18.05.2009 · Die Familieneigentümer stehen offenbar hinter der Eigenständigkeit des Sportwagenbauers Porsche. Das hätten ihm Wolfgang Porsche und Hans Michel Piëch zugesichert, sagte Betriebsratschef Uwe Hück während einer Sitzung des Aufsichtsrats zur Zukunft des Konzerns.
Der Sportwagenbauer Porsche behält nach Angaben des Betriebsrats seine Eigenständigkeit. Betriebsratschef Uwe Hück sagte am Montag in Weissach bei Stuttgart anlässlich eines Krisentreffens der Eigentümerfamilien Piëch und Porsche nach einer Sitzung des Ständigen Ausschusses: „Wolfgang Porsche und Hans Michel Piëch haben mir zugesichert, dass Porsche eigenständig bleibt und dass die Eigentümerfamilien stark genug sind, diese Eigenständigkeit zu garantieren.“ Bei Porsche ist früheren Angaben zufolge eine Kapitalerhöhung von bis zu fünf Milliarden Euro im Gespräch.
Hück sagte, die Familien seien stolz auf diese Belegschaft, die in den vergangenen 15 Jahren so viel geleistet und Porsche zu dem gemacht habe, was es heute sei. VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch nahm an dem Treffen des Aufsichtsrats überraschenderweise nicht teil, wie ein Porsche-Sprecher sagte. Der Hintergrund seines Fehlens wurde zunächst nicht bekannt. Er hatte die Bonität des Sportwagenbauers angezweifelt und signalisiert, dass der neue geplante Automobilgigant aus Porsche und Volkswagen seinen Sitz in Wolfsburg haben werde.
Die Eigentümer berieten über die Zukunft des hochverschuldeten Autobauers. Das Treffen war am Nachmittag unterbrochen worden und sollte aber fortgesetzt werden. Porsche hält an Volkswagen knapp 51 Prozent der Anteile. Der Sportwagenbauer ist mit rund neun Milliarden Euro verschuldet. Volkswagen soll dagegen Nettoreserven von elf Milliarden Euro haben. Hans Michel Piëch ist der Bruder des VW-Patriarchen und Sprecher des Piëch-Clans. Der Ständige Ausschuss hat die Funktion des Präsidiums.
„Ja zur Familie Porsche/Piëch - Nein zu F.K. Piëch“
Parallel zur Sitzung legten etwa 6500 Porsche-Mitarbeiter zeitweise ihre Arbeit nieder, um gegen die Fusionspläne mit Volkswagen zu protestieren. Hück forderte bei einer Kundgebung am Entwicklungszentrum in Weissach, die Eigenständigkeit des Sportwagenbauers zu erhalten: „Porsche bleibt Porsche. VW bleibt VW. Das ist die Botschaft.“ Der Betriebsratschef erklärte, die Belegschaft sei auf die Familieneigentümer des Herstellers angewiesen. „Die Familie braucht uns.“ Die Mitarbeiter seien das Kapital des Unternehmens.
In Weissach nahmen rund 3000 Mitarbeiter an der rund 20 Minuten dauernden Kundgebung teil. Auf Plakaten äußerten sie ihren Unmut gegen Porsche-Miteigentümer Ferdinand Piëch: „Ja zur Familie Porsche/Piëch - Nein zu F.K. Piëch“.
Auch im Stammwerk Stuttgart-Zuffenhausen fand eine Kundgebung mit rund 3000 Teilnehmern statt. Am Standort Ludwigsburg, an dem unter anderem der Vertrieb und die Logistik konzentriert ist, fand ebenfalls eine Protestveranstaltung mit 500 Teilnehmern statt. Hück wandte sich in seiner Rede in Weissach gegen die Darstellung, dass Porsche massive finanzielle Probleme habe. „Wir werden wieder Gewinne machen“, rief er bei der Kundgebung vor dem Casino. Porsche-Mitarbeiter äußerten vor den Protestkundgebungen ihre Angst, dass der Sportwagenbauer in dem neuen geplanten Automobilgiganten seine Eigenständigkeit verlieren könnte.
Mitten im Machtkampf: Ziemlich gute VW-Zahlen
Am Montag sollten ursprünglich die Gespräche über ein Zusammengehen der beiden Autobauer auf Arbeitsebene fortgesetzt werden. Das Treffen wurde nach dem Streit von VW abgesagt und stattdessen eine Sitzung des Porsche-Aufsichtsrates einberufen. Bei der Sitzung saß auch der engste Kreis der Porsche-Eigentümerfamilien Porsche und Piëch am Tisch. Nach dem Fehlen von Ferdinand Piëch sind es 15 Teilnehmer.
Die Porsche Aktie war am Montag durch weitere Spekulationen über die finanzielle Lage des Autobauers zeitweise unter Druck geraten, konnten sich von den deutlichen Kursabschlägen aber wieder erholen. Sie ist derzeit 1,6 Prozent im Minus bei 40,64 Euro.
Unterdessen hat sich Volkswagen mitten im Machtkampf mit Großaktionär Porsche weiter gegen die weltweite Absatzkrise gestemmt. Der Wolfsburger Konzern schnitt auch im April deutlich besser ab als der Gesamtmarkt. VW lieferte 541.600 Fahrzeuge aus, das war im Vergleich zum Vorjahresmonat ein Minus von 4,7 Prozent. Der weltweite Gesamtmarkt brach um 20 Prozent ein.
Überflüssiges Kapital bei VW ?
Paul Rabe (heidelpaul)
- 18.05.2009, 14:15 Uhr
Die Kontrahenten sollten bald ein vernünftiges Konzept vorlegen
Harald Klingelhöfer (Harald_K)
- 18.05.2009, 15:09 Uhr
Was sind das nur für Wirtschaftsführer?
Bernhard Schiermer (germanist)
- 18.05.2009, 19:47 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
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