04.07.2005 · Die Preisunterschiede zwischen günstigen und teuren Tankstellen sind groß. Preisbewußt zu tanken lohnt sich da. Genauso wie ein Umstieg auf Biodiesel.
Von Sabine HildebrandtVon einer "Rallye der Großhandelspreise" sprach letzten Monat der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) und rechtfertigte damit die seit Jahresbeginn kontinuierlich steigenden Benzinpreise. Dem Otto Normalautofahrer dagegen ist das Rallyefahren vergangen, deutlich über 1,20 Euro zahlt er derzeit im Schnitt für einen Liter Super bleifrei.
"Eindeutig zuviel" wie Maximilian Maurer, Sprecher des ADAC in München, findet. Der Autofahrerverband rät seinen Mitgliedern daher auch, unbedingt preisbewußt zu tanken, "also nicht bei der Tankstelle um die Ecke, sondern bei der, die am günstigsten ist".
Der kleine Check lohnt sich
Nur wenn sich Autofahrer konsequent an billigeren Alternativen orientieren, können auch sie Einfluß auf die Preispolitik nehmen, betont Maurer. Seinen Mitgliedern stellt der ADAC hierfür auf seinen Internetseiten sogar eine Datenbank zur Verfügung, die täglich aktuell die günstigsten Tankstellen der Umgebung präsentiert. Aber auch Nichtmitglieder finden im Internet gleich mehrere Portale mit Benzinpreisvergleichen (siehe auch Gewußt wo: Günstige Tankstellen finden).
Der kleine Check lohnt sich, denn oft schwanken die Preise sogar innerhalb einer Stadt um runde zehn Prozent. Innerhalb Deutschlands und im Vergleich mit dem europäischen Ausland sind diese Abweichungen sogar noch erheblich größer. Wer das Glück hat, in Grenznähe zu Polen oder Tschechien zu wohnen, spart bis zu 30 Cent pro Liter Super. Da kann sich dann auch ein größerer Umweg einmal lohnen.
Experten raten von Sprit-Sparmitteln ab
Dennoch raten Experten, Umwege zur Tankstelle genau zu kalkulieren. Denn wer beispielsweise 20 Kilometer fährt, um ein bis zwei Cent zu sparen, zahlt am Ende drauf. Wesentlich effektiver ist dagegen, immer dann voll zu tanken, wenn man ohnehin an einer günstigen Tankstelle vorbeikommt. Leider, so Maurer, würden jedoch nur wenige Autofahrer diesen einfachen Rat beherzigen: "Viele fahren den Tank erst einmal leer und müssen dann da tanken, wo sie gerade sind."
Die meisten Experten raten ebenfalls davon ab, sogenannte Sprit-Sparmittel anzuwenden. Diese werden derzeit wieder vermehrt angeboten. Schon vor zwei Jahren ergab ein gemeinsamer Test des Prüfdienstes Dekra und des ZDF-Wirtschaftsmagazins Wiso, daß weder Benzinzusätze noch spezielle Zündkabel wirklich etwas bringen. Wesentlich effektiver ist es da, das Auto richtig zu warten. Werden Öl, verschmutzte Zündkerzen und Luftfilter regelmäßig gereinigt oder ersetzt, läßt sich bis zu sechs Prozent Sprit im Jahr sparen. Und auch der richtige Reifendruck und vor allem das richtige Fahrverhalten haben erheblichen Einfluß auf den Verbrauch.
Biodiesel: Umrüsten lohnt meist nicht
Eine besondere Sparmöglichkeit gibt es außerdem für viele Dieselfahrer: Sie können Biodiesel tanken. Dieser aus Rapsöl gewonnene Treibstoff wird derzeit immerhin an 1.900 meist freien Tankstellen angeboten und liegt preislich rund 15 Cent unter dem herkömmlichen Diesel. Hierfür benötigen Besitzer lediglich eine Freigabe ihres Autoherstellers, wie Hendrik Stein, Technischer Referent beim Verband der Deutschen Biokraftindustrie, betont. Was viele nicht wissen: Diese Freigaben wurden bereits in den neunziger Jahren für eine ganze Reihe von Pkw erteilt. "Einfach beim Händler anrufen und fragen", sagt Stein.
Von einer nachträglichen Umrüstung dagegen rät Stein eher ab, denn der derzeit günstige Preis basiert nicht nur auf den hohen Rohölpreisen in Rotterdam, sondern auch auf der hervorragenden Ernte im vergangenen Jahr. "Der Vergleich kann also im nächsten Jahr ganz anders aussehen." Die Anschaffung eines gasbetriebenen Pkw oder auch die Nachrüstung eines alten kann sich laut einer aktuellen Untersuchung des ADAC durchaus lohnen, insbesondere dann, wenn der lokale Gasversorger beim Erwerb eines Neuwagens einen Zuschuß gewährt.
Die billigste Alternative sind oft die eigenen Füße
Bislang gibt es zwar erst knapp 500 Tankstellen, an denen das mit etwas mehr als 50 Cent pro Liter deutlich billigere Gas getankt werden kann. Da die EU jedoch beschlossen hat, den Anteil des Kraftstoffbedarfs aus alternativen Quellen bis 2020 deutlich zu erhöhen, wird sich diese Situation womöglich verbessern.
Und ganz ernsthaft: Die billigste Alternative sind oft die eigenen Füße. Wer wirklich energiebewußt fahren will, sollte vor allem auf Kurzstrecken den Wagen gar nicht erst starten. Denn auf den ersten zwei bis drei Kilometern verbraucht der kalte Motor schließlich fast doppelt soviel Sprit wie normal.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2468 | −0,17% |
| Rohöl Brent Crude | 106,21 $ | −0,60% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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