15.05.2007 · Zetsche hat die Kraft zur Trennung von Chrysler aufgebracht - eine Befreiung. Niemand kann errechnen, wie viel Geld die Vision einer „Welt AG“ die Aktionäre am Ende gekostet hat. Nun wird Daimler zeigen können, wie stark der Konzern wirklich ist. Von Holger Steltzner.
Von Holger SteltznerDer Erfinder des Automobils kehrt zu sich selbst zurück. Zwar wird der Name Benz nicht wiederbelebt. Doch mit Chrysler verschwindet ein amerikanischer Massenhersteller aus dem Konzernnamen, der nie den Qualitätsansprüchen von Mercedes gerecht wurde.
Mit der Trennung von Chrysler befreit der Vorstandsvorsitzende der künftigen Daimler AG, Zetsche, den Hersteller hochwertiger Fahrzeuge von den unübersehbaren Lasten der Gesundheits- und Altersvorsorge der amerikanischen Mitarbeiter. Die Kosten hierfür werden mit etwa 17 Milliarden Dollar veranschlagt. Dafür muss künftig nun der Finanzinvestor Cerberus aufkommen; allerdings bleibt Daimler mit fast 20 Prozent an der neu zu gründenden Gesellschaft beteiligt. An der Börse wird die Trennung von Chrysler gefeiert. Seit Zetsche Mitte Februar die Abspaltung angekündigt hat, ist der Marktwert von Daimler um fast ein Drittel auf 64 Milliarden Euro gestiegen.
Der Investor kennt sein Kaufobjekt genau
Für das Unternehmen Chrysler und seine Beschäftigten darf man hoffen, dass der Name des Käufers nicht für das künftige Schicksal von Chrysler steht. In Homers Odyssee ist Cerberus der mehrköpfige Höllenhund, der am Übergang zum Hades darüber wacht, dass die Toten nicht wieder ins Reich der Lebenden zurückkehren. Jedenfalls kennt der Investor sein Kaufobjekt genau; schließlich wird Cerberus vom ehemaligen Chrysler-Sanierer und Daimler-Vorstand Bernhard beraten.
Die Trennung von Chrysler ist ein weiteres Beispiel für den wachsenden Einfluss von Finanzinvestoren selbst auf große Konzerne. Im Unterschied zu seinem glücklosen Vorgänger Schrempp – dessen plötzlichen Abschied die Börse mit einem Kurssprung quittierte, den übrigens der langjährige Daimler-Großaktionär, die Deutsche Bank, umgehend zum Ausstieg nutzte – sucht Zetsche den Austausch mit den Investoren. Und er folgt ihren Wünschen; angesichts eines inzwischen fehlenden Kreises fester Daimler-Aktionäre ist das auch ratsam.
Wie man sieht, ist Daimler ohne Chrysler mehr wert. Niemand kann errechnen, wie viel Geld Schrempps Vision einer „Welt AG“ die Aktionäre am Ende gekostet hat. Den angeblich notwendigen Ausgleich zwischen den Konzernteilen in Europa, Asien und Amerika hat es nie gegeben, er wird auch nicht vermisst. Und die Vorteile aus der gemeinsamen Entwicklung von Motoren oder dem kombinierten Einkauf sind offenbar kleiner als gedacht, und sie sind auch ohne Fusion möglich.
Bei sich selbst angekommen
Zetsche hat die Kraft für eine Kehrtwende aufgebracht – und damit auch seine frühere Rolle als Mitarchitekt der Fusion und Sanierer von Chrysler hinterfragt. Das zeichnet ihn persönlich aus, das unterscheidet ihn von den beiden gescheiterten Vorgängern. Schrempp und auch dessen Vorgänger Reuter (er träumte vom „integrierten Technologiekonzern“ und vernichtete im Kaufrausch viele Milliarden) haben ihre pompösen Versprechen nicht gehalten; zu einem Kurswechsel waren sie nicht in der Lage. Zetsche hat die Erwartungen der Börsianer erfüllt, die Milliarden auf die Trennung von Chrysler gesetzt haben.
Nun wird Daimler, befreit von Chrysler, zeigen können, wie stark Deutschlands wichtigster Traditionskonzern wirklich ist. Mit seinen Premiumfahrzeugen ist Mercedes in der ganzen Welt ein Synonym für „Made in Germany“. Obwohl die amerikanischen und die asiatischen Abenteuer Daimler viel Energie und Geld gekostet haben, steht heute Mercedes besser da als je zuvor. Die Modellpalette wurde nach unten bis zur eigenen Marke Smart erweitert, die Mercedes-Absatzzahlen und die Umsätze haben sich trotz mancher Qualitätssorgen in der gemeinsamen Zeit mit Chrysler fast verdoppelt. Wohl kaum ein anderes Unternehmen hätte die Irrungen und Wirrungen einer zwanzigjährigen Strategie-Odyssee ausgehalten, um am Ende in doch gutem Zustand bei sich selbst, bei Daimler, anzukommen.
die hoffnung ruht auf ...
Frank Geiser (geiser123)
- 14.05.2007, 22:47 Uhr
Daimler
Joachim Kühn (jokuehn)
- 15.05.2007, 00:15 Uhr
Man kann sich irren...
Tobias Kress (Technikerk)
- 15.05.2007, 06:51 Uhr
Lob für Fehlleistungen ?
Peter Sommer (psommer)
- 15.05.2007, 10:49 Uhr
Zurück zum Daimler
Joachim Bordt (drbojo)
- 15.05.2007, 12:35 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
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| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2468 | −0,17% |
| Rohöl Brent Crude | 106,21 $ | −0,60% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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