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Sheryl Sandberg : Die Top-Managerin auf Deutschland-Tour

Sheryl Sandberg, seit 2008 Facebook-Chefin, spricht in Köln: der ersten Station auf ihrer Tour durch Deutschland. Bild: dpa

Facebook-Star Sheryl Sandberg hat drei Tage lang die Republik verzückt. Was fasziniert uns so an einer Managerin? Ein Tourbericht.

          Sheryl Sandberg hat eine Mission. Immer und überall. Für gewöhnlich dauert es keine fünf Minuten, bis sie darauf zu sprechen kommt, wie sie mit Facebook die Menschheit beglücken will: „We are making the world a better place.“ Vergangene Woche tourte die Facebook-Frontfrau, eine der mächtigsten und auch reichsten Frauen der Welt, mit dieser Botschaft durch Deutschland. Drei Tage, drei Kongresse, zig Gespräche mit den Wichtigen der Republik. Wir haben uns an ihre Fersen geheftet, um zu verstehen, was die Welt – und speziell die Deutschen – an der Amerikanerin so fasziniert. Und was die selbsternannte Weltverbesserin von Bundeskanzlerin, Autobossen und sonstigen Topmanagern will.

          Bettina Weiguny

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Los ging die Tour am Mittwoch in Köln: Sandberg war als Stargast der Digitalmesse dmexco angekündigt, eines Treffs von Werbern und IT-Menschen, sozusagen Kerngeschäft für Facebook, und Anlass für ihre Deutschland-Reise. Die anderen Termine hat sie sich penibel darum organisieren lassen, ein gewöhnlicher Staatsbesuch von einem x-beliebigen Minister ist dagegen ein Kinderausflug. Es ist nicht immer lustig, was sich die 48-jährige Managerin zumutet. In Köln etwa traf sie nicht nur auf Fans. Lage und Stimmung im Online-Marketing sind nicht danach, Facebook zu bejubeln. Mit Google schöpft der Konzern aus dem Silicon Valley 70 bis 90 Prozent der Umsätze in der Online-Werbung ab, weltweit. Alle anderen teilen sich den mickrigen Rest. 2500 Menschen drängen in die Halle, mehr gehen nicht rein. 2500 Handys blitzen auf, als der Star die Bühne betritt. Alle wollen ein Foto von der Frau mit dem dunklen Pagenschnitt. Dunkelrotes Bolerojäckchen, enges knielanges Kleid, ebenfalls rot, und beige Stilettos. Bevor die Managerin auch nur ein Wort sagt, hat sie schon ein Zeichen gesetzt. Allein der Stöckelschuh spricht für sich, glaubt man dem Schuh-Designer Stuart Weitzman: „Ein High Heel verleiht Frauen Macht.“ Sie zeigen damit, wer der Boss ist.

          Man teilt alles – nur keine Informationen

          Sheryl Sandberg war schon als kleines Mädchen eine Bestimmerin, „bossy“ schimpften sie deshalb alle. Dabei wusste sie nur, was sie wollte: Eine blitzsaubere Karriere. Einen Harvard-Abschluss mit „summa cum laude“ hat sie vorzuweisen, danach Stationen in der Weltbank, wenig später als Stabschefin im Finanzministerium. Es folgt der Wechsel zur Tech-Industrie. Bei Google lassen die Gründer sie nicht in die erste Reihe, also zieht sie weiter zu Facebook. 2008 war das, und die Firma war kaum mehr als ein aufstrebendes Start-Up mit 550 Mitarbeitern. Heute ist Facebook eins der wertvollsten Unternehmen der Welt, hat 20.000 Mitarbeiter und bald 2,5 Milliarden Nutzer. Und Sandberg, die mit Anteilen bezahlt wurde, muss sich ums Finanzielle keine Sorgen mehr machen.

          In Köln ist „Wachstum“ das offizielle Thema für ihre Rede. Was folgt, sind 20 Minuten Werbung für Facebook. Sandberg sprengselt Persönliches ein („Ich habe meine 13-jährige Nichte dabei, weil sie hier mehr lernt als an einem Schultag in der achten Klasse“), mixt dazu menschelnde Geschichten über Arbeitslose, die sich dank Facebook selbständig machen. Dazwischen plaziert sie das Facebook-Mantra: „Unsere Rolle auf der Welt ist es, Menschen zu verbinden und Communities aufzubauen.“ Der Vortrag ist perfekt inszeniert, wie immer. Manche Zuhörer sind enttäuscht. „Wir sind doch alle vom Fach, uns muss sie nichts vormachen“, beschwert sich ein Werber aus Irland. Konkrete Einblicke in die künftige Strategie hatte er sich erhofft, vergebens, Sandberg hält sich fern von den Niederungen des Geschäfts. Fragen sind nicht zugelassen. Als der Moderator kurz versucht, sie nach dem Vortrag auf der Bühne zu halten, lässt sie ihn winkend stehen. Lektion Nummer eins: In der Sharing Economy teilt man alles Mögliche – Autos (Uber), Wohnungen (Airbnb), Geschichten (Facebook), aber doch keine Informationen! „Facebook ist gespenstisch verschwiegen“, meint eine Start-Up-Gründerin aus Berlin, die dem sozialen Netzwerk nichts abgewinnen kann, der Chefin aber sehr wohl. Die ist ihr Vorbild, „das beste role-model für junge Frauen, das die Welt zu bieten hat“. Allein deshalb sei es wichtig, dass sie auftritt, wo sie kann.

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