http://www.faz.net/-gqe-75su1
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 17.01.2013, 07:59 Uhr

Feuer durch Batterien Behörden untersagen „Dreamliner“-Flüge

Der „Dreamliner“ wird für Boeing zum Albtraum. Die Behörden in Amerika, Japan und Europa untersagen Flüge. Als Grund für die Probleme werden die eingebauten Batterien genannt. Eine Lösung dürfte nicht einfach werden.

© dpa Hier hebt kein „Dreamliner“ mehr ab: Die amerikanische FAA will alle Maschinen untersuchen

Boeings Vorzeigeflieger „Dreamliner“ muss nach einer Reihe von Pannen in den Vereinigten Staaten vorerst am Boden bleiben. Die Luftfahrtbehörde FAA hat diese Anordnung für die in den Vereinigten Staaten registrierten Maschinen am späten Mittwoch in Washington erlassen. Als Grund nannte sie das Risiko eines Feuers durch die eingebauten Batterien. Direkt vorausgegangen war eine Notlandung eines „Dreamliners“ in Japan, nachdem eine Batterie geschmort hatte.

Die beiden japanischen Fluglinien All Nippon Airways und Japan Airlines hatten daraufhin für Mittwoch und Donnerstag alle Flüge mit dem Langstreckenjet gestrichen. Nun untersagten auch die europäische und die japanische Luftfahrtbehörde den Betrieb des Langstreckenflugzeugs bis auf Weiteres. In Europa hat bislang nur die polnische Fluggesellschaft LOT „Dreamliner“ in Betrieb. Den japanischen Fluggesellschaften wurde am Donnerstag eine entsprechende Anordnung erteilt. Demnach muss Boeings Vorzeigeflieger in Japan solange am Boden bleiben, bis die Sicherheit der Maschinen gewährleistet ist.

Mehr zum Thema

In der Vorwoche hatte eine Batterie eines am Boden stehenden „Dreamliners“ in Boston gebrannt. Bislang hat Boeing 50 „Dreamliner“ ausgeliefert, die Hälfte davon ging nach Japan. In den Vereinigten Staaten fliegt bislang nur United Airlines das Modell und ist entsprechend von der FAA-Anordnung betroffen. Die sechs Maschinen dürften erst dann wieder abheben, wenn die Fluggesellschaft gegenüber der Luftfahrtbehörde nachgewiesen habe, dass die Batterien sicher seien, erklärte die FAA.

Die FAA will nun mit Boeing und den Fluggesellschaften zusammenarbeiten, um schnellstmöglich eine Lösung für das Batterieproblem zu finden. Das könnte aber nicht ganz einfach werden: Das hochmoderne Flugzeug ist mehr noch als ältere Modelle auf Strom angewiesen. Viele hydraulische Systeme wurden durch Computersteuerungen ersetzt.

Die Flüge mit Boeings Vorzeigeflieger werden abgesagt © dpa Vergrößern Die Flüge mit Boeings Vorzeigeflieger werden abgesagt

Bei den Batterien handelt es sich nach FAA-Angaben um Lithium-Ionen-Akkus. Dieser Typ wird auch in Handys, Digitalkameras oder Notebooks eingesetzt, weil er auf kleinen Raum viel Strom speichern und lange halten kann. Jedoch gab es auch bei diesen Elektronikgeräten immer wieder Fälle brennender oder schmorender Batterien. Beim „Dreamliner“ würde den Gründen für die Brandgefahr bei den Batterien gerade nachgegangen, erklärte die FAA.

Sie hatte erst in der vergangenen Woche eine weitreichende Untersuchung vor allem der elektrischen und mechanischen Systeme gestartet, nachdem sich die Pannen gehäuft hatten. Die leichten Verbundwerkstoffe, aus denen der „Dreamliner“ besteht, machen dagegen bislang keine Probleme. Die FAA erklärte, andere Flugaufsichtsbehörden weltweit zu informieren, damit auch diese Maßnahmen ergreifen könnten.

© reuters, Reuters Notlandung in Japan: Airlines streichen Dreamliner-Flüge

Amerikanische Experten sind zudem bereits unterwegs nach Japan, um den dortigen Pannenflieger unter die Lupe zu nehmen. In Deutschland betreibt bislang keine einzige Fluggesellschaft den „Dreamliner“. Air Berlin hat aber 15 Stück bestellt. Tui Travel will 13 Maschinen abnehmen. Insgesamt liegen Boeing rund 800 Bestellungen für die jeweils etwa 200 Millionen Dollar teuren Flieger vor. Die Aktie des Airbus-Rivalen fiel nachbörslich um weitere 2 Prozent.

Nach der Entscheidung der FAA nahm auch Air India seine sechs „Dreamliner“-Maschinen des amerikanischen Herstellers Boeing aus dem Flugplan. Air India-Chef Rohit Nandan sagte der Zeitung „Times Of India“ am Donnerstag: Im Einklang mit der FAA-Anweisung habe Air India entschieden, die Maschinen vorerst für Überprüfungen aus dem Verkehr ziehen.

Quelle: FAZ.NET/dpa

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Airbus-Rivale Rechnet Boeing mit viel weniger Flugzeugbestellungen?

Eigentlich ging der Flugzeughersteller Boeing davon aus, mehr als 740 Flugzeuge in diesem Jahr zu verkaufen. Internen Zahlen zufolge sollen es nun angeblich merklich weniger sein. Mehr

23.08.2016, 08:10 Uhr | Wirtschaft
Deutlicher Punkterückgang Brexit schickt deutsche Wirtschaft auf Talfahrt

Das Münchner Ifo-Institut hat bekanntgegeben, dass der Geschäftsklima-Index im August um 2,1 auf 106,2 Punkte gefallen ist. Als ein Grund dafür wird der Brexit-Schock gesehen. Mehr

25.08.2016, 18:01 Uhr | Wirtschaft
Frankfurter Flughafen Pilot wollte betrunken nach Sri Lanka fliegen

Kurz vor dem Start ist am Frankfurter Flughafen ein Flugzeug von SriLankan-Airlines aus dem Verkehr gezogen worden – der Pilot wollte sich betrunken ans Steuer setzen. Mehr

21.08.2016, 18:05 Uhr | Aktuell
Die Briten haben abgestimmt Was ist der Brexit?

Die Briten haben abgestimmt, dass ihr Land die EU verlassen soll. Aber: Können sie überhaupt austreten? Und was bedeutet das für Deutschland? Mehr Von Marcus Theurer und Reinhard Weber

25.08.2016, 17:19 Uhr | Wirtschaft
Olympia-Bilanz Blick in einen neuen Spiegel

Noch nie geriet Olympia so sehr in Verlegenheit: Aus kommerzieller Sicht waren die ersten Spiele in Südamerika ein Erfolg – aber Brasilien dürfte nach der Schlussfeier mit einem Kater erwachen. Mehr Von Evi Simeoni, Rio de Janeiro

22.08.2016, 07:03 Uhr | Sport

Für den Steuerzahler

Von Kerstin Schwenn, Berlin

In Zeiten steigender Haushaltsüberschüsse sollte in Berlin das Bewusstsein dafür reifen, dass dieses Geld großenteils dem Steuerzahler gebührt. Die Leistungsträger haben das verdient. Mehr 1 0

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Türkeikrise bremst Fusionen und Übernahmen

Die Krise in der Türkei bestimmt weiter die Schlagzeilen. Aber was bedeutet sie für die Wirtschaft? Dazu gibt es jetzt eine erste Schätzung. Und die sieht ziemlich erschreckend aus. Mehr 0