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Fiat und Magna Dreist treten die Opel-Retter auf

26.04.2009 ·  Fiat und Magna interessieren sich ernsthaft für Opel. Sie wollen sich das Geschäft vom Steuerzahler absichern lassen. Und die Regierung lässt sich erpressen. Die Position Berlins ist ungünstig - man hat sich allzu früh festgelegt, Opel um jeden Preis zu retten.

Von Carsten Germis
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Spätestens in der ersten Maiwoche kommt es zum Schwur. Dann entscheidet sich, ob der italienische Autobauer Fiat mit Hilfe des deutschen Steuerzahlers den Konkurrenten Opel übernimmt. Fiat hat gute Chancen, aber einen ernsthaften Mitbewerber gibt es noch: Auch der kanadisch-österreichische Autozulieferer Magna interessiert sich für Opel.

Fiat und Magna verhandeln zwar in Amerika mit der ums Überleben kämpfenden Opel-Mutter General Motors über den Preis für die deutsche Tochter. Doch beide wissen, dass am Ende derjenige von ihnen den Zuschlag bekommen wird, der die deutsche Politik – und damit Milliardenbürgschaften der Steuerzahler – auf seine Seite bringt.

Der Fall Opel gehorcht eigenen Gesetzen

Der „Fall Opel“ gehorcht längst eigenen Gesetzen. Der Autohersteller ist ein Politikum, deswegen spielt sich hier auch kein gewöhnliches Übernahmepoker ab. Da verhandeln in Wirklichkeit keine Unternehmen, die Politik führt die Regie, deutsche Staatssekretäre treffen sich mit amerikanischen Regierungsvertretern. Es geht nicht darum: Wer passt zu wem? Und wer bezahlt wie viel? Am liebsten hätten die Interessenten Opel sowieso geschenkt, am besten mit einer Prämie aus der Steuerkasse obendrauf.

Die Position der deutschen Regierung ist ungünstig, weil sie sich früh festgelegt hat, Opel um jeden Preis zu retten. Das erleichtert den potentiellen Käufern das Geschäft, sie diktieren jetzt die Bedingungen. „Und die Investoren sind nicht schüchtern“, berichtet ein Beamter, „Die wollen möglichst wenig zahlen und möglichst viel bekommen.“ Die Bundesregierung ist unter diesem Druck offenbar bereit, nicht nur für notwendige Investitionen, sondern auch für den Kaufpreis Bürgschaften zu geben.

Herrliche Voraussetzungen für Fiat und Magna

Für Fiat und Magna sind das herrliche Voraussetzungen. Geht die Rechnung mit Opel nicht auf, zahlt der deutsche Steuerzahler. Schon der Europachef von General Motors, Carl-Peter Forster, soll der Bundesregierung bei seinen ersten Bittgängen um Bürgschaften forsch entgegengehalten haben: „Wäre doch schade, wenn die ganzen Arbeitsplätze ausgerechnet im Wahljahr verlorengehen.“

Forster war es auch, der bei Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) die Weichen für Fiat gestellt hat. Er setzte durch, dass Roland Berger mit der Suche nach Investoren betraut worden ist. Sein Kalkül war, dass Berger, der bei Fiat im Aufsichtsrat sitzt, die Italiener mit ins Boot holt. Und so kam es auch. Die Präferenz von General Motors für Fiat ist eindeutig. Auch Minister zu Guttenberg scheint für die italienische Lösung Sympathien zu hegen. Nur mit der Fusion von Fiat und Opel könnte ein Konzern entstehen, der groß genug ist, im Wettbewerb zu bestehen, argumentiert er.

Der Ton wird dann in Italien vorgegeben

Das Problem: Der Ton wird dann in Italien vorgegeben und nicht in Rüsselsheim. Zwar würde die Bundesregierung die Milliardenbürgschaften für Fiat an Sicherheiten für Arbeitsplätze und Standorte knüpfen. Doch wie viel wären diese Zusagen wert, wenn die Krise der Automobilindustrie anhält? Fiat hat hohe Schulden, Werke in Italien, die deutlich weniger produktiv sind als die deutschen Opel-Werke, und muss ebenfalls Kapazitäten abbauen. Die Angst ist groß, dass in Rüsselsheim Tausende Arbeitsplätze vernichtet werden, um sie in Mailand zu retten, oder dass am Ende im hochmodernen Opel-Werk in Eisenach nur noch der Fiat 500 gebaut wird.

Diese Furcht veranlasste die Gegner einer italienischen Lösung, die Verhandlungen publik zu machen – und sie so zu torpedieren. Die IG Metall, aber auch Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier stellen sich öffentlich gegen den italienischen Investor – und damit gegen den Wirtschaftsminister. „Fiat war der erste Bieter, der bekanntgeworden ist“, sagt Koch. „Damit muss der italienische Hersteller aber nicht der beste sein.“ Koch setzt auf Magna, den mit mehr als 74 000 Beschäftigten und 240 Produktionsstätten größten Autozulieferer der Welt. Anders als im Falle von Fiat gibt es hier keine direkte Konkurrenz; der Opel-Stammsitz im hessischen Rüsselsheim würde im neuen Unternehmen ein wichtiges Entscheidungszentrum werden.

Ein Investor muss den Erhalt vieler Arbeitsplätze versprechen

Der Maßstab, den zu Guttenberg, Koch & Co. am Ende anlegen werden, ist klar: Der Investor muss den Erhalt von möglichst vielen Arbeitsplätzen versprechen und ein Konzept haben, um mit Opel dauerhaft Gewinn zu erzielen. Fiat ist mit seinem Plan schon sehr weit. Magna arbeitet fieberhaft daran. „Es sieht so aus, als könnte man diese Konzepte bald vorstellen“, heißt es in Berlin. Dann will Minister zu Guttenberg schnell entscheiden, denn die Zeit drängt. Schon Ende Mai droht dem amerikanischen Mutterkonzern die Insolvenz. Bis dahin muss Opel seinen eigenen Weg gefunden haben.

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Jahrgang 1959, Wirtschaftskorrespondent für Japan mit Sitz in Tokio.

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