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Veröffentlicht: 03.12.2013, 17:13 Uhr

Falls Briten aus EU austreten Goldman Sachs droht mit Abwanderung aus London

Die britische Regierung will die Wähler in einem Volksentscheid über einen Ausstieg aus der EU abstimmen lassen. Londons Banker sind alarmiert.

© Getty Images Michael Sherwood

Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs könnte einen großen Teil ihres europäischen Geschäfts von London nach Frankfurt verlagern, falls Großbritannien aus der Europäischen Union (EU) austreten sollte. „Das wäre ein wichtiger Wendepunkt und ein großer Negativfaktor für London als Finanzzentrum“, sagte Michael Sherwood, Co-Vorstandschef von Goldman Sachs International, bei einem Gespräch mit europäischen Journalisten. Bisher ist London unangefochten das führende europäische Finanzzentrum. Unter anderem werden bisher drei Viertel des Devisenhandels in der EU und 40 Prozent des globalen Euro-Handels an der Themse abgewickelt.

Marcus Theurer Folgen:

Goldman Sachs würde nach einem EU-Austritt der Briten seine Aktivitäten an der Themse „drastisch verkleinern“, drohte Sherwood, der selbst Engländer ist. „Voraussichtlich würden wir einen erheblichen Teil unseres europäischen Geschäfts, das bisher in London ist, an einen Ort innerhalb der Eurozone verlagern“, sagte der Investmentbanker: „Derzeit wären die beiden wahrscheinlichsten Standorte Frankfurt und Paris.“ Goldman Sachs ist eine der führenden Investmentbanken der Welt und beschäftigt derzeit in Frankfurt nur rund 200 Mitarbeiter. In London hat die Großbank dagegen rund 5500 Angestellte.

Meinungsumfragen:  Rund 45 Prozent der Briten wollen derzeit Europa den Rücken kehren

Die deutliche Warnung von Goldman Sachs ist ein Zeichen für die wachsende Unruhe in den Chefetagen der Londoner Banken wegen der unkalkulierbaren Europapolitik der Briten. Ein EU-Austritt würde auch den Zugang der Briten zum europäischen Binnenmarkt blockieren, was die stark international ausgerichteten Finanzinstitute in der Londoner City hart treffen würde. Die Regierung in London hat angekündigt, bis Ende des Jahres 2017 die Wähler in einem Volksentscheid über einen Ausstieg aus der EU abstimmen zu lassen. Premierminister David Cameron reagiert damit auf die wachsende Europafeindlichkeit in seiner eigenen Konservativen Partei und in der Bevölkerung. Meinungsumfragen zufolge wollen derzeit rund 45 Prozent der Briten Europa den Rücken kehren. Londoner Banker sind alarmiert: „Wir betrachten die Möglichkeit eines EU-Austritts nicht als Nebensache. Das ist ein erheblicher Unsicherheitsfaktor für Goldman Sachs und andere Banken“, sagte Sherwood: „Die Gefahr für unser Geschäft ist signifikant.“

Schon heute drohe die Ungewissheit über die Zukunft der Briten in Europa zum Standortnachteil für die City zu werden: „Viele Banken denken schon heute sehr genau nach, ob sie in London neue Investitionen tätigen“, glaubt Sherwood. Ein Grund dafür sei auch politische Einflussnahme. Vor allem kontinentaleuropäische Institute, mit großen Niederlassungen an der Themse, gerieten unter wachsenden Zugzwang. „Wenn Ihre Muttergesellschaft in Frankfurt oder Paris sitzt, dann kriegen sie derzeit sehr viel Druck“, sagte der Goldman-Sachs-Banker. „Ich glaube, die europäischen Regierungen sind sehr protektionistisch, wenn es darum geht, die Bankgeschäfte in Europa innerhalb der EU zu haben.“

Das Bankgeschäft könnte schnell abwandern

Die Finanzbranche ist bisher eine der wichtigsten Säulen der britischen Wirtschaft. Sie macht in Europas drittgrößter Volkswirtschaft rund 10 Prozent der Wirtschaftsleistung aus und sorgt für mehr als 2 Millionen gutbezahlte Arbeitsplätze. Zugleich ist der Export von Finanzdienstleistungen die wichtigste Stütze der britischen Leistungsbilanz. Aber das Geschäft könnte rasch abwandern, warnen Fachleute: Knapp die Hälfte des Bankgeschäfts in London entfällt auf Niederlassungen ausländischer Institute. Europäische Geldhäuser wie die Deutsche Bank und BNP Paribas aus Frankreich, sowie große amerikanische Konzerne wie Goldman Sachs, JP Morgan und die Citigroup sind wichtige Arbeitgeber.

Was die Zukunft der europäischen Gemeinschaftswährung angeht, ist Goldman Sachs trotz der Wirren der vergangenen Jahre optimistisch. „Wir rechnen nicht damit, dass die Eurozone zerbricht. Die Gefahr, dass es dazu kommt hat sich dramatisch verringert“, sagte Sherwood. Auch die in Europa geplante Finanztransaktionssteuer, mit der Spekulationsgeschäfte eingedämmt werden sollen, sieht die amerikanische Investmentbank mittlerweile gelassener. „Die wird nicht zum Geschäfts-Killer werden. Wir werden eine Kompromisslösung bekommen“, erwartet Sherwood.

Quelle: F.A.Z.

 

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