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Ferrari Wo das Geld noch hemmungslos zum Fenster hinausgeworfen wird

02.05.2005 ·  Es wurde aber auch Zeit, daß in Las Vegas eine Ferrari-Maserati-Filiale eröffnet. In der Hochburg der Millionäre will man jetzt Verkaufsrekorde brechen.

Von Roland Lindner
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Duncan Lee ist eine der wichtigsten Personen im Raum, aber darauf würde man wahrscheinlich nicht von selbst kommen. An diesem Morgen wird die Eröffnung des Ferrari-Maserati-Autohauses im neuen Wynn Las Vegas gefeiert, dem teuersten Kasinohotel der Welt.

Der schillernde Kasinoeigentümer Steve Wynn ist da, Ferrari-Manager in feinsten Anzügen und etliche Kunden des italienischen Herstellers, denen der Reichtum ins Gesicht geschrieben steht. Daneben geht Lee fast unter, mit seiner etwas abgewetzten schwarzen Jeans und seinem Sporthemd.

Bei Amerikanern sitzt das Geld lockerer

George Chapes, der Chef des Autohauses, weiß aber ganz genau um die Bedeutung von Lee und schenkt ihm für ein paar Minuten seine volle Aufmerksamkeit. Lee ist einer der heißesten Kandidaten für den Kauf eines Ferrari im Raum. Entsprechend läßt Chapes seinen ganzen aggressiven Autoverkäufercharme spielen, klopft seinem potentiellen Kunden auf die Schulter und lacht: „Na, haben Sie schon einen Scheck geschrieben?“ So leicht ist das aber zum Leidwesen des Sportwagenhändlers nicht mit Herrn Lee. Der gebürtige Hongkong-Chinese kommt nach den Worten von Chapes seit der Eröffnung des Kasino-Hotels jeden Tag ins Ferrari-Geschäft, schaut sich ein bißchen um, war schon kurz davor, zuzuschlagen, ging aber bisher noch jedes Mal ohne Vertragsabschluß zur Tür hinaus.

„Irgendwie haben es Asiaten nicht so im Blut, schnelle Entscheidungen zu treffen“, mutmaßt Chapes. Ganz im Gegensatz zu Amerikanern, bei denen es im Regelfall ruckzuck geht: „Meistens schreiben sie auf der Stelle einen Scheck.“ Die Finanzierungsmodelle, die Ferrari für seine zumeist mehrere hunderttausend Dollar teuren Wagen anbietet, sind dabei fast völlig überflüssig: „Hier fragt niemand, wieviel das Auto kostet, sondern nur: Wann kann ich das Auto haben?“ sagt Chapes.

Laufsteg der Millionäre

Die Kasino-Hochburg Las Vegas ist die Stadt des hemmungslosen Geld-zum-Fenster-Hinauswerfens. Davon kann man sich gerade im Wynn-Hotel überzeugen, das für den Rekordbetrag von 2,7 Milliarden Dollar auf dem „Strip“, der Amüsiermeile von Las Vegas, aus dem Boden gestampft wurde. Die ersten Tage nach der Eröffnung sind geprägt von den Reichen, Schönen und Prominenten. Der Immobilienunternehmer Donald Trump ist gekommen, ebenso die Schauspielerin Elizabeth Taylor und der Regisseur Steven Spielberg.

Vor dem Haus fährt eine Stretch-Limousine nach der anderen vor, es ist eine Parade des zur Schau gestellten Reichtums. Frauen geizen nicht mit Schmuck, Schminke und Designerkleidung, und bei vielen von ihnen wie auch bei etlichen Männern drängt sich der Verdacht auf, daß bei ihrem Aussehen chirurgisch nachgeholfen wurde.

Freigetränke als Köder für Touristen

Das Wynn hat nur die allerfeinsten Einkaufsadressen, von Cartier bis Oscar de la Renta, und es gibt die erste Las-Vegas-Filiale der superteuren Schuhmarke „Manolo Blahnik“, die mit der Fernsehserie „Sex and the City“ bekannt wurde. Die Preise sind überall schwindelerregend, egal ob im Cafe (knapp 5 Dollar für einen Muffin) oder in den Hochzeitskapellen (5000 Dollar für die Standardzeremonie).

Nur die Getränke im Kasino sind wie überall in Las Vegas umsonst, damit die Spiellust der Besucher angeregt wird und auch den gewöhnlichen Touristen das Geld aus der Tasche gezogen werden kann. Ohne diese Touristen kommt selbst das Wynn nicht aus, und sie bilden mit ihrer schlichten bis schlampigen Optik einen krassen Gegensatz zum Nobelpublikum.

Endlich eine Filiale für die Millionäre von Las Vegas

Das erstaunlichste an der Ferrari-Filiale ist, daß es sie nicht schon vorher gegeben hat. Die Stadt, die mitten in der Wüste des Bundesstaates Nevada liegt, hat in den vergangenen Jahren einen riesigen Boom erlebt: Die Besucherzahlen klettern steil nach oben, und das blühende Geschäft zieht immer mehr Menschen an, die sich hier niederlassen. Heute haben Las Vegas und seine Vororte eine immense Millionärsdichte. Ferrari hat mehr als 30 Geschäfte über die Vereinigten Staaten verstreut, ausgerechnet Las Vegas und seine Superreichen blieben aber bislang außen vor, und reiche Autonarren wie Lou Adimare wurden nicht bedient.

Adimare hat sein Vermögen mit einer Computer-Leasingfirma gemacht. Irgendwann hat er das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 500 Millionen Dollar verkauft, und heute lebt er als Rentner im noblen Henderson, einem Vorort von Las Vegas. Sechs Luxusautos hat er schon in seinen Garagen stehen, ein Ferrari ist bisher nicht darunter. Nach Jahren des Wartens hat er sich jetzt einen feuerroten Superflitzer bestellt und sehnt den Tag der Lieferung herbei: „Vielleicht bauen sie ja gerade in diesem Moment in Italien mein Auto.“

Selbst Donald Trump wird zum Kind

Für Ferrari ist Nordamerika heute der wichtigste Markt (vor Deutschland). 1440 Autos hat die Gesellschaft im vergangenen Jahr verkauft, für dieses Jahr hat sich Nordamerika-Chef Maurizio Parlato die Zahl von 1500 vorgenommen. In Las Vegas verkaufen Ferrari und die Schwestermarke Maserati aus dem italienischen Fiat-Konzern sowohl neue als auch gebrauchte Autos.

Die Wagen aus zweiter Hand stehen im Keller des Geschäfts, viele davon sind Raritäten und kosten um einiges mehr als bei der Neuanschaffung. Nicht zuletzt wegen der älteren Autos ist die Ferrari-Filiale für Steve Wynn eines der Prunkstücke seines neuen Hauses. „Den meisten Spaß habe ich hier im Hotel, wenn ich Gäste in den Keller von Ferrari führe und ihnen die Raritätenmodelle zeige“, sagt er. Selbst ein harter Knochen wie Donald Trump habe sich auf einmal wie ein kleines Kind benommen, und dessen frischangetraute Frau Melania habe am liebsten gleich einen Wagen mitnehmen wollen.

Mindestens ein Ferrari pro Tag

Filialchef Chapes will jedes Jahr 100 neue und 300 gebrauchte Autos verkaufen. Damit müßte er also im Schnitt jeden Tag mehr als einen Abnehmer finden. In den ersten vier Tagen ist das Geschäft nach seinen Worten gut angelaufen. Elf Autos hat Chapes bisher an den Mann gebracht, vier neue und sieben gebrauchte.

Was aber wird Herr Lee machen? Am Geld würde der Kauf eines Ferrari wohl nicht scheitern: Lee ist seit knapp 15 Jahren in der Stadt und Immobilieninvestor - angesichts des Baubooms der vergangenen Jahre ein untrüglicher Hinweis auf ein riesiges Vermögen. Und seiner Frau Irene sieht man an, daß sie regelmäßig bei noblen Adressen einkauft. Lee bleibt aber vorsichtig: „Ich werde mich noch ein bißchen weiter umsehen.“ Autohändler Chapes gibt sich trotzdem siegessicher: „Ich werde Herrn Lee schon noch so weit bekommen.“

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Jahrgang 1970, Wirtschaftskorrespondent in New York.

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