilität der Banken senken. Deutliche Überkapazitäten zwängen daher zu einer Fokussierung auf bestimmte Bereiche, einen starken Stellenabbau, Kosteneffizienz und Konsolidierung.

Hatten die Investmentbanken vor der Finanzkrise im Jahr 2006 noch einen Ertragspool von 270 Milliarden Euro, waren es im vergangenen Jahr nur noch 230 Milliarden Euro. In einem optimistischen Szenario, das eine weitgehende Lösung der europäischen Staatsschuldenkrise voraussetzt, dürften sich die Erträge in diesem Jahr kaum auf ein Niveau wie vor der Krise erholen. Sollten die Kapitalmärkte so verunsichert bleiben wie zuletzt, dürften die Erträge im Investmentbanking auf der ganzen Welt 2012 auf 200 Milliarden Euro sinken.

Infografik / Erträge im Investment Banking © F.A.Z. Vergrößern Die Ertragsentwicklung bis 2011 sowie die Trend-Szenarien für 2012 – von pessimistisch bis optimistisch

Entsprechend niedrig fallen die Eigenkapitalrenditen aus. Hatten sie 2010 im Durchschnitt der Branche im Jahr noch 15 Prozent betragen, hat sich die Rendite ein Jahr später auf 7 Prozent mehr als halbiert. Nur in einem sehr optimistischen Szenario erwartet Roland Berger in diesem Jahr eine Erholung auf 11 Prozent, ansonsten dürften es zwischen 5 und 9 Prozent sein.

In Asien läuft es besser

Am deutlichsten dürfte die Profitabilität für die reinen Investmentbanken fallen. Dazu zählen Häuser wie Goldman Sachs, Morgan Stanley oder UBS. Für diese Gruppe erwarten die Berger-Berater eine durchschnittliche Eigenkapitalrendite in der Spanne von 0 bis 5 Prozent. Für große Universalbanken wie JP Morgan, Deutsche Bank oder HSBC sieht es etwas besser aus mit einer Rendite von 4 bis 7 Prozent. Am besten mit Renditen im niedrigen zweistelligen Bereich dürften die auf Schwellenländer spezialisierten Investmentbanken abschneiden.

Doch dahin zieht es auch die etablierten Wettbewerber. Die Deutsche Bank räumt in ihrer Strategie Asien eine regionale Priorität ein. Im Frühjahr hatten Morgan Stanley und die Beratungsgesellschaft Oliver Wyman schon eine Studie zu den Perspektiven im Großkundengeschäft und im Investmentbanking erstellt. Zu den Gewinnern des Umbruchs wurde die Deutsche Bank gezählt. In dieser Studie wurde den Investmentbanken empfohlen, entweder in einzelne Geschäftsbereiche stark zu investieren oder diese ganz aufzugeben.

Quelle: F.A.Z.

 

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