16.02.2012 · Durch den eigenen Börsengang wird Facebook rund 5 Milliarden Dollar aufwenden müssen, um Steuerschulden zu begleichen. Das klingt aber schlimmer, als es wirklich ist. In Zukunft wird das Unternehmen profitieren.
Von Carsten Knop und Roland Lindner, Frankfurt/New YorkDer Börsengang des amerikanischen Internetunternehmens Facebook wird für die Steuerbehörden des Landes zur Bonanza: Allein für die Begleichung der künftigen Steuerschulden der rund 3000 Angestellten des Sozialen Netzwerks, von denen nach dem Börsengang viele zu Millionären werden, wird Facebook in den sechs Monaten nach dem Gang auf das Parkett rund 5 Milliarden Dollar aufwenden müssen. Hinzu kommen die 1,5 bis 2 Milliarden Dollar Steuern für das Aktienpaket des Unternehmensgründers Mark Zuckerberg.
Das Unternehmen selbst wird davon insofern profitieren, als dass die Aufwendungen mit künftigen Gewinnen verrechnet werden können. Das heißt, dass Facebook über viele Jahre hinweg keine Gewinnsteuern wird zahlen müssen. Für den amerikanischen Staat - vor allem für den hochverschuldeten Bundesstaat Kalifornien - dürften die Einkommensteuererklärungen der Facebook-Millionäre allerdings viel interessanter sein.
Zudem geht man im Silicon Valley davon aus, dass sich viele dieser Mitarbeiter mit dem Geld bald auch selbst unternehmerisch engagieren werden - und damit die Saat für potentiell erfolgreiche Technologieneugründungen ausbringen. Für die künftigen Facebook-Aktionäre ist die Nachricht von der Steuerschuld ebenfalls eine wichtige Information, wird diese Facebook doch schon bald nach dem Börsengang zu einer abermaligen Emission von Aktien im Volumen von mehreren Milliarden Dollar zwingen.
Wenn dies tatsächlich auf die 5 Milliarden Dollar hinausläuft, die die Zeitung "Financial Times" ausgerechnet hat, wäre das genau der Betrag, den Facebook in seinem vor zwei Wochen eingereichten Börsenprospekt schon für seine erste Ausgabe von Aktien angesetzt hat. Facebook selbst spricht in seinem Börsenprospekt von "substantiellen Finanzmitteln", die rund sechs Monate nach dem Börsengang, also dem Ablauf der Haltefrist der entsprechenden Aktien und Optionen, für Steuern aufzuwenden seien. Sobald Mitarbeiter diese Aktien verkaufen, werden Steuern fällig, und dem Prospekt zufolge wird Facebook für diese Steuern aufkommen.
Facebook ist damit ein weiteres Beispiel für die Dynamik, die das Silicon Valley entfalten kann. Auch Google und Apple haben solche Erfolgsgeschichten geschrieben. Apple, ein Unternehmen, das vor etwas mehr als zehn Jahren noch am Rand des Ruins stand, ist inzwischen so ertragreich und wertvoll, dass es die entsprechenden Studien der Analysten an der Wall Street vollkommen verzerrt - und von manchen lieber gar nicht mehr berücksichtigt wird: Es handelt sich um Zahlen wie von einem anderen Stern.
Absurder Turbo-Kapitalismus
Franz Mayr (BayernFranz)
- 16.02.2012, 15:26 Uhr
... mal ganz zu schweigen von dem Schaden für die
Börsenanleger in ein paar Jahren.
Pia Bücken (muscat)
- 16.02.2012, 10:27 Uhr
Woher Einnahmen real stammen, ist ungewiss - wohin die Gewinne
fließen, offenbart Business Week
Klaus Wege (covenants)
- 16.02.2012, 09:43 Uhr
Carsten Knop Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.
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