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Filmindustrie Ein bisschen Pixar für Disney

10.04.2008 ·  Walt Disney fehlte im Zeichentrickgeschäft die Kreativität. Deshalb wurde vor zwei Jahren Pixar gekauft. Eine Vorschau auf die nächsten Filme zeigt: Die beiden Seiten bewegen sich aufeinander zu.

Von Roland Lindner
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Eine ausgewaschene schwarze Jeans, ein Hawaii-Hemd mit quietschgrünen Palmen, darüber eine abgewetzte dunkelgraue Jacke: sieht so der Retter der Zeichentrickfilme von Walt Disney aus? Für John Lasseter, den Kreativchef der Zeichentrickstudios des amerikanischen Unterhaltungskonzerns, ist es ein großer Tag: Er soll vor Hunderten von Industrievertretern und Journalisten das Trickfilmprogramm von Disney für die nächsten fünf Jahre präsentieren. Ein Anlass, sein zum Markenzeichen gewordenes übergroßes Hawaii-Hemd aufzugeben, ist das trotzdem nicht: "Was dachtet ihr denn, was ich heute anziehen werde?", fragt er ins Publikum, als er die Bühne eines Auditoriums der New York University betritt.

Für Disney steht an diesem Tag in der Tat viel auf dem Spiel. Es gibt nichts, womit der Name "Disney" so stark identifiziert wird wie mit Trickfiguren. Disney hat hier eine ruhmreiche Geschichte und einige der populärsten Zeichentrickcharaktere der Welt geschaffen: "Mickey Mouse", die berühmteste Figur schlechthin, feiert in diesem Jahr ihren achtzigsten Geburtstag. Etliche Kinofilme von Disney wie "Bambi" oder "König der Löwen" sind zu Klassikern geworden. In diesem Jahrzehnt hat Disney aber eine schwere Krise im Zeichentrickgeschäft durchgemacht: Das Unternehmen lieferte eine ganze Serie von Flops wie "Der Schatzplanet" oder "Die Kühe sind los" ab, von denen heute niemand mehr spricht.

Disney kaufte Pixar für 7,4 Milliarden Dollar

Die Serie von Misserfolgen war umso blamabler, weil andere Trickfilmstudios einen Kassenschlager nach dem anderen ablieferten und damit Disney auf seinem ureigenen Revier vorführten. Das noch junge amerikanische Studio Pixar wuchs zur neuen Macht im Zeichentrickgeschäft heran: Pixar brachte im Jahr 1995 seinen ersten Spielfilm "Toy Story" heraus, es folgten Produktionen wie "Findet Nemo" und "Die Unglaublichen". Disney-Vorstandsvorsitzender Bob Iger kam zu einer nüchternen Erkenntnis: Offenbar haben andere frischere Ideen. Vor zwei Jahren zog er die Konsequenzen: Disney kaufte Pixar für 7,4 Milliarden Dollar.

Für John Lasseter, den Kreativchef von Pixar, hatte Iger eine Schlüsselrolle vorgesehen. Er bekam den gleichen Posten für das gesamte, nun um Pixar erweiterte Zeichentrickgeschäft von Disney. Es war eine Genugtuung für Lasseter, der in den achtziger Jahren schon einmal für Disney gearbeitet hatte, aber gefeuert wurde. Iger versprach, Pixar an der langen Leine zu halten. Die Produktionseinheiten von Pixar und Disney sind auch nach der Übernahme unabhängig geblieben.

Auf die Trennung der Marken wird Wert gelegt

Lasseter hat einen doppelten Auftrag von Iger: Er soll zum einen die Erfolgsserie von Pixar fortsetzen und zum anderen der Kernmarke Disney den notwendigen Kreativschub geben. Dass er das Zeug dazu hat, soll er jetzt in New York unter Beweis stellen. Lasseter gibt eine Vorschau auf die Disney- und Pixar-Produktionen bis Ende 2012. Einen derart langfristigen Ausblick hat man von Pixar noch nie erlebt, das Studio hat sich früher viel bedeckter gehalten, was seine künftigen Projekte betrifft.

Man kann erkennen, dass auf die Trennung der Marken Disney und Pixar weiterhin Wert gelegt wird: Die Filme werden ganz klar als entweder von Pixar oder von Disney ausgewiesen. Und doch hat man den Eindruck, dass sich die beiden Seiten aufeinander zubewegen, und die Handschrift von Lasseter ist klar zu erkennen. Die Disney-Produktionen scheinen ein bisschen frecher und schrulliger zu werden. Auf dem Programm steht noch für dieses Jahr der Disney-Film "Bolt" über einen Hund, der sich für einen Superhelden hält - eigentlich klassisches Pixar-Material. Aber auch den eher traditionellen Disney-Geschichten versucht Lasseter einen neuen Dreh zu geben, zum Beispiel mit dem für 2009 geplanten farbenprächtigen Jazz-Musical "The Princess and the Frog", das in New Orleans spielt. Der für 2010 geplante Streifen "Rapunzel" wird das erste Disney-Märchen sein, das mit der von Pixar vorangetriebenen Computer-Animationstechnik entsteht. Auf der anderen Seite scheint auch Pixar Anleihen bei Disney zu nehmen: So klingt der für 2011 geplante Pixar-Film "The Bear and the Bow" über eine schottische Prinzessin nach einer lupenreinen Disney-Geschichte.

"Zeichentrick ist das Herz und die Seele von Disney", sagt Lasseter. Tatsächlich geht die wirtschaftliche Bedeutung der Animationssparte weit über die Einspielergebnisse eines einzelnen Films hinaus. Wenn ein Film erfolgreich ist, dann wird er auch in etlichen anderen Geschäftsbereichen von Disney zu Geld gemacht und weiterverwertet, ob in Freizeitparks, Musicals oder auf Spielzeug. Deswegen hat es sich Bob Iger auch nicht nehmen lassen, die Präsentation zu verfolgen. Er überlässt die Bühne aber den Kreativmenschen und setzt sich unauffällig ins Publikum. Auf die Frage, welches Projekt ihm am besten gefällt, antwortet er hinterher ganz professionell und nennt die Produktion, die als Nächste in die Kinos kommt: die Roboter-Liebesgeschichte "Wall-E" von Pixar, deren Start in Amerika im Juni angesetzt ist.

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Jahrgang 1970, Wirtschaftskorrespondent in New York.

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