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Fast-Food-Ketten Kalorienschock bei Starbucks und McDonald’s

 ·  Restaurantketten in New York müssen seit geraumer Zeit den Kaloriengehalt ihrer Produkte offen ausweisen. So kann manchem Kunden der Appetit auf das 1160-Kalorien-Burger-Menü schnell vergehen. Und durch die Gesundheitsreform soll es die Kalorientafeln künftig in ganz Amerika geben.

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Wer ist nicht schon einmal in einer Starbucks-Filiale beim Anblick des Gebäcks schwach geworden? Brownies, Muffins, Kuchen, Zimtschnecken und andere Köstlichkeiten sind einladend neben den Kassen positioniert und verführen die Kunden, sich eine Nascherei zu gönnen. In New Yorker Starbucks-Filialen ist der Blick auf die Gebäckauslage allerdings mit einem gehörigen Dämpfer verbunden. Denn neben jedem Produkt steht nicht nur der Preis, sondern auch die Zahl der Kalorien, und die Angaben sind ernüchternd: Der Brownie hat 420 Kalorien, die Zimtschnecke gar 490 Kalorien, und selbst der fettreduzierte Bananenkuchen mit Schokostreuseln schlägt noch mit 390 Kalorien zu Buche. Auch bei den Getränken kommt viel zusammen: Ein Milchkaffee erreicht je nach Größe und Fettgehalt der Milch bis zu 290 Kalorien, eine heiße Schokolade mit Sahne gar bis zu 500 Kalorien.

Den Kalorienschock gibt es nicht nur bei Starbucks, sondern auch bei anderen Filialisten, ob nun McDonald’s oder Pizza Hut. Im Jahr 2008 hat New York als erste amerikanische Stadt ein Gesetz auf den Weg gebracht, das Restaurantketten vorschreibt, Kalorien der einzelnen Gerichte prominent auf Speisekarten, Menütafeln oder Preisschildern auszuweisen. Andere Städte und Bundesstaaten sind dem New Yorker Beispiel mittlerweile gefolgt. Mit der gerade verabschiedeten Gesundheitsreform werden Kalorienangaben nun bald in ganz Amerika zur Norm: In dem umfangreichen Gesetzeswerk, das Millionen von Amerikanern Zugang zu einer Krankenversicherung verschaffen soll, verbergen sich auch Vorschriften, wonach der Ausweis von Kalorien bei Restaurantketten mit mindestens 20 Filialen landesweit zur Pflicht werden soll. Die genauen Regeln sollen nun von der Gesundheitsbehörde FDA ausgearbeitet werden. Die Idee, nur Ketten diese Auflagen zu machen, hängt mit der Überlegung zusammen, dass es für die Betreiber einzelner Restaurants eine zu große Belastung wäre, den Kaloriengehalt zu ermitteln.

Die Fettleibigkeit eindämmen

Es ist wohl anzunehmen, dass den meisten Menschen schon bislang bewusst war, dass ein Cheeseburger von McDonald’s oder ein Brownie von Starbucks nicht gerade ein leichter Snack ist. Doch es ist etwas anderes, die Kalorienzahlen auch direkt vor die Nase gehalten zu bekommen. Ein Streifzug durch die Imbisslokale in New York macht deutlich, was für Kalorienbomben angeboten werden: Das Big-Mac-Menü bei McDonald’s hat bis zu 1160 Kalorien, wie an den beleuchteten Tafeln hinter der Theke abzulesen ist, die große Portion Pommes frites bei Wendy’s liegt bei 550 Kalorien, und bei der mit Kentucky Fried Chicken vergleichbaren Kette Popeye’s kann das Menü mit fünf Hühnchenteilen auf bis zu 1550 Kalorien kommen.

Die Kalorienregeln sollen nach den Hoffnungen des Gesetzgebers dazu beitragen, die grassierende Fettleibigkeit in den Vereinigten Staaten einzudämmen. Rund zwei Drittel aller Amerikaner sind heute übergewichtig. Krankheiten, die mit Fettleibigkeit in Verbindung stehen, verursachen Expertenschätzungen zufolge jedes Jahr in Amerika Behandlungskosten von 150 Milliarden Dollar. Das Thema Fettleibigkeit ist in jüngster Zeit verstärkt in die öffentliche Diskussion geraten, zumal Präsidentengattin Michelle Obama das Gewichtsproblem der Amerikaner zu einem ihrer zentralen Anliegen gemacht hat. Im vergangenen Jahr sorgte sie für Schlagzeilen, als sie vor dem Weißen Haus einen Gemüsegarten anlegte. Kürzlich startete sie eine Kampagne mit dem Namen „Let’s move“, die darauf abzielt, Kindern mehr Möglichkeiten zu einer gesunden Ernährung und zu sportlicher Betätigung zu geben. Michelle Obama scheut in ihrer Kampagne auch nicht vor Konfrontationen zurück: Vor wenigen Tagen rief sie Vertreter der Lebensmittelindustrie bei einem Branchentreffen auf, ihr Geschäft „komplett zu überdenken“. Das heißt für Michelle Obama: gesündere Zutaten, andere Marketingpraktiken und mehr Informationen über Kalorien und Inhaltsstoffe.

Das Verbraucherverhalten ändert sich - wenn auch nicht stark

Die Restaurantindustrie hat sich zunächst gegen die Kalorienvorschriften gewehrt. Schließlich ist die Idee hinter der Veröffentlichung des Kaloriengehalts, eine gewisse abschreckende Wirkung zu entfalten, und dies könnte Folgen für das Geschäft haben. Als sich im vergangenen Jahr abzeichnete, dass die Kalorienregeln nicht zu verhindern sein werden, begannen die Branchenverbände, das Gesetzesvorhaben zu unterstützen. Sie hofften, dass damit wenigstens landesweit einheitliche Richtlinien geschaffen werden, anstelle der bislang lokal voneinander abweichenden Vorschriften.

Es gibt erste Indizien, dass die offen einsehbaren Kalorienzahlen das Verbraucherverhalten ändern, wenn auch nicht in spektakulärem Ausmaß. Die New Yorker Stadtverwaltung führte im Jahr 2008 eine Studie mit mehr als 10.000 Verbrauchern durch. Demnach bestellten Kunden bei 9 von 13 Imbiss- oder Kaffeeketten Gerichte mit weniger Kalorien. Im Schnitt haben die Kunden, die aussagten, die Informationen hätten ihr Verhalten bei der Bestellung beeinflusst, Essen mit 106 Kalorien weniger gekauft als der Rest der Studienteilnehmer. Eine Studie der Stanford-Universität kam zu dem Ergebnis, dass die Kalorienangaben bei Starbucks im Jahr 2008 zu einer Reduzierung der Kalorien je Kundenbestellung um 6 Prozent führten. Einen Rückgang habe es nur bei Backwaren und anderen Speisen gegeben, nicht aber bei Getränken. Aus Unternehmenssicht wichtig war das Ergebnis, dass keine nennenswerten Auswirkungen auf den Umsatz festgestellt wurden.

Trickreiche Mittel zur Umgehung

Was die Informationspflichten gegen das Fettleibigkeitsproblem der Amerikaner anrichten können, hängt freilich stark davon ab, wie wahrheitsgetreu die von den Restaurants gemachten Kalorienangaben sind. Die Ergebnisse einer im Januar veröffentlichten Studie der Tufts University waren nicht gerade vertrauenerweckend: Demnach lagen die offiziellen Kalorienangaben der Restaurants bei den untersuchten Gerichten im Schnitt um 18 Prozent unter den von den Tufts-Forschern im Labor ermittelten Werten.

Manche Restaurantbetreiber versuchen mit trickreichen Mitteln, die Regeln ganz zu umgehen. So weigerte sich die auf Steaks und andere deftige Gerichte spezialisierte Nobelkette Houston’s, in ihren beiden New Yorker Filialen die Kalorien vorschriftsgemäß zu veröffentlichen. Als die Stadtverwaltung den Restaurantbetreibern auf die Schliche kam, gaben die ihren Lokalen kurzerhand einen anderen Namen. Sie argumentierten, sie seien nun nicht mehr Teil einer Kette – und verschwiegen die Kalorien weiter.

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Jahrgang 1970, Wirtschaftskorrespondent in New York.

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