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Fernsehgewohnheiten : Berieseln lassen ist auch ganz nett

Fernsehen in den 60-er Jahren Bild: Picture-Alliance

Immer mehr Menschen nutzen Streamingdienste wie Netflix & Co. Ist traditionelles Fernsehen daher bald tot? Nein, sagt eine Studie.

          Dem traditionellen Fernsehen wird oft eine düstere Zukunft vorausgesagt. Statt ihre Zeitplanung am starren Fernsehprogramm auszurichten, wollen immer mehr Zuschauer selbst entscheiden, wann und was sie sich ansehen wollen. Eine aktuelle Studie der Hochschule Fresenius und des Wissenschaftliches Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste WIK in Bad Honnef zeigt, das Online-Streamingdienste immer beliebter werden. Zwei Drittel der 18- bis 24-Jährigen schauen demnach nur noch selten lineares Fernsehen. Stattdessen werden Filme, Serien und Dokus zunehmend über Anbieter wie Netflix, Amazon Prime oder Youtube angesehen.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dennoch halten die Autoren den oft beschworenen Niedergang des linearen Fernsehens für überzogen. Denn das traditionelle Fernsehen locke auch junge Nutzer. In ihrer Studie kommen die Autoren zu dem überraschenden Ergebnis, dass gerade unter den jungen Deutschen im Alter zwischen 18 und 24 Jahren einige wieder – wenn auch wenige – zum linearen Fernsehen zurückgekehrt seien. Während 2015 knapp 10 Prozent der Jüngeren ausschließlich traditionell Fernsehen schauten, waren es 2016 über 14 Prozent. Auch in der Gruppe der älteren Nutzer über 55 Jahre zeige sich ein ähnlicher Effekt. In diesen beiden Altersgruppen sei der Anteil derjenigen, die ausschließlich traditionell fern schauten, im vergangenen Jahr wieder leicht gewachsen. „Anscheinend ist so mancher, der Onlinedienste ausprobierte, wieder zurück zum traditionellen Fernsehen gekommen“, heißt es in der Studie.

          Eine Trendumkehr kann man daraus aber nicht ableiten, denn gleichzeitig gebe es auch immer mehr junge Menschen, die nur noch online schauen und traditionelles Fernsehen vollständig meiden. Waren das 2015 noch 21 Prozent, so ist der Anteil der ausschließlichen Onlinenutzer in der jüngsten Altersgruppe 2016 auf 28 Prozent gestiegen. Die jungen Nutzer scheinen sich demnach zu polarisieren, die Gruppe der Wechselnutzer werde kleiner, sagt Studienautor René Arnold.

          „Suchen ist anstrengend“

          Um mehr über die Fernsehgewohnheiten zu erfahren, haben die Autoren junge Nutzer ausführlich befragt. Dabei habe sich gezeigt, dass manchen die Onlinedienste auch zu unbequem seien, weil man ständig selbst entscheiden müsse, was man als nächstes sehen will. „Suchen ist anstrengend“, sagt Studienautorin Anna Schneider mit Blick auf die Antworten, „manch einer lässt sich lieber berieseln“. Die Onlinedienste hätten aber großen Einfluss darauf, ob sich Nutzer abwenden. Viel hänge davon ab, wie bequem die Dienste zu benutzen seien: „Wenn die Onlinedienste den Nutzern gute Vorschläge machen, bleiben die Nutzer auch dabei.“ Wichtig sei, dass sie schnell etwas finden, was ihnen gefällt, ohne lange zu suchen. Daher seien viele Onlinenutzer auch damit einverstanden, dass ihre Daten für die Analyse und Personalisierung verwendet werden.

          Die Studie zeigt auf Basis einer Hochrechnung auch, welche Onlinedienste besonders häufig genutzt werden. Sehr beliebt sind demnach die Mediatheken von ARD und ZDF. Beide wurden von mehr als zehn Millionen Nutzern innerhalb der vergangenen 30 Tage genutzt. Die ZDF-Mediathek nutzten rund 10,6 Millionen, die ARD-Mediathek rund 10,3 Millionen. Ähnlich beliebt ist auch der Bezahldienst Amazon Instant Video mit 9,7 Millionen Nutzern. Netflix wurde in Deutschland von rund 4,9 Millionen Menschen genutzt. Youtube nutzten rund 8,9 Millionen in den vergangenen 30 Tagen. Etwas abgeschlagen kommt Maxdome, das Videoportal des Medienunternehmens Pro Sieben Sat 1, noch auf rund 2,4 Millionen Nutzer. Für die Studie befragte das Marktforschungsinstitut Yougov 1027 Personen.

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