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Fernseher Loewe verhandelt mit asiatischen Herstellern

 ·  Der fränkische Fernsehgerätehersteller muss saniert werden. Rettung verspricht ein strategischer Partner aus Fernost. Er soll Panels für die Flachbildschirme liefern. Und frisches Geld mitbringen.

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© dpa Vergrößern Auf Knopfdruck alles neu? Loewe will demnächst preiswertere Fernseher anbieten.

Matthias Harsch ist erst seit wenigen Monaten Vorstandsvorsitzender der börsennotierten Loewe AG. Und doch läuft ihm schon die Zeit davon. Harsch sucht händeringend nach einem strategischen Investor für den angeschlagenen Fernsehgerätehersteller aus dem fränkischen Kronach. Die Hälfte des Grundkapitals ist aufgezehrt und auf der Hauptversammlung am 31. Juli muss eine Kapitalerhöhung her, sonst droht die Insolvenz. Harsch hat viel Zeit in Asien verbracht und glaubt, dort der Rettung nahegekommen zu sein. „Wir verhandeln mit asiatischen Interessenten“, sagte Harsch der F.A.Z: „Die Gespräche mit strategischen Partnern und Investoren machen Fortschritte. Unser Ziel ist es, den Aktionären in Berlin dazu mehr zu sagen.“

Loewe braucht nicht nur frisches Kapital, sondern auch einen verlässlichen Technologiepartner, der die Versorgung mit LCD-Panels für die Flachbildschirme sicherstellt. Bisher haben die Franken die wichtigsten Bauteile von Sharp bezogen. Doch der japanische Loewe-Aktionär ist selbst in schweren Turbulenzen und wird vom südkoreanischen Elektronikkonzern Samsung gestützt. „Loewe stellt sich radikal neu auf, das alte Geschäftsmodell hat ausgedient“, sagte Harsch. Mit den Altaktionären - neben Sharp ist der französische Netzwerkspezialist Lacie sowie der langjährige Vorstandsvorsitzende Rainer Hecker beteiligt - rechnet Harsch nicht. „Wir sehen momentan keine Anzeichen, dass unsere bisherigen Ankeraktionäre an der Kapitalerhöhung teilnehmen werden.“

Die Loewe-Aktie ist seit Jahresbeginn von 3 Euro auf unter 2 Euro gefallen

Die Mittel für die neue Markt- und Produktstrategie sollen also nach Möglichkeit ebenfalls vom neuen Partner kommen. Namen nennt Harsch nicht. Aber es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich einen chinesischen Elektronikriesen wie Haier, Hisense oder TCL Corporation auszumalen, der Gefallen an einer etablierten deutschen Luxusmarke samt Händlernetz finden könnte, um sein Billigsortiment nach oben zu erweitern. Teuer ist ein Einstieg in Franken nicht. Die Loewe-Aktie ist seit Jahresbeginn von 3 Euro auf unter 2 Euro gefallen. Ein mittelhoher, zweistelliger Millionenbetrag dürfte schon reichen.

  Loewe AG
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Für Loewe wiederum geht es darum, das Hochpreissegment um preiswerte Fernseh- und Audiosysteme zu erweitern. „Raus aus dem Olymp“ nennt Harsch den drastischen Strategieschwenk, der angesichts der prekären Lage alternativlos erscheint. Vorbild ist für den Manager, der vom badischen Waagen-Hersteller Bizerba kam, die deutsche Automobilindustrie. „Loewe hat als Premiumanbieter bisher nur den BMW Siebener und Fünfer im Angebot. Künftig werden wir auch die Einser- und Dreier-Reihe anbieten, um einen Anteil von 10 Prozent am Premiummarkt zu erzielen. Dann reden wir von einer Million verkaufter TV-Geräte und 500 Millionen Euro Umsatz.“

Einstweilen wäre Loewe schon geholfen, wenn der drastische Absatz- und Umsatzeinbruch in diesem Jahr gestoppt werden könnte. Im vergangenen Jahr, als ein Fehlbetrag von 44,5 Millionen Euro aus gewiesen werden musste, schrumpfte der Umsatz um 9 Prozent auf 250 Millionen Euro. Seither liegen die Rückgänge Harsch zufolge sogar im zweistelligen Prozentbereich. Seit dem vergangenen Herbst, hat Branchenneuling Harsch festgestellt, halten sich immer mehr Menschen in Westeuropa mit dem Kauf eines neuen Fernsehers oder neuer Lautsprecher zurück. Selbst Schwergewichte wie LG, Samsung oder Sony spüren die Verunsicherung der Verbraucher.

Die Illusion, dass es im zweiten Halbjahr wieder aufwärts gehen und 2014 mit Olympischen Spielen und Fußball-WM eine echte Nachfragebelebung einsetzen könnte, hat Harsch nicht. Er setzt auf die neue Partnerschaft und neue, preiswerte Loewe-Produkte. „My first Loewe“ heißt die Kampagne, mit der das Unternehmen im Einstiegssegment Käufer sucht, die durchschnittlich 15 bis 20 Prozent mehr für einen Fernseher zu zahlen bereit sind. Ob es überhaupt noch dazu kommt, dürfte sich auf der Hauptversammlung in Berlin entscheiden. Dort hatten vor genau 90 Jahren die Brüder Siegmund und David Ludwig Loewe die Firma als Radiofrequenz GmbH gegründet. Nun werden in Berlin abermals die Weichen gestellt.

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