26.08.2009 · Die Werbeflaute macht der Sendergruppe schwer zu schaffen. Fallende Umsätze und hohe Firmenwertabschreibungen bescheren zur Halbzeit Verluste. Daher wird der eingeschlagene Sparkurs verschärft.
Von Johannes RitterEuropas größte Fernsehsenderkette, die RTL-Gruppe aus Luxemburg, hat das erste Halbjahr 2009 überraschend mit Verlust abgeschlossen. Unter dem Strich steht ein Fehlbetrag von 62 Millionen Euro nach einem Gewinn von 391 Millionen Euro in der entsprechenden Vorjahreszeit. Das Gesamtjahr 2009 will Vorstandschef Gerhard Zeiler zwar mit Gewinn abschließen. Klar ist aber, dass Hauptaktionär Bertelsmann mit deutlich geringeren Ergebnisbeiträgen aus Luxemburg rechnen muss. Der Gütersloher Medienkonzern ist mit 90 Prozent an RTL beteiligt.
Infolge der Konjunkturkrise seien die Werbemärkte in Europa um 10 bis 30 Prozent eingebrochen, sagte Zeiler in einer Telefonkonferenz. Zugleich sei das Angebot an Werbeflächen – unter anderem durch neue digitale TV-Kanäle und mehr Werbeplätze im Internet – gestiegen. Dies erhöht den Druck auf die Preise, die RTL, Pro Sieben & Co. im Werbemarkt durchsetzen können. Zeiler glaubt nicht, dass sich an den schwierigen Rahmenbedingungen schon bald etwas ändert. Selbst wenn sich die Weltwirtschaft erholt, wird sich dies nicht eins zu eins positiv im Werbeumsatz niederschlagen, fürchtet Zeiler, der auch im Bertelsmann-Vorstand sitzt. Denn die (verbreiterte) Angebotsseite werde sich nicht von einem Tag auf den anderen ändern. „Um den neuen Marktrealitäten Rechnung zu tragen, müssen wir Schritt für Schritt unsere Produktions- und Einkaufskosten senken und unsere Prozesses noch effizienter strukturieren“, sagte Zeiler, ohne konkrete Sparziele zu formulieren.
Der englische Sender Five macht Probleme
Im ersten Halbjahr hat RTL die operativen Kosten im Kerngeschäft um fast 200 Millionen Euro gesenkt. Dabei handelte es sich in erster Linie um die Kürzung von Programmkosten. Die Personalkosten fallen mit einem Anteil von rund 10 Prozent nicht so stark ins Gewicht. Trotz der Sparerfolge ist das operative Ergebnis (Ebita) des Konzerns in der Berichtszeit um 37 Prozent auf 318 Millionen Euro gefallen. Der Umsatz gab um 10 Prozent auf 2,59 Milliarden Euro nach. Die operative Umsatzrendite sackte auf 12,3 (Vorjahr: 17,5) Prozent ab. Dass RTL unter dem Strich sogar einen Verlust zeigt, resultiert in erster Linie aus einer Neubewertung zweier Tochterunternehmen. Dabei fiel abermals der englische Sender Five negativ auf: Five hat nicht nur operativ Verluste eingefahren, RTL sah sich zudem zu einer erneuten außerplanmäßigen Firmenwertabschreibung in dreistelliger Millionenhöhe gezwungen.
Mehr kann an dieser Front aber nun nicht passieren: Nach Aussage von RTL-Finanzchef Elmar Heggen ist der Wert dieser Beteiligung nunmehr auf null abgeschrieben. Es ist unklar, wie es mit der Dauerbaustelle Five weitergehen soll. Im März gab es bereits Spekulationen über einen Schulterschluss mit ITV und Channel 4, den beiden anderen werbefinanzierten Sendern in Großbritannien. Zeiler sprach dieses Thema am Mittwoch nur sehr allgemein an: „Es wird zu einer Konsolidierung im Markt kommen. Wie diese aussehen wird, kann derzeit keiner sagen.“ In der Branche heißt es: „Jeder spricht mit jedem.“ Dabei strebt RTL offenbar keinen Verkauf von Five an, sondern präferiert eine Fusion, um Synergien zu heben.
Auch die griechische Alpha-Media-Gruppe enttäuscht
Die zweite große Firmenwertabschreibung betraf die griechische Alpha-Media-Gruppe, an der sich RTL erst im August 2008 beteiligt hatte. Dem Kaufpreis von 125 Millionen Euro steht nun eine Firmenwertabschreibung von 70 Millionen Euro gegenüber. Das zeigt, wie stark sich der Vorstand in seiner Zukunftserwartung getäuscht hat. Auch in Deutschland, wo die Gruppe außer mit dem Flaggschiff RTL unter anderem noch mit den Sendern Vox und N-TV am Start ist, musste der Konzern Federn lassen. Der Umsatz ging um knapp 19 Prozent auf 823 Millionen Euro zurück. Das operative Ergebnis dieser größten Landesgesellschaft der Gruppe brach sogar um ein Viertel auf 158 Millionen Euro ein. Dabei hat RTL Deutschland die Kosten laut Zwischenbericht um 98 Millionen Euro gesenkt.
Obwohl vor allem die Programmkosten reduziert wurden, haben die deutschen RTL-Sender ihren Marktanteil und damit den Abstand gegenüber ihrem Erzrivalen Pro Sieben Sat.1 erhöht. Unter den Zuschauern im Alter zwischen 14 und 49 Jahren, der wichtigsten Zielgruppe, lag der Marktanteil bei 34,2 Prozent; Pro Sieben Sat.1 kam auf 29,7 Prozent.
„Unser Ziel ist es, zu sparen und gleichzeitig unsere führenden Positionen auf den Zuschauermärkten beizubehalten. Das ist ausgesprochen anspruchsvoll, aber möglich“, erklärte Zeiler. Der Börsenkurs von RTL legte am Mittwoch um fast 5 Prozent auf 40 Euro zu. Vor Jahresfrist stand die Aktie freilich noch bei 66 Euro.
na und
Dirk Kampschäfer (dk26)
- 26.08.2009, 23:47 Uhr
Okay RTL macht Verluste und die anderen Privaten wahrscheinlich auch.
Udo Fischer (udofr)
- 27.08.2009, 11:03 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
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