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FAZ.NET-Spezial Der Staat als Feuerlöscher bei der IKB

02.08.2007 ·  Bei der IKB Deutsche Industriebank ist Feuer unterm Dach, und die KfW spielt den Feuerlöscher. Die Rettung sollte die letzte Tat der Staatsbank sein. Sie hat dort nichts zu suchen. Von Holger Appel

Von Holger Appel
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Der Mann ist Vorstand einer großen deutschen Bank und durch nichts so leicht zu erschüttern. Am Freitagnachmittag aber klingelt das Handy, und von da an herrscht hektische Betriebsamkeit. Binnen einer Stunde möchte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) wissen, wie hoch das Risiko aus nordamerikanischen Hypothekenkreditgeschäften ist. „Nicht besonders hoch, keine Schwierigkeit für uns“, sagt der Mann erleichtert. Bei 19 weiteren Kreditinstituten geht der gleiche Anruf ein, dann steht fest: Alarm in Düsseldorf.

Die IKB Deutsche Industriebank hat sich verspekuliert. Gleichzeitig streichen offenbar mehrere Banken ihre Kreditlinien für den bis dahin mit einem ausgezeichneten Leumund versehenen führenden deutschen Mittelstandsfinanzierer. Es droht ein Bankenskandal mit ungeahnten Folgen. Aber, welch glückliche Fügung, im Gegensatz zu dem von der Bafin angerufenen Vorstand, der eine Krise hätte selbst lösen und im schlimmsten Falle sogar den Niedergang seines Instituts verkünden müssen, hat die IKB einen staatseigenen Aktionär mit tiefen Taschen. Die KfW (ehemals Kreditanstalt für Wiederaufbau) fängt einen Großteil des Risikos ab.

Garantie über 8,1 Milliarden Euro

Über das Wochenende fallen weitere drastische Entscheidungen, die am Montagmorgen öffentlich werden. Die IKB gibt eine Ergebniswarnung heraus. Der Vorstandsvorsitzende Stefan Ortseifen muss seinen Posten räumen. Die KfW schickt ihren renommiertesten Finanzexperten an die Spitze der IKB. Günther Bräunig soll das Düsseldorfer Institut retten. Wie gefährlich die Schieflage ist, bleibt unklar.

Am Dienstag fördert eine Eingabe an die amerikanische Börsenaufsicht SEC eine schier unglaubliche Zahl zutage. Die KfW hat - inzwischen gemeinsam mit privaten Banken über deren Entschädigungsfonds - IKB-Kreditzusagen über 8,1 Milliarden Euro an amerikanische Anlagegesellschaften übernommen. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: eine Garantie über 8,1 Milliarden Euro weitgehend aus der Hand eines öffentlichen Förderinstituts für die Fehlspekulation einer im Wettbewerb stehenden, mehrheitlich privaten Bank; für eine Bank, die aufsichtsrechtliche Eigenmittel von 4,1 Milliarden Euro ausweist.

Zweckgesellschaft ohne Eigenkapital

Was hat die IKB getan? Auslöser der Krise war eine milliardenschwere Kreditlinie, die sie der Anlagegesellschaft Rhineland Funding und vermutlich noch einer zweiten Gesellschaft gewährt hat. Deren Geschäftstätigkeit besteht darin, Kredite und Kreditverbriefungen anzukaufen und durch den Verkauf kurzlaufender Wertpapiere zu refinanzieren - was sie im Volumen von rund 13 Milliarden Euro getan hat. Diese Papiere laufen meist nur 30 oder 60 Tage, müssen also immer wieder neu aufgelegt und verkauft werden. Ziel ist es, durch die Fristentransformation einen Gewinn zu erzielen.

Aufgrund der Krise am amerikanischen Hypothekenkreditmarkt verloren die Papiere an Wert, Käufer für dieselben blieben aus, das Geschäft ging nicht mehr auf. Deshalb hat Rhineland, die eine außerhalb der Bilanz geführte und mit nahezu null Eigenkapital ausgestattete sogenannte Zweckgesellschaft ist, offenbar signalisiert, die gewährte Kreditlinie in Anspruch nehmen zu wollen. Das hätte die IKB wohl nicht überstanden.

Viele offene Fragen im Bankenkrimi

Solche Konstruktionen sind fragwürdig und haben zu Missbrauch geführt. Deshalb schreiben neue Regeln vor, dass die Geschäfte der Zweckgesellschaften von der dahinterstehenden Bank bilanziert werden müssen. Zumindest für das Geschäftsjahr 2006/2007 hat die IKB dies unter Berufung auf eine Übergangsregelung nicht getan.

Warum sich ausgerechnet die grundsolide IKB und ihr ebenso grundsolide daherkommender Vorsitzender Ortseifen für ein derart waghalsiges Spiel entschieden haben, steht in den Sternen. Warum Ortseifen nur wenige Tage zuvor das Risikopotential aus diesen Geschäften als niedrig bezeichnete und einen guten Geschäftsverlauf mitteilte, auch. Und warum der Aufsichtsrat die Geschäfte nicht bremste, ist eine weitere Frage in diesem Bankenkrimi. Hat er die Risiken nicht erkannt? Oder wurde er nicht informiert?

Was, wenn die Postbank in Not geriete?

Die KfW jedenfalls machte sofort Tabula rasa. Das war aus ihrem Verständnis ein logischer Schritt. Die Großaktionärin, die die IKB 2001 durch ihren Einstieg vor der Zerschlagung bewahrt hat, rettet deren Existenz zur Stabilisierung des Finanzmarktes und zum Wohle des deutschen Mittelstandes, der der Förderbank vom Main traditionell am Herzen liegt.

Doch was wäre eigentlich geschehen, wenn der Deutschen Bank oder der Commerzbank ein derartiger Fehlgriff unterlaufen wäre? Oder, von den volkswirtschaftlichen Schockwellen besser vergleichbar, der Postbank oder dem Bankhaus Metzler? Hätte dann die Kanzlerin des Steuerzahlers Füllhorn hergezeigt wie dereinst Gerhard Schröder vor jubelnden und am Ende doch enttäuschten Holzmännern? Hat sich die IKB gar so weit vorgewagt in der sicheren Annahme, der staatliche Großaktionär werde schon löschen, wenn es brennt?

Überbordende Rolle der Staatsbank

Die Rettung, abgestimmt mit Bundesregierung, Finanzaufsicht und anderen Banken, mag in dieser Notsituation richtig gewesen sein. Doch sie beweist einmal mehr, welch überbordende Rolle die Staatsbank mittlerweile einnimmt, sei es aus eigenem Antrieb, sei es, weil sie von der Bundesregierung geschickt wird. Brennt es bei Airbus, eilt die KfW zu Hilfe. Brennt es bei der IKB, auch. Dabei hat die Staatsbank hier nichts verloren.

„Die IKB ist unser Ohr am Markt, unsere Partnerschaft gibt wichtige Impulse für die Mittelstandsförderung. Unsere Beteiligung steht nicht zum Verkauf“, wehrt die KfW-Vorsitzende Ingrid Matthäus-Maier ab. Das sollte sie überdenken, ganz gleich, ob am Ende die 8,1 Milliarden Euro gebraucht werden oder nicht. Sobald die IKB wieder stabil auf eigenen Beinen steht, sollte die KfW die Bank verkaufen.

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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