http://www.faz.net/-gqe-90h92

Bahn vs. Fernbus? : Flixbus fürchtet die Mautkeule

  • Aktualisiert am

Flixbus-Grün dominiert auch am Busbahnhof Hannover. Bild: dpa

Der Quasi-Monopolist Flixbus hat seine Mitbewerber aus dem Fernbusmarkt gedrängt, schreibt langsam schwarze Zahlen – und warnt nun vor einer Bevorzugung der Bahn. Der Grund steht in den Wahlprogrammen mehrerer Parteien.

          Der deutsche Fernbus-Marktführer Flixbus warnt vor weiteren Entlastungen für die Deutsche Bahn nach der Bundestagswahl. „Wir haben beide bewiesen, dass wir ein attraktives Produkt bauen können“, sagte Flixbus-Chef André Schwämmlein der Deutschen Presse-Agentur. „Die DB-Lobby hätte es nicht nötig zu sagen, erlasst uns mal ein paar Milliarden mehr und schiebt zeitgleich noch ein paar Millionen Kosten zu den Flixbus-Leuten.“

          Hintergrund sind Forderungen, die Gebühren für die Nutzung des Schienennetzes nach dem Güterverkehr auch für Personenzüge zu senken; SPD, Grüne und Linke haben sie in ihre Wahlprogramme aufgenommen. Gleichzeitig gibt es immer wieder Forderungen, die Autobahnmaut auf Busse auszuweiten. „Verkehrspolitisch würde ich das für völligen Wahnsinn halten“, sagte Schwämmlein.

          Preise zehn Prozent rauf?

          Die Bahn könne dann ihre Fahrkarten billiger anbieten. Flixbus aber müsse Ziele in Klein- und Mittelstädten aufgeben, weil sich die Fahrten sich nicht mehr lohnen. Wer die Maut fordere, müsse auch ehrlich sagen: „Wir möchten eine Busmaut und wir möchten, dass der Student und der Rentner zehn Prozent mehr für sein Ticket zahlt.“

          Flixbus : Vom Start-up zum marktbeherrschenden Monopolisten

          Flixbus dominiert gut vier Jahre nach der Fernbus-Marktfreigabe den deutschen Markt und ist auch in mehreren europäischen Ländern unterwegs. „Wir fahren in Italien und Frankreich jeweils gut 200 Busse, beide Märkte entwickeln sich sehr gut. In Frankreich liegt unser Marktanteil bei 50 Prozent plus, in Italien eher bei 30 Prozent.“ Jede vierte Flixbus-Verbindung führt über Grenzen.

          Für dieses Jahr erwartet das Unternehmen europaweit ein Fahrgastplus von 30 Prozent auf 40 Millionen. „Wir werden es in diesem Jahr schaffen, im Gesamtunternehmen profitabel zu sein“, kündigte Schwämmlein an. In Deutschland, Österreich und der Schweiz schreibe man schon schwarze Zahlen.

          „Bus und Bahn können beide wachsen“

          Schwämmlein sagte, die meisten Fahrgäste wechselten aus dem Auto in den Bus. „Natürlich ist die Deutsche Bahn für uns der große sichtbare, unternehmerische Wettbewerber. Aber es werden Bus und Bahn wachsen – auch wenn nicht jeder morgen sein Auto verkaufen wird.“

          Von der Strecke Berlin-München will sich Flixbus nicht zurückziehen, obwohl die Bahn dort von Dezember Fahrten unter vier Stunden über die neue Schnellfahrstrecke anbieten will. „Natürlich werden dann mehr Menschen Bahn fahren“, sagte Schwämmlein.„ Aber ich gehe davon aus, dass es den Fliegern mehr weh tun wird als uns.“

          Die digitale F.A.Z. PLUS
          Die digitale F.A.Z. PLUS

          Die F.A.Z. stets aktuell, mit zusätzlichen Bildern, Videos, Grafiken.

          Mehr erfahren

          Fahrgäste von Flixbus sollen auf ihren Handys künftig genau verorten können, wo ihr Bus sich gerade befindet. Über Echtzeit-Daten bei Google-Maps will das Unternehmen besser über Verspätungen informieren. „85 Prozent unserer Busse sind pünktlich“, sagte Schwämmelin. Das heißt nach der Unternehmensdefinition, dass sie weniger als 15 Minuten zu spät oder zu früh ankommen.

          Topmeldungen

          Russland und der Westen : Es bleibt frostig

          Der Winter kommt nicht, er ist längst da. Trumps Sicherheitsberater McMaster und Russlands Außenminister Lawrow schenken sich auf der Sicherheitskonferenz in München nichts.
          Nur den QR-Code scannen: Anders als die Deutschen zahlen die Chinesen gern mit dem Smartphone.

          Bezahlsystem : Chinas Antwort auf Paypal

          Hunderte Millionen Chinesen zahlen mit der Smartphone-App Alipay. Ginge sein Betreiber Ant Financial – zu Deutsch: Finanzameise – an die Börse, wäre er so viel wert wie Goldman Sachs.
          Der Fotograf Patrick Demarchelier bei einer Fashion-Show im Herbst 2012.

          Belästigungsskandal : Models erheben schwere Missbrauchsvorwürfe

          Neue Missbrauchsvorwürfe in der Modebranche: Mehr als 50 Frauen beschuldigen mindestens 25 Männer der Modewelt, sie sexuell belästigt oder missbraucht zu haben. Sie sprechen damit ein Jahrzehnte altes Problem der Branche an.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.