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F.A.Z. exklusiv : Die Quandts sind in Verkaufslaune

Sitz der HQ Equita und HQ Capital in Bad Homburg Bild: Wolfgang Eilmes

Eine Beteiligungsgesellschaft der Harald-Quandt-Gruppe versilbert zwei ihrer Unternehmen. Außerdem sammelt sie Geld für einen neuen Fonds. Von bis zu einer halben Milliarde Euro ist die Rede.

          Die Industriellenfamilie Quandt stellt weitere Unternehmen ins Schaufenster: Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat die Beteiligungsgesellschaft HQ Equita, in welcher die Familie Harald Quandt ihr Geschäft mit Beteiligungen bündelt, zwei von ihnen zum Verkauf gestellt. Zum einen den Maschinenbauer Rovema: Dazu habe der Investor die Fusionsberatung Alantra beauftragt, ist in Branchenkreisen zu hören. Vorläufige Gebote seien in der vergangenen Woche eingegangen. Zum anderen will HQ Equita die Spezialdruckerei Kolbe-Coloco veräußern. Hierfür habe Unicredit das Beratungsmandat erhalten.

          Klaus Max  Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Damit räumt dieses Investmentvehikel der Harald-Quandt-Gruppe weiterhin munter im Portfolio auf. HQ Equita ist auf mittelständische Unternehmen im deutschsprachigen Raum spezialisiert und Teil des Vermögensverwalters HQ Capital. Über ihn investieren Nachkommen des 1967 verstorbenen Harald Quandt Familienvermögen, und zwar in Private Equity und Immobilien. Auch Mittel von externen Geldgebern sind willkommen.

          Voriges Jahr schon vier Gesellschaften verkauft

          In diesem Jahr hat HQ Equita schon den Autozulieferer Isolite veräußert – an Hitachi Chemical – sowie den Wurstpellenhersteller Walsrode Casings, der an den amerikanischen Wettbewerber Viskase ging. Voriges Jahr hatte HQ Equity vier Gesellschaften veräußert. Damit liegen nur noch fünf Beteiligungen im Portfolio – und von denen gehen nun zwei an den Markt: Rovema und Kolbe-Coloco.

          Was Rovema angeht, fällt die kurze Haltedauer auf. HQ Quandt hatte das Unternehmen aus Fernwald im Jahr 2015 mehrheitlich erworben. Der geschäftsführende Gesellschafter Thomas Becker blieb, wie es hieß, „signifikant beteiligt“, er führt das Unternehmen unverändert. Das 1957 gegründete Unternehmen stellt Verpackungsmaschinen und -anlagen her, etwa für die Lebensmittelindustrie.

          Als HQ Equita Rovema erwarb, wurde der Umsatz für 2014 mit 70 Millionen Euro angegeben. Wie aus informierten Kreisen zu hören ist, peilt Rovema für das laufende Jahr knapp 100 Millionen Euro Umsatz an sowie etwa 15 Prozent Marge auf Basis des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Eine Reihe von Private-Equity-Gesellschaften und Industrieunternehmen sind angesprochen worden; die Frist für vorläufige („indikative“) Gebote endete Ende vergangene Woche.

          Mittel für einen neuen Geldtopf einsammeln

          Kolbe-Coloco, 2008 erworben, ist deutlich kleiner als Rovema. In Branchenkreisen ist von 30 Millionen Euro als angepeiltem Jahresumsatz die Rede und von einer zweistelligen Ebitda-Marge. Das Unternehmen beliefert Printmedien und andere Abnehmer, bedruckt etwa Zigarettenpackungen und Weinflaschenetiketten.

          Mit der Serie getätigter und noch geplanter Verkäufe nutzt HQ Equita den brummenden Transaktionsmarkt. Die Preise – gemessen als Vielfaches des Ebitda – sind stark gestiegen, beflügelt durch die Billiggeldpolitik der Notenbanken. Allerdings berichten Fachleute, HQ Equita trete auch als Kaufinteressent am Markt auf. Die Gesellschaft ist vor allem an „Primärtransaktionen“ interessiert: solchen, in denen ein Unternehmen nicht von einem Investor zum nächsten wechselt.

          Ein Branchenkenner mutmaßte, HQ Equita wolle sich mit den vielen Verkäufen als Investor beweisen, weil die Gesellschaft gerade Mittel für einen neuen Fonds einwerbe. In der Tat sammelt sie, wie zu hören ist, Mittel für einen neuen Geldtopf ein, der nach klassischer Private-Equity-Manier zeitlich begrenzt ist und einen fortlaufenden Fonds („Evergreen“) ablösen soll. Offenbar sind 400 bis 500 Millionen Euro angestrebt. Erste Gelder aus diesem Topf hat HQ Equita dem Vernehmen nach schon verwendet: für den Erwerb des Sportnahrungsanbieters Well Plus Trade. Seit der Gründung im Jahr 1992 hat das Private-Equity-Haus nach eigenen Angaben bisher etwa eine Milliarde Euro eingeworben. HQ Equity lehnte einen Kommentar zu den Transaktionen und dem Fonds ab.

          Quelle: F.A.Z.

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