Home
http://www.faz.net/-gqi-xrr0
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Fehlerhafte Bremsen Toyota ruft auch das Hybridmodell Prius zurück

09.02.2010 ·  Der japanische Autokonzern startet auch für sein Modell Prius eine große Rückrufaktion. Fahrer hatten sich beschwert, weil es zwischen dem Treten des Bremspedals und dem eigentlichen Bremsen eine kleine Verzögerung gibt.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Toyota ruft wegen Bremsproblemen mehrere Modelle seiner prestigeträchtigen Hybrid-Reihe zurück und stoppt deren Verkauf in Japan. Betroffen seien die neuesten Baureihen des Prius und des Lexus HS250H, teilte das japanische Verkehrsministerium am Dienstag mit. Der Verkauf werde so lange gestoppt, bis die Probleme behoben seien. Dies werde voraussichtlich bis Ende Februar oder Anfang März dauern.

Von der dritten Generation des Prius sollen weltweit rund 133.000 Fahrzeuge in die Werkstätten beordert werden, davon 52.903 in Europa. Der Prius gilt als das weltweit bekannteste Hybrid-Auto und war im vergangenen Jahr der meistverkaufte Wagen in Japan. Beim Lexus sind nach Konzernangaben 14.550 Autos betroffen. Zudem startete Toyota die Rückrufaktion für knapp 1,7 Millionen Fahrzeuge in Europa wegen fehlerhafter Gaspedale.

Grund für den Rückruf sei das Software-Programm, das das Anti-Blockiersystem ABS kontrolliert, teilte Toyota mit. Toyota hatte in Japan und im Ausland Beschwerden erhalten, dass die Prius-Bremsen auf unebenen Straßen oder bei Schlaglöchern kurzzeitig nicht funktionieren.

Software muss aktualisiert werden

Die Behebung der Fehler werde pro Fahrzeug rund 40 Minuten dauern. Von der Rückrufaktion wegen der Bremsprobleme seien neben dem Prius und dem Lexus HS250H keine weiteren Modelle betroffen. Von den früheren Versionen des Modells Camry von 2010 sollten aber schätzungsweise 7300 Autos untersucht werden.

In den Werkstätten sollen Pannen behoben werden, die beim Prius das Bremsen bei besonderen Bodenverhältnissen verzögern. Dafür soll die Software für das Antiblockiersystem ABS aktualisiert werden. Japans Regierung hatte das Unternehmen in der vergangenen Woche zu Maßnahmen gedrängt, nachdem Beschwerden japanischer Kunden über fehlerhafte Bremsen bekanntgeworden waren. Der Prius hat Toyota in den vergangenen Jahren den Ruf als Vorreiter in Sachen Klimaschutz eingebracht.

Auf der ganzen Welt wurden im vergangenen Jahr gut 400.000 Prius verkauft, wie eine Sprecherin von Toyota Deutschland auf Anfrage sagte. Allerdings wird die von dem Bremsenfehler betroffene jüngste Version erst seit Mitte 2009 und auf einigen Märkten auch erst seit kürzerer Zeit zum Kauf angeboten.

Rückruf wegen Bremsen wesentlich kleiner als Gaspedal-Rückruf

Damit ist der neue Rückruf wesentlich kleiner als der Rückruf wegen rutschender Fußmatten und klemmender Gaspedale, der acht Modelle und mehr als 8 Millionen Autos umfasst. In Deutschland sind rund 4000 Kunden betroffen. Der Aktienkurs von Toyota ist binnen drei Wochen um fast ein Viertel gefallen.

In Amerika hob Toyota den zwischenzeitlichen Produktionsstopp auf. Der Konzern hatte in der vergangenen Woche die Fertigung der vom Rückruf betroffenen Modelle in seinen nordamerikanischen Werken ruhen lassen. Am Wochenende kündigte das Unternehmen an, die Produktion am Montag wieder aufzunehmen. Toyota hat in der vergangenen Woche mit der Reparatur zurückgerufener Autos begonnen. Dabei wird ein zusätzliches Teil eingebaut, mit dem ein Klemmen des Gaspedals verhindert werden soll. Daneben haben Toyota-Händler auch mit der Reparatur von Neuwagen in ihren Autohäusern begonnen. Der Verkauf der Autos wurde vorübergehend eingestellt. Reparierte Autos können wieder zum Verkauf freigegeben werden.

An diesem Mittwoch beginnt die politische Aufarbeitung der Toyota-Affäre mit einer Anhörung vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses: Toyota wird dabei von seinem Nordamerika-Chef Yoshimi Inaba vertreten. Auch der amerikanische Verkehrsminister Ray LaHood, der sich in den vergangenen Wochen sehr kritisch zu Toyota geäußert hatte, wird erwartet. Um den Imageschaden zu reparieren, hat Toyota am Wochenende damit begonnen, Werbespots im Fernsehen zu schalten. Darin gibt das Unternehmen Fehler zu. "In den vergangenen Tagen ist unser Unternehmen nicht den Standards gerecht geworden, die Sie von uns erwarten oder die wir selbst von uns erwarten", heißt es in dem Spot. Toyota versprach, alles daran zu setzen, "die Dinge zu richten".

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 8 7

29.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.396,84 +1,16%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.394,15 +1,26%
Dow Jones 12.580,70 +1,01%
EUR/USD 1,2468 −0,17%
Rohöl Brent Crude 106,21 $ −0,60%
Gold 1.579,50 $ +0,31%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.