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Fertighäuser Das Ende der Pappschachtel

24.03.2007 ·  Energiesparhäuser gibt es jetzt beim Discounter: Der Fertighausbauer Libella hat Plus als Absatzkanal entdeckt. Zum Schnäppchenpreis sind die eigenen vier Wände aber nicht zu haben. „Bauen wird teurer“, sagt der Geschäftsführer.

Von Johannes Winkelhage
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Müsliriegel, H-Milch und ein Eigenheim. Wer kauft sein Haus beim Discounter? Diese Frage konnten sich seit Anfang Februar alle Kunden der Plus-Märkte stellen. Seit diesem Zeitpunkt wirbt der für sein Lebensmittelgeschäft und preiswerte Kleinteile bekannte Discounter für Fertighäuser vom Hersteller Libella. Der Preis beträgt immerhin noch knapp 160.000 Euro. Das Grundstück muss allerdings noch zusätzlich erworben werden. Trotz des für Plus untypischen Angebotes gibt es durchaus Interesse an den Häusern.

„Die Zusammenarbeit mit Plus ist für uns mehr als eine reine Marketingaktion, um die Häuser bekannter zu machen“, sagt Markus Schreyögg, Geschäftsführer der Libella-Haus GmbH aus Ziesar. „Plus ist für uns sein sehr effektiver Absatzkanal. Wir kommen mit den Prospekten des Discounters in rund 250.000 Haushalte hinein, und rund 5000 davon zeigen echtes Interesse an dem Angebot.“

„Die Aktion ist sehr erfolgreich“

Genaue Zahlen, wie viele Häuser in der diesjährigen Kooperation bisher abgesetzt worden sind, will sich Schreyögg nicht entlocken lassen. Er rechnet aber mit dem Verkauf von 100 bis 150 Einheiten bis zum Ende der Aktion am 31. März. Etwa ebenso viel Häuser wurden schon bei einem Vorläuferangebot vor zwei Jahren über den Absatzkanal Plus verkauft.

Das ist für Libella eine große Zahl. Das Unternehmen, das zur Kampa-Haus-Gruppe und damit zu einem der größten Fertighaushersteller auf dem deutschen Markt gehört, hat es sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2008 rund 500 Häuser jährlich abzusetzen, und Schreyögg lässt keine Zweifel daran, dass Libella durch die Kooperation mit Plus auf diesem Weg ein gutes Stück nach vorne kommt. „Die Aktion ist sehr erfolgreich, und wir werden dies in der Zukunft wiederholen“, sagt er im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Viele Bauherren legen selbst Hand an

Dabei bleibt die Profitabilität seinen Angaben zufolge nicht auf der Strecke. „Die gesamte Baubranche ist nicht gerade mit hohen Margen gesegnet. Zwei bis drei Prozent des Umsatzes bleiben den Unternehmen im Durchschnitt als Ergebnis nach Steuern. Manchen langt das. Wir haben bei Kampa allerdings ein Renditeziel von sechs Prozent vor Steuern“, erklärt Schreyögg und fügt hinzu: „Libella ist ein gut profitables Unternehmen.“ Auch am Plus-Haus werde Geld verdient, obwohl der Rabatt rund 15 Prozent auf den Listenpreis betrage.

Ein Grund für die wachsende Beliebtheit der Fertighäuser ist auch die Möglichkeit für den Käufer, die Kosten durch Eigenleistung beim Aufbau des Hauses weiter zu senken. Rund 40 Prozent der Bauherren würden bei Libella davon Gebrauch machen und das Haus nur mit Hilfe von handwerklich begabten Freunden und einem Richtmeister des Lieferanten aufbauen. Mehrere Tausend Euro seien so zu sparen.

„Drei-Liter-Haus“

Die hohe Nachfrage nach dem Libella-Haus bei Plus zeigt zudem, dass das Fertighaus den Charakter des Pappschachtelbaus für weniger Betuchte in den vergangenen Jahren deutlich verloren hat. „Der niedrigere Preis ist nur noch ein starkes Argument unter vielen für unsere Kunden“, sagt Schreyögg. Vor allem in Sachen Energieeinsparung habe sich die Fertighausbranche in den vergangenen Jahren einen guten Ruf erworben. Dies sei inzwischen das zweitwichtigste Kriterium bei der Entscheidung der Bauherren für ein Fertighaus. „Der konventionelle Bau kommt da nicht mit“, sagt Schreyögg. „So müsste eine Mauer eine Dicke von rund einem Meter haben, um ähnliche Energiewerte wie die Fertigkonstruktionen aufweisen zu können.“

Libella wirbt mit dem Begriff vom „Drei-Liter-Haus“ für die energetischen Eigenschaften seiner Produkte. Gute Dämmung des Baukörpers, Drei-Scheiben-Verglasung oder auch der Einsatz von Wärmepumpen gehören zur Serienausstattung und machen das Haus unabhängig von einer Gas- oder Ölheizung. Ein Kostenblock, der den Bauherrn später nicht belastet. Dies sollte nach Ansicht von Schreyögg bei der Berechnung der laufenden Kosten berücksichtigt werden. „Mit dem Pappschachtel-Syndrom haben wir in Deutschland keine Probleme mehr“, sagt der Libella-Manager. „Es gibt aber Märkte in Europa, auf denen das noch anders aussieht. So sei zum Beispiel diese Bauweise in Italien noch deutlich unterrepräsentiert. In Österreich hingegen werde schon jedes dritte Haus in Fertigbauweise erstellt, in Skandinavien - dem Ursprungsland des Fertigbaus - liege dessen Anteil bei mehr als 50 Prozent der Neubauten.

Expansion im Ausland

Auch in Deutschland gewinnt das Fertighaus an Boden. Rund 14 Prozent aller Baugenehmigungen für Ein- oder Zweifamilienhäuser entfielen im vergangenen Jahr auf Fertighäuser. Dies hat der Bundesverband Deutscher Fertigbau ausgerechnet. 2006 seien knapp 19.000 Fertighäuser genehmigt worden, das sind 0,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Demgegenüber ist die Zahl der Genehmigungen für konventionell erstellte Gebäude um 0,2 Prozent auf gut 133.000 gesunken.

Libella setzt auch angesichts dieser Stagnation - wie andere Unternehmen der Branche - auf die Expansion im Ausland. In Italien, Österreich, Slowenien und der Schweiz ist der Fertigbauer schon vertreten. Die Beneluxstaaten kommen in diesem Jahr noch hinzu. Rund 35 Prozent des Umsatzes fließen bei Libella inzwischen aus diesen Auslandsgesellschaften.

„Bauen wird teurer“

Doch drücken die Branche trotz des leichten Wachstums auch Sorgen. „Der Markt ist klein und sehr hart umkämpft“, beschreibt Schreyögg die Wettbewerbssituation. Dabei gibt es aber keinen Spielraum für große Preiskämpfe. Die Hausbauer leiden unter den deutlichen Preissteigerungen für die Rohstoffe. „Stahl, Holz, Zink. Alle Rohstoffpreise sind im vergangenen Jahr stark gestiegen. Allein Holz ist heute 50 Prozent teurer als Anfang des Jahres 2005“, berichtet der Libella-Geschäftsführer. Er geht auch nicht davon aus, dass sich die Rohstoffmärkte auf absehbare Zeit beruhigen werden. Dazu sei die Nachfrage aus Indien oder China einfach zu groß.

Gerade die explosionsartig gestiegene Nachfrage nach Holz habe für einige Fertighaushersteller im vergangenen Jahr zu erheblichen Schwierigkeiten geführt. „Es gab durchaus Betriebe, die einige Holzlieferungen nicht mehr erhalten haben. Bestimmte Holzquerschnitte waren einfach nicht mehr am Markt“, sagt Schreyögg. Davon sei Libella auf Grund der Zugehörigkeit zur Kampa-Gruppe zwar verschont geblieben. Es habe aber diese Knappheit gegeben, was den Druck vor allem auf die mehr als 100 kleinen und mittelständischen Fertigbauer in Deutschland deutlich erhöht habe.

Der dauerhafte Druck auf die Rohstoffpreise kann nach Ansicht von Schreyögg zwar zum Teil durch „intelligentere Bauweise und neue Konstruktionen“ aufgefangen werden. Den Rest aber müsse auch Libella an den Verbraucher weitergeben. „Bauen wird teurer“, lautet seiner Ansicht nach das Fazit dieser Entwicklung. Das gelte auch für den Fertigbau.

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