http://www.faz.net/-gqe-7afet
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 25.06.2013, 16:48 Uhr

Fernseher Loewe verhandelt mit asiatischen Herstellern

Der fränkische Fernsehgerätehersteller muss saniert werden. Rettung verspricht ein strategischer Partner aus Fernost. Er soll Panels für die Flachbildschirme liefern. Und frisches Geld mitbringen.

von , München
© dpa Auf Knopfdruck alles neu? Loewe will demnächst preiswertere Fernseher anbieten.

Matthias Harsch ist erst seit wenigen Monaten Vorstandsvorsitzender der börsennotierten Loewe AG. Und doch läuft ihm schon die Zeit davon. Harsch sucht händeringend nach einem strategischen Investor für den angeschlagenen Fernsehgerätehersteller aus dem fränkischen Kronach. Die Hälfte des Grundkapitals ist aufgezehrt und auf der Hauptversammlung am 31. Juli muss eine Kapitalerhöhung her, sonst droht die Insolvenz. Harsch hat viel Zeit in Asien verbracht und glaubt, dort der Rettung nahegekommen zu sein. „Wir verhandeln mit asiatischen Interessenten“, sagte Harsch der F.A.Z: „Die Gespräche mit strategischen Partnern und Investoren machen Fortschritte. Unser Ziel ist es, den Aktionären in Berlin dazu mehr zu sagen.“

Henning Peitsmeier Folgen:

Loewe braucht nicht nur frisches Kapital, sondern auch einen verlässlichen Technologiepartner, der die Versorgung mit LCD-Panels für die Flachbildschirme sicherstellt. Bisher haben die Franken die wichtigsten Bauteile von Sharp bezogen. Doch der japanische Loewe-Aktionär ist selbst in schweren Turbulenzen und wird vom südkoreanischen Elektronikkonzern Samsung gestützt. „Loewe stellt sich radikal neu auf, das alte Geschäftsmodell hat ausgedient“, sagte Harsch. Mit den Altaktionären - neben Sharp ist der französische Netzwerkspezialist Lacie sowie der langjährige Vorstandsvorsitzende Rainer Hecker beteiligt - rechnet Harsch nicht. „Wir sehen momentan keine Anzeichen, dass unsere bisherigen Ankeraktionäre an der Kapitalerhöhung teilnehmen werden.“

Die Loewe-Aktie ist seit Jahresbeginn von 3 Euro auf unter 2 Euro gefallen

Die Mittel für die neue Markt- und Produktstrategie sollen also nach Möglichkeit ebenfalls vom neuen Partner kommen. Namen nennt Harsch nicht. Aber es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich einen chinesischen Elektronikriesen wie Haier, Hisense oder TCL Corporation auszumalen, der Gefallen an einer etablierten deutschen Luxusmarke samt Händlernetz finden könnte, um sein Billigsortiment nach oben zu erweitern. Teuer ist ein Einstieg in Franken nicht. Die Loewe-Aktie ist seit Jahresbeginn von 3 Euro auf unter 2 Euro gefallen. Ein mittelhoher, zweistelliger Millionenbetrag dürfte schon reichen.

  Loewe AG
Aktueller Kurs -- 
Veränderung -- (--)
52 Wochen Hoch --
52 Wochen Tief --

Für Loewe wiederum geht es darum, das Hochpreissegment um preiswerte Fernseh- und Audiosysteme zu erweitern. „Raus aus dem Olymp“ nennt Harsch den drastischen Strategieschwenk, der angesichts der prekären Lage alternativlos erscheint. Vorbild ist für den Manager, der vom badischen Waagen-Hersteller Bizerba kam, die deutsche Automobilindustrie. „Loewe hat als Premiumanbieter bisher nur den BMW Siebener und Fünfer im Angebot. Künftig werden wir auch die Einser- und Dreier-Reihe anbieten, um einen Anteil von 10 Prozent am Premiummarkt zu erzielen. Dann reden wir von einer Million verkaufter TV-Geräte und 500 Millionen Euro Umsatz.“

Einstweilen wäre Loewe schon geholfen, wenn der drastische Absatz- und Umsatzeinbruch in diesem Jahr gestoppt werden könnte. Im vergangenen Jahr, als ein Fehlbetrag von 44,5 Millionen Euro aus gewiesen werden musste, schrumpfte der Umsatz um 9 Prozent auf 250 Millionen Euro. Seither liegen die Rückgänge Harsch zufolge sogar im zweistelligen Prozentbereich. Seit dem vergangenen Herbst, hat Branchenneuling Harsch festgestellt, halten sich immer mehr Menschen in Westeuropa mit dem Kauf eines neuen Fernsehers oder neuer Lautsprecher zurück. Selbst Schwergewichte wie LG, Samsung oder Sony spüren die Verunsicherung der Verbraucher.

Defizitaerer TV-Hersteller Loewe bekommt neuen Vorstandsvorsitzenden © Bizerba Vergrößern Der Neue: Matthias Harsch

Die Illusion, dass es im zweiten Halbjahr wieder aufwärts gehen und 2014 mit Olympischen Spielen und Fußball-WM eine echte Nachfragebelebung einsetzen könnte, hat Harsch nicht. Er setzt auf die neue Partnerschaft und neue, preiswerte Loewe-Produkte. „My first Loewe“ heißt die Kampagne, mit der das Unternehmen im Einstiegssegment Käufer sucht, die durchschnittlich 15 bis 20 Prozent mehr für einen Fernseher zu zahlen bereit sind. Ob es überhaupt noch dazu kommt, dürfte sich auf der Hauptversammlung in Berlin entscheiden. Dort hatten vor genau 90 Jahren die Brüder Siegmund und David Ludwig Loewe die Firma als Radiofrequenz GmbH gegründet. Nun werden in Berlin abermals die Weichen gestellt.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Mühlheimer Bäckerei Heberer will Wachstum mit neuer Anleihe finanzieren

Die Wiener Feinbäckerei Heberer bietet fünf Prozent Zinsen im Jahr für Neuanleger und 5,25 für Besitzer der bisherigen Anleihe. Das Familienunternehmen will sich mit Qualität statt Masse gegen die Konkurrenz durchsetzen. Mehr Von Jochen Remmert, Frankfurt

26.04.2016, 11:07 Uhr | Rhein-Main
Hauptversammlung Daimler blickt trotz Rekordergebnissen vorsichtig in die Zukunft

Mehrere Faktoren hätten das Wachstum von Januar bis März beeinträchtigt, erklärte Daimler-Chef Dieter Zetsche auf der Hauptversammlung in Berlin. Das zweite Halbjahr werde wie in der Vergangenheit jedoch deutlich besser laufen als das erste. Mehr

06.04.2016, 17:06 Uhr | Wirtschaft
Strategische Sicherheitspolitik Die Gefahr der Gewalt zwischen Großmächten

Deutschland ist mit seiner Rolle als sicherheitspolitischer Trittbrettfahrer zufrieden. Doch um Wohlstand und Weltordnung zu bewahren, dürfen wir uns diese Bequemlichkeit nicht mehr leisten. Es droht gefährlicheres als Terror. Ein Gastbeitrag. Mehr Von Maximilian Terhalle und Bastian Giegerich

25.04.2016, 11:24 Uhr | Politik
Fahrbericht Nissan Leaf Das Blatt wendet sich

Endlich gibt es ein erschwingliches Elektroauto mit brauchbarer Reichweite. Der neue Leaf hat ein Viertel mehr Kapazität im Akku. Mal sehen, wie weit wir damit kommen. Mehr

14.04.2016, 14:25 Uhr | Technik-Motor
Themen des Tages Ein Kalender voller Konjunkturdaten

Die Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht die Arbeitsmarktdaten, das Ifo-Institut den Geschäftsklima-Index für Ostdeutschland. Aus Japan und anderswo kommen Inflationsdaten uvm. Mehr

27.04.2016, 21:07 Uhr | Wirtschaft

Spanische Lust am Untergang

Von Leo Wieland, Madrid

Wenn Spanien Glück hat, gibt es in Madrid vielleicht im Herbst wieder eine Regierung. Die politische Lähmung setzt sich in wirtschaftliche um – obwohl sich bereits eine Linderung abgezeichnet hatte. Mehr 12 23


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Arm und Reich vereint Ganz oben, ganz unten

Im Hochhaus leben alle soziale Schichten zusammen: oben der Millionär, unten der Habenichts. Und wenn es ums Geld geht, droht Stillstand. Ein Abbild der Gesellschaft. Ortstermin im Kölner Unicenter. Mehr Von Lisa Nienhaus 7 26

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“