Das Internetunternehmen Facebook bekommt mit seinem Börsengang eine neue Gruppe von Miteigentümern: Die künftigen außenstehenden Aktionäre investieren in der Hoffnung, dass die bisherige Erfolgsgeschichte des sozialen Netzwerks weitergeht und sich für sie in Kursgewinnen niederschlägt. Sollte es aber eines Tages nicht mehr so gut laufen, werden die Aktionäre wenig Möglichkeiten haben, sich Gehör zu verschaffen und Einfluss auf die Strategie auszuüben. Denn der gerade 28 Jahre alt gewordene Mitgründer und Vorstandsvorsitzende Mark Zuckerberg hat dafür gesorgt, dass er allein das Sagen im Unternehmen hat, auch nach dem Börsengang.
Zuckerberg behält 57 Prozent der Stimmrechte
Das hat er gleich auf zweifache Weise eingefädelt: zum einen, indem er zwei Klassen von Aktien mit unterschiedlichen Stimmrechten geschaffen hat, zum anderen, indem er sich von anderen Altaktionären Stimmrechte hat überschreiben lassen. Im Ergebnis führt dies laut Börsenprospekt dazu, dass Zuckerberg nach dem Börsengang über mehr als 57 Prozent der Stimmrechte verfügt.
Die totale Kontrolle durch eine einzelne Person wie nun im Falle von Facebook und Zuckerberg ist ein extremes Beispiel für einen Trend in der Branche: Auch andere prominente Börsenneulinge aus der Internetindustrie wie Groupon, Zynga oder Linkedin haben mit mehreren Aktienklassen dafür gesorgt, dass ihre Gründer gemessen an ihrem Anteil am gesamten Kapital überproportional viele Stimmrechte behalten.
Einer der Wegbereiter für diesen Trend war Google. Der heutige Internetgigant hat vor seinem Börsengang 2004 zwei Aktienklassen geschaffen: A-Aktien mit einem Stimmrecht und B-Aktien mit zehn Stimmrechten. Nur die A-Aktien kamen an die Börse, die B-Aktien werden vor allem von den beiden Mitgründern Larry Page und Sergey Brin sowie dem früheren Vorstandschef Eric Schmidt gehalten. Page und Brin haben zusammen deutlich mehr als 50 Prozent der Stimmrechte, obwohl ihr Anteil am Gesamtkapital bei weniger als 20 Prozent liegt.
Macht zementiert
Erst vor rund einem Monat setzte Google noch einen drauf mit der Ankündigung, eine dritte Klasse von C-Aktien zu schaffen, die keinerlei Stimmrechte hat. Diese stimmrechtlosen Aktien sollen künftig zum Beispiel für Mitarbeitervergütung oder Akquisitionen eingesetzt werden. Die beiden Gründer wollen damit verhindern, dass ihr Stimmrechtsanteil in der Zukunft verwässert wird, sie zementieren also ihre Macht im Unternehmen. Zur Begründung führten Page und Brin an, diese Struktur ermögliche es Google, Entscheidungen mit einem längerfristigen Horizont zu treffen.
Der Schritt von Google sorgte für einige Proteste: „Google tritt die Aktionärsrechte mit den Füßen“, sagte zum Beispiel Sean Egan von der Fondsberatungs- und Ratinggesellschaft Egan Jones in einem Interview mit „Bloomberg TV“. Auch der große kalifornische Pensionsfonds Calstrs äußerte sich kritisch zu dem Plan. Es gab aber auch positive Stimmen wie von Bill George, dem langjährigen Vorstandschef des amerikanischen Medizintechnikkonzerns Medtronic, der heute Wirtschaftsprofessor an der Eliteuniversität Harvard ist. George beklagte, dass die Sichtweise an den Finanzmärkten immer kurzfristiger werde, daher sei in manchen Fällen eine Eigentümerstruktur mit mehreren Aktienklassen sinnvoll.
Das auf Online-Spiele spezialisierte Unternehmen Zynga, das im Dezember an die Börse kam, hat wie demnächst auch Google drei Aktienklassen. An der Börse sind die A-Aktien (ein Stimmrecht). Die B-Aktien (sieben) liegen bei Altaktionären, die C-Aktien (siebzig) sind ausschließlich dem Gründer und Vorstandschef Mark Pincus vorbehalten. Aufgrund dieser Konstruktion verfügt Pincus insgesamt über knapp 36 Prozent der Stimmrechte. Das soziale Netzwerk Linkedin und die Rabattplattform Groupon, ebenfalls Börsenneulinge aus dem vergangenen Jahr, haben jeweils zwei Aktienklassen. Linkedin-Mitgründer und Verwaltungsratsvorsitzender Reid Hoffman hat sich mit der Struktur rund 23 Prozent der Stimmrechte gesichert, Groupon-Gründer und -Vorstandschef Andrew Mason kommt auf knapp 20 Prozent.
„Kontrolliertes Unternehmen“
Mark Zuckerberg hält laut Börsenprospekt 533,8 Millionen der mit zehn Stimmrechten ausgestatteten B-Aktien, was ihm einen Anteil von 28 Prozent an den Stimmrechten gibt. Zusätzlich haben ihm eine ganze Reihe anderer Altaktionäre Stimmrechte überschrieben, darunter sein Mitgründer Dustin Moskovitz und einige Investoren wie die russische Internetholding DST Global. An die Börse kommen nur die A-Aktien (ein Stimmrecht).
Der resultierende Zuckerberg-Anteil von mehr als 57 Prozent macht Facebook zu einem „kontrollierten Unternehmen“, wie es im Börsenprospekt heißt. Aus diesem Grund sei Facebook nach den Börsenregeln von der Pflicht befreit, mehr als die Hälfte des Verwaltungsrats mit unabhängigen Mitgliedern zu besetzen. Facebook hat selbst die Kontrolle von Zuckerberg als einen Risikofaktor im Prospekt genannt und auch Beispiele aufgeführt, was dies in der Praxis bedeutet. Demnach habe Zuckerberg Entscheidungsgewalt über Fusionen oder den Verkauf des Unternehmens oder über die Bestimmung von Verwaltungsräten.
Die Konzentration der Macht bei Gründern oder allgemein einer sehr kleinen Gruppe von Eigentümern war zwar zuletzt vor allem ein Phänomen in jungen Internetunternehmen, sie ist aber nicht darauf beschränkt. Gerade in Medienunternehmen halten oft Inhaberfamilien einen großen oder sogar kontrollierenden Anteil. Etwa der von Rupert Murdoch geführte Medienkonzern News Corp., der im vergangenen Jahr ein spektakuläres Beispiel für die Machtlosigkeit von freien Aktionären in Unternehmen mit dominierenden Anteilseignern geliefert hat. Die Murdoch-Familie verfügt über rund 12 Prozent der Aktien, aber dank einer Zwei-Klassen-Struktur fast 40 Prozent der Stimmrechte. Weitere 7 Prozent der Stimmen hält der den Murdochs wohlgesinnte saudische Prinz Alwaleed bin Talal.
Bei der Aktionärsversammlung im Herbst stimmte eine große Mehrheit der freien Aktionäre gegen eine Wiederwahl des wegen eines Abhörskandals unter Druck geratenen Murdoch-Sohns James. Durch die Stimmrechte der Familie und des saudischen Prinzen fiel die Abstimmung unter dem Strich aber doch zu seinen Gunsten aus.
Fakebook
Alexander vom Hofe (munatak)
- 18.05.2012, 12:15 Uhr
@Robert Norman - ein sehr informativer Beitrag, vielen Dank.
Rüdiger Noll (krn)
- 18.05.2012, 08:28 Uhr
Nach Schumpeter waren Aktionäre schon immer machtlos.
Thomas Lagershausen (Medienbeobachter)
- 17.05.2012, 22:11 Uhr
Natürlich wird Facebook Geschäfte machen....
Closed via SSO (JohnBrown)
- 17.05.2012, 21:58 Uhr
Grundrechenarten anwenden
Chris Heidrich (Rockwilder1979)
- 17.05.2012, 21:45 Uhr