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Ferdinand Piech Der Patriarch

30.09.2005 ·  Ferdinand Piech spielt bei Volkswagen eine umstrittene Doppelrolle. Die Planspiele aus Stuttgart und Wolfsburg haben ihm sicherlich überhaupt nicht behagt. Sie deckten und decken sich nicht mit seinen eigenen Interessen.

Von Johannes Ritter
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Möhringen und Zuffenhausen liegen in Stuttgart nur ein paar Kilometer auseinander. Dennoch haben Verantwortliche in der Konzernzentrale von Daimler-Chrysler offenbar nichts davon gewußt, daß sich die Porsche AG bei Volkswagen engagieren wollte. Zwar ist Daimler-Chrysler mit VW schon seit vielen Jahren über etliche Projekte im Fahrzeug- und Motorenbau mit einander verbunden. Aber so nah dran wie der benachbarte Sportwagenhersteller in Zuffenhausen ist Daimler-Chysler eben nicht. Porsches Anteilseigner Ferdinand Piech weiß schon seit langem, daß VW mit Daimler-Chrysler in den vergangenen Jahren über eine (Überkreuz-)Beteiligung gesprochen hat. Denn Piech war bis April 2002 Vorstandsvorsitzender von VW ist dort seither Aufsichtsratschef.

Die Planspiele aus Stuttgart und Wolfsburg haben Piech sicherlich überhaupt nicht behagt. Sie deckten und decken sich nicht mit seinen eigenen Interessen. Als Enkel von Ferdinand Porsche, dem legendären Konstrukteur des VW-Käfers, sieht Piech die Firma VW im Grunde als eine Erfindung seiner Familie an, die folglich auch ihm und seiner Familie gehören sollte. Vor vier Jahren hat der Patriarch angeblich schon einmal einen Anlauf zu einem Einstieg bei VW genommen. Doch die meisten der Mitglieder der Familien Piech und Porsche, die alle Stammaktien der Porsche AG besitzen, waren dagegen. Im zweiten Anlauf konnte sie Piech dann doch überzeugen: Die Porsche AG gab vergangenen Sonntag bekannt, 20 Prozent des VW-Kapitals übernehmen zu wollen.

Insiderwissen bei VW für ureigene Interessen genutzt?

Als einzig stimmberechtigte Eigentümer der Porsche AG haben sie das Recht, die Kasse des Sportwagenbauers für ein Engagement bei einem Massenhersteller zu plündern, auch wenn dies kaum Applaus von der Börse bringt. Aber muß Ferdinand Piech sich nicht vorwerfen lassen, sein Insiderwissen bei VW für seine ureigenen Interessen genutzt zu haben? Schon vor den Beteiligungsplänen war Piechs Doppelrolle als Aufsichtsratschef und Anteilseigner des wichtigen VW-Vertriebspartners Porsche Holding sehr umstritten. Jetzt geht es um Entscheidungen von viel größerer Tragweite, die das Problem der Interessenkollision noch offenkundiger werden lassen. Wer bekommt das Paket eigener Aktien? Daimler-Chrysler oder Porsche? Zu welchen Konditionen werden diese Anteile angedient? Die Antworten auf diese Fragen brauchen allesamt das Plazet des Aufsichtsrats. Selbst wenn sich Piech, wie zu erwarten ist, dabei der Stimme enthält, wird sein Einfluß im Kontrollgremium spürbar bleiben. Daher dringen seine Kritiker - darunter Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) - darauf, daß er den Aufsichtsratsvorsitz abgibt.

Doch Piech ist ein gewitzter Kämpfer, der Druck von außen schon immer gut standhalten konnte. Außerdem glaubt er sich gut abgesichert. Angesprochen auf kollidierende Interessen bei VW sagte er in einem Interview mit dem "Spiegel": "Glauben Sie mir, ich bin vorsichtig genug, daß man mir persönlich nichts vorhalten kann."

Piech, 1937 in Wien geboren, begann seine berufliche Laufbahn bei Porsche. Sein Onkel Ferdinand ("Ferry") Porsche hat den Autohersteller aus dem früheren VW-Entwicklungswerk heraus aufgebaut. Piech entwarf unter anderem den Porsche 917 und wurde 1971 technischer Geschäftsführer. Weil die Familien Porsche und Piech entschieden, fortan familienfremde Führungskräfte zu verpflichten, und weil es seitens der Familie Porsche Vorbehalte gegen den weiteren Aufstieg des technisch brillanten, aber menschlich kantigen Techniker gab, verließ Piech kurze Zeit später das Unternehmen und begann bei Audi. Dort rückte er bis an die Vorstandsspitze hoch.

Anfang 1993 übernahm Piech dann den Vorstandsvorsitz bei der Audi-Muttergesellschaft VW. Wegen seines autoritären Führungsstils warfen etliche Manager das Handtuch. Zu den umstrittensten Entscheidungen Piechs zählen der Erwerb der Luxusmarken Bentley, Bugatti und Lamborghini sowie die Entwicklung des VW-Phaeton, der weit unter den Absatzerwartungen zurückgeblieben ist. So manche Fehlentscheidung Piechs muß nun sein Nachfolger Bernd Pischetsrieder ausbaden.

Quelle: F.A.Z., 01.10.2005, Nr. 229 / Seite 20
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Jahrgang 1964, Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

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