http://www.faz.net/-gqe-91px2

F.A.Z. exklusiv : Die Quandts sind in Verkaufslaune

Sitz der HQ Equita und HQ Capital in Bad Homburg Bild: Wolfgang Eilmes

Eine Beteiligungsgesellschaft der Harald-Quandt-Gruppe versilbert zwei ihrer Unternehmen. Außerdem sammelt sie Geld für einen neuen Fonds. Von bis zu einer halben Milliarde Euro ist die Rede.

          Die Industriellenfamilie Quandt stellt weitere Unternehmen ins Schaufenster: Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat die Beteiligungsgesellschaft HQ Equita, in welcher die Familie Harald Quandt ihr Geschäft mit Beteiligungen bündelt, zwei von ihnen zum Verkauf gestellt. Zum einen den Maschinenbauer Rovema: Dazu habe der Investor die Fusionsberatung Alantra beauftragt, ist in Branchenkreisen zu hören. Vorläufige Gebote seien in der vergangenen Woche eingegangen. Zum anderen will HQ Equita die Spezialdruckerei Kolbe-Coloco veräußern. Hierfür habe Unicredit das Beratungsmandat erhalten.

          Klaus Max  Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Damit räumt dieses Investmentvehikel der Harald-Quandt-Gruppe weiterhin munter im Portfolio auf. HQ Equita ist auf mittelständische Unternehmen im deutschsprachigen Raum spezialisiert und Teil des Vermögensverwalters HQ Capital. Über ihn investieren Nachkommen des 1967 verstorbenen Harald Quandt Familienvermögen, und zwar in Private Equity und Immobilien. Auch Mittel von externen Geldgebern sind willkommen.

          Voriges Jahr schon vier Gesellschaften verkauft

          In diesem Jahr hat HQ Equita schon den Autozulieferer Isolite veräußert – an Hitachi Chemical – sowie den Wurstpellenhersteller Walsrode Casings, der an den amerikanischen Wettbewerber Viskase ging. Voriges Jahr hatte HQ Equity vier Gesellschaften veräußert. Damit liegen nur noch fünf Beteiligungen im Portfolio – und von denen gehen nun zwei an den Markt: Rovema und Kolbe-Coloco.

          Was Rovema angeht, fällt die kurze Haltedauer auf. HQ Quandt hatte das Unternehmen aus Fernwald im Jahr 2015 mehrheitlich erworben. Der geschäftsführende Gesellschafter Thomas Becker blieb, wie es hieß, „signifikant beteiligt“, er führt das Unternehmen unverändert. Das 1957 gegründete Unternehmen stellt Verpackungsmaschinen und -anlagen her, etwa für die Lebensmittelindustrie.

          Als HQ Equita Rovema erwarb, wurde der Umsatz für 2014 mit 70 Millionen Euro angegeben. Wie aus informierten Kreisen zu hören ist, peilt Rovema für das laufende Jahr knapp 100 Millionen Euro Umsatz an sowie etwa 15 Prozent Marge auf Basis des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Eine Reihe von Private-Equity-Gesellschaften und Industrieunternehmen sind angesprochen worden; die Frist für vorläufige („indikative“) Gebote endete Ende vergangene Woche.

          Mittel für einen neuen Geldtopf einsammeln

          Kolbe-Coloco, 2008 erworben, ist deutlich kleiner als Rovema. In Branchenkreisen ist von 30 Millionen Euro als angepeiltem Jahresumsatz die Rede und von einer zweistelligen Ebitda-Marge. Das Unternehmen beliefert Printmedien und andere Abnehmer, bedruckt etwa Zigarettenpackungen und Weinflaschenetiketten.

          Mit der Serie getätigter und noch geplanter Verkäufe nutzt HQ Equita den brummenden Transaktionsmarkt. Die Preise – gemessen als Vielfaches des Ebitda – sind stark gestiegen, beflügelt durch die Billiggeldpolitik der Notenbanken. Allerdings berichten Fachleute, HQ Equita trete auch als Kaufinteressent am Markt auf. Die Gesellschaft ist vor allem an „Primärtransaktionen“ interessiert: solchen, in denen ein Unternehmen nicht von einem Investor zum nächsten wechselt.

          Ein Branchenkenner mutmaßte, HQ Equita wolle sich mit den vielen Verkäufen als Investor beweisen, weil die Gesellschaft gerade Mittel für einen neuen Fonds einwerbe. In der Tat sammelt sie, wie zu hören ist, Mittel für einen neuen Geldtopf ein, der nach klassischer Private-Equity-Manier zeitlich begrenzt ist und einen fortlaufenden Fonds („Evergreen“) ablösen soll. Offenbar sind 400 bis 500 Millionen Euro angestrebt. Erste Gelder aus diesem Topf hat HQ Equita dem Vernehmen nach schon verwendet: für den Erwerb des Sportnahrungsanbieters Well Plus Trade. Seit der Gründung im Jahr 1992 hat das Private-Equity-Haus nach eigenen Angaben bisher etwa eine Milliarde Euro eingeworben. HQ Equity lehnte einen Kommentar zu den Transaktionen und dem Fonds ab.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Fünf Schotten kämpfen für ihre Heimat Video-Seite öffnen

          Inselverkauf : Fünf Schotten kämpfen für ihre Heimat

          Die abgelegene schottische Insel „Ulva“ war lange im Besitz einer Adelsfamilie, jetzt steht sie für rund vier Millionen Pfund zum Verkauf. Die fünf Bewohner hoffen, dass sie genug Geld zusammenbekommen, um das kleine Eiland selber zu kaufen.

          Topmeldungen

          Gescheiterte Sondierungen : Merkels Niederlage

          Durch die gescheiterten Sondierungen hat die Kanzlerin mehr verloren als die FDP. Und vor allem: Die CDU hat noch mehr zu verlieren. Der Knackpunkt ist die Willkommenspolitik – von der sich Angela Merkel partout nicht distanzieren mag. Ein Kommentar.

          Die FDP und Jamaika : Lindner fehlt das Vertrauen

          Die FDP war, was den Erfolg der Jamaika-Sondierungen angeht, nie besonders zuversichtlich. Da sie fürchteten, keine ihrer Projekte verwirklichen zu können, haben sie ein Versprechen platzen lassen.

          Wie geht es jetzt weiter? : So verschlungen ist der Weg zu Neuwahlen

          Steinmeier kündigt Gespräche mit allen Parteien an und fordert mehr Verantwortung. Doch Neuwahlen sind nicht mehr auszuschließen. Reinhard Müller, F.A.Z.-Ressortleiter für Staat und Recht, erklärt, welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.