30.01.2009 · Wenn es ums Geschäft geht wird aus der vermeintlich lockeren, offenen Maria-Elisabeth Schaeffler schnell die harte, verschlossene persönlich haftende Gesellschafterin der Schaeffler KG. Die Milliardärin und ihr Sohn Georg sehen sich bei Conti immer noch als Akteure, sie sind es aber nicht mehr.
Von Rüdiger KöhnIn Herzogenaurach gibt sich Maria-Elisabeth Schaeffler bodenständig. Sie zeigt sich beim Einkaufen, gibt sich locker und gesprächig; eine Person eben, die keine Berührungsängste hat. Bei all der Eleganz wirkt sie wie ein normaler Mensch unter vielen, so gar nicht wie eine Milliardärin. Mit ihrem strahlenden, sympathischen Lächeln und ihrer durchaus kraftvollen Stimme kann sie so manchen in Bann ziehen.
Geht es ums Geschäft, gibt sich die persönlich haftende Gesellschafterin der Schaeffler KG kühl. Vom vorgeblichen Lockersein und der vermeintlichen Offenheit bleibt nichts. Die Familienunternehmerin hüllt sich in Schweigen. Und wenn es um die hohe Verschuldung ihres Unternehmens und die Umstände der Übernahme des Hannoverschen Autozulieferers Continental geht, ist von Bodenhaftung erst recht nichts mehr zu spüren. Denn die 67 Jahre alte Eigentümerin des in der Welt führenden Herstellers von Kugel- und Wälzlagern nimmt offensichtlich die Realität nicht mehr wahr. Sie fühlt sich immer noch so, als würde sie zusammen mit ihrem Geschäftsführer Jürgen Geißinger erfolgreich einen neuen Automobilzulieferer neuer Dimension schmieden.
Anstrengende Streits um Conti
Völlig ausgeblendet scheint die Tatsache, dass die Schaeffler-Gruppe dank der teuren Übernahme von Conti, aber auch dank der Krise in der Autoindustrie in schwere Not geraten ist, aus der sie aus eigener Kraft nicht mehr herauskommen kann. Just am vergangenen Wochenende, an dem die prekäre Lage der neuen Unternehmensgruppe mit ihren 200.000 Beschäftigten offenbar wurde, weilte sie im Tiroler Kitzbühel beim Hahnenkamm-Rennen, vergnügte sich abends zusammen mit ihrem Sohn Georg in der noblen "Tenne" und saß dort nicht nur mit Franz Beckenbauer, sondern auch mit VW-Vorstandschef Martin Winterkorn zusammen. Schaeffler rechtfertigte in einem Interview ihr Erscheinen dort mit der Einladung eines Kunden, der sie nach einer anstrengenden Woche gefolgt sei.
Währenddessen kamen die Gerüchte hoch, dass Schaeffler ohne staatliche Hilfen nicht mehr über die Runden kommen würde. Nur Stunden zuvor saß sie noch in Hannover in der Aufsichtsratssitzung der Continental AG, um im Beisein von Geißinger, ihrem Sohn Georg, ihrem Rechtsbeistand Rolf Koerfer und des früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder einen Streit mit dem Conti-Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg beizulegen, der Tage zuvor von ihr losgetreten worden war. So gesehen war die Woche mit den Streitereien anstrengend. Ein auch für die Banken belastbares Unternehmens- und Finanzkonzept, um die existenzbedrohende Krise abzuwenden, hat sie jedoch bis heute noch nicht parat.
Ein Imperium droht unterzugehen
An jenem Samstagmittag verließ sie die Sitzung, nicht ohne einen bleibenden Eindruck bei den Aufsichstratsmitgliedern auf der Anteilseigner- wie auf der Arbeitnehmerseite zu hinterlassen. Energisch trat sie auf, als hätte sie schon die Führung von Conti übernommen. Nur mit ihrer Erlaubnis durften sich ihre drei Begleiter zu Wort melden. Sohn Georg - 43 Jahre alt und ebenfalls persönlich haftender Gesellschafter - fuhr sie über den Mund, als der es wagte, unaufgefordert eine Bemerkung zu machen. Erst später bekam Georg Schaeffler, Wirtschaftsanwalt und lange Zeit in den Vereinigten Staaten tätig, seinen großen Auftritt: "Wir wollen keinen Streit", soll er den Mitgliedern des Gremiums gesagt haben, dem die Schaefflers noch gar nicht angehören. "Aber wir kommen nicht als Bittsteller hierher." Nun ist Georg Schaeffler mit seiner Mutter zum Bittsteller vor dem Staat geworden.
Ohne Bürgschaften droht das Familienimperium unterzugehen, das Georg Schaeffler senior 1946 gegründet hatte. Nach dessen Tod im Jahr 1996 wurden Ehefrau Maria-Elisabeth, 1941 in Prag geboren, und Sohn Georg, der im schweizerischen Sankt Gallen studierte, Alleingesellschafter der Ina-Holding Schaeffler KG. Das Unternehmen wuchs unter deren Ägide, völlig fernab der Öffentlichkeit. Im Ort war sie bekannt, aber als Unternehmerin in der Welt nicht.
2001 änderte sich das. Maria-Elisabeth Schaeffler übernahm den börsennotierten Konkurrenten FAG Kugelfischer. Sie hielt, nicht ohne Überheblichkeit, den Widerstand des Managements und etlicher Aktionäre aus und setzte sich durch. Zum Déjà-vu kommt es aber nicht: Überheblich ist Maria-Elisabeth Schaeffler auch im Fall Conti aufgetreten. Doch ist sie gescheitert, indem sie das Unternehmen in Existenznöte trieb. Einst stolze Unternehmerin, muss sie nun den Steuerzahler um Hilfe anflehen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.376,76 | −0,07% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2544 | −0,24% |
| Rohöl Brent Crude | 107,26 $ | +0,38% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
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