Laptop und Drucker stehen bereit, die provisorischen Büros für die Vorstellungsgespräche sind gemietet. Alles soll schnell gehen, wenn das westdeutsche Unternehmen im Osten Mitarbeiter rekrutiert. „Wir drucken die Arbeitsverträge sofort aus und lassen sie unterschreiben“, sagt Oliver Hansmann. „Gleich danach können die Leute bei uns anfangen.“
Hansmann ist Betriebsdisponent des 1400 Mitarbeiter großen Personaldienstleisters Ostermann aus dem Ruhrgebiet. Das Unternehmen aus Lünen, das im Jahr rund 30 Millionen Euro umsetzt, hat sich auf die Verleihung von Metallfacharbeitern spezialisiert, vor allem Monteure. Hansmann ist für die Mitarbeiteranwerbung zuständig, derzeit ein schwieriges Unterfangen: „Wegen der guten Auftragslage ist der Markt in Nordrhein-Westfalen wie leergefegt, jedenfalls für qualifizierte und reisebereite Facharbeiter.“ Im Osten aber gebe es noch gut ausgebildete und flexible Arbeitslose, „an die wollen wir herankommen“.
„Gute Schweißer verdienen bei uns 17 Euro in der Stunde“
In der kommenden Woche starten die Westfalen deshalb eine ungewöhnliche Anwerbekampagne. In einer „Recruiting-Roadshow“ klappern sie neun Städte in allen neuen Ländern ab, darunter Neubrandenburg, Cottbus und Wittenberge. Zusammen mit den örtlichen Arbeitsagenturen haben sie 450 Arbeitslose zu Vorstellungsgesprächen in Jobcenter, Hotels und sogar in ein Sportstudio eingeladen.
„Ich weiß mir nicht anders zu helfen“, klagt Hansmann. Mit Stellenanzeigen oder der Nachfrage bei Arbeitsagenturen habe man nicht viel erreicht. Ostermann sucht vor allem Schweißer, Industrie- und Anlagenmechaniker, Rohrvorrichter sowie Schlosser.
Das Unternehmen lockt mit Einsätzen in Dubai und Südafrika
Mindestens 50 Stellen sind unbesetzt, wenn das so bleibt, muss das Unternehmen um Aufträge fürchten. Man biete eine übertarifliche Entlohnung einschließlich der üblichen Monteurszuschläge, wirbt Hansmann. „Gute Schweißer verdienen bei uns 17 Euro in der Stunde.“ Vor allem aber lockten interessante Einsätze, darunter der Aufbau von Industrieanlagen in Dubai oder die Montage des Stadions für die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika.
Wie groß der Facharbeitermangel in Nordrhein-Westfalen oder anderswo ist, vermag aber niemand verlässlich zu sagen. Nicht alle offenen Stellen sind gemeldet, die wirkliche Arbeitsbereitschaft und -befähigung der Stellenlosen werden nicht erfasst. Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) und des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) geben immerhin einen Eindruck von regionalen Unterschieden. Danach kamen im März auf jeden arbeitslosen Maschinenbautechniker im Westen 1,3 offene Stellen; im Osten waren es nur 0,4. Die wirkliche Lücke sei allerdings viel größer, da im Schnitt nur 44 Prozent der offenen Stellen der BA gemeldet würden, sagt Oliver Koppel vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Seinen Berechnungen nach fehlen in Westdeutschland mehr als 19.000 Schlosser, während im Osten 6400 zu viele auf dem Markt sind. Ähnliches gelte für Elektriker, Mechaniker oder Installateure.
IG Metall fürchtet weiteres Ausbluten
Am schlimmsten grassiert der Mangel an Fachkräften in Baden-Württemberg und Bayern, am höchsten ist ihr Überschuss in Berlin-Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Den BA-Zahlen nach liegt Nordrhein-Westfalen im Mittelfeld und müsste seinen Facharbeiterbedarf selbst decken können. Die Realität in den Betrieben sehe aber anders aus, sagt Hans-Jürgen Alt, Geschäftsführer des VDMA in Nordrhein-Westfalen. „Es gibt große Schwierigkeiten, gute Mitarbeiter zu finden, ein Ende des Mangels ist nicht abzusehen.“ 2007 habe man in dem Bundesland 9400 neue Vollzeitstellen geschaffen, 5 Prozent mehr als im Vorjahr.
Unterdessen hat der Fachkräftemangel aber auch Ostdeutschland erreicht. Nach einer Untersuchung im Auftrag der Otto-Brenner-Stiftung, die der IG Metall nahesteht, klagen mehr als die Hälfte der Metall- und Elektrounternehmen über fehlenden Nachwuchs. Der IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber spricht von einem „Alarmsignal für die ostdeutsche Industrie“, das den Aufbau Ost gefährde. Die Unternehmen seien mitverantwortlich, da sie die Ausbildung vernachlässigten und unattraktive Löhne zahlten: Fachkräfte im Osten verdienten gut ein Drittel weniger als im Westen. Klaus Heimann, Gewerkschaftsfachmann für den Arbeitsmarkt, verurteilt den Anwerbeversuch von Westunternehmen. „Die locken mit mehr Geld, dabei werden die Fachkräfte im Osten dringend gebraucht.“ Die IW-Zahlen bestätigen das zum Teil. Was etwa die von Ostermann besonders gesuchten Schweißer angeht, so fehlen in Westdeutschland 9700 Facharbeiter. Aber auch in den neuen Ländern sind knapp 1200 Stellen unbesetzt.
Weil der heimische Arbeitsmarkt leergefegt ist, rekrutiert ein Montagebetrieb aus dem Ruhrgebiet systematisch Facharbeiter in den neuen Ländern. Doch auch im Osten grassiert der Fachkräftemangel. Die IG Metall fürchtet ein weiteres Ausbluten.
Da k(zensiert) mir die Galle hoch!!
Thomas Spaniel (Echnaton1970)
- 17.07.2008, 19:42 Uhr
BDI Propgandamaschine
Stefan Rubens (RubensStefan)
- 17.07.2008, 23:06 Uhr
Vorsicht.
Peter Müller (Damrko)
- 17.07.2008, 23:57 Uhr
