13.06.2005 · Alessandro Profumo, künftiger Chef der Unicredito-HVB-Bankengruppe, über seine Strategie, die deutsche Bankenbranche, den Stellenabbau nach der Fusion und seine Deutschkenntnisse - F.A.Z.-Gespräch.
Alessandro Profumo wird nach einer Fusion von Unicredito und Hypo-Vereinsbank wohl die neue Bankengruppe leiten. Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung äußert er sich zu seiner Strategie.
Herr Profumo, in der Vergangenheit haben die Chefs der Hypo-Vereinsbank von ihren Visionen für eine mitteleuropäische Bank gesprochen. Nun wird dies unter Führung von Unicredito realisiert. Ist das ein italienischer Triumph?
Wir haben dieses Projekt gemeinsam realisiert. Der Rahmen der neuen Gruppe ist Europa. Wir sind künftig in 19 nationalen Märkten tätig, die meisten davon in der Europäischen Union.
Welche Größenvorteile bringt das Zusammengehen mit der HVB?
Die Diversifikation bringt Chancen auf weiteres Wachstum. Zudem ist es auch von großem Wert, zwei Banken aus zwei Gegenden zu vereinen, die starke Handelsbeziehungen haben. Wenn zwischen dem Veneto und Bayern großer Güteraustausch besteht, können wir Kunden von Unicredito und Kunden der HVB mit einer vereinten Bank bessere Dienstleistungen bieten und damit Unternehmen stärker an uns binden. Zu den Vorteilen gehört auch der Umstand, daß wir mit verschiedenen, starken Markennamen arbeiten können.
Bleiben die Banknamen erhalten?
Wir werden die Namen erhalten, aus denen sich die Gruppe zusammensetzt. Die Idee ist aber, daß wir eine gemeinsame Optik verwenden, so, wie wir bei Unicredito auch bisher die Zugehörigkeit zu einer Bankengruppe verdeutlicht haben.
Die Hypo-Vereinsbank hat 2004 fast soviel Verlust gemacht wie Unicredito Gewinn. Wie können Sie deren Deutschland-Geschäft flott bekommen?
Dieses Problem muß man mit Behutsamkeit angehen. Wunderformeln gibt es nicht. Ich glaube, man muß mit den Kollegen die Stärken und Schwachpunkte der Bank analysieren. Sicher ist die starke Präsenz in Bayern ein großer Vorteil. Ich bin überzeugt, daß der deutsche Teil der Hypo-Vereinsbank wieder wachsen und uns noch gute Ergebnisse liefern kann. Wir glauben an das Ziel, bis 2007 in der neuen Gruppe eine Eigenkapitalrendite von 18 Prozent zu erreichen.
In Deutschland ist die HVB nur in zwei Regionen stark vertreten. Ist das ein Nachteil?
Im Massenmarkt ist es wichtig, lokal ein Minimum an Marktanteil zu haben, schon allein, um sichtbar zu sein. Da ist die Konzentration auf einzelne Regionen ein Vorteil. Andere Segmente funktionieren anders. Da muß man von Fall zu Fall die Stärken analysieren und weitersehen.
Ist Unicredito bisher innovativer gewesen als die Hypo-Vereinsbank?
Sie sprechen internen Wettbewerb an. Der ist aber nicht unser Problem, sondern daß wir für unsere Aktionäre zusätzliche Werte schaffen müssen. Was Unicredito ganz gut kann, ist mit verschiedenen Methoden für verschiedene Marktsegmente arbeiten. Wir haben viele neue Produkte entwickelt. Und wir sind gut bei Systemen zur Information des Managements über die Lage der Bank und Anreizsysteme für die Mitarbeiter. Da können wir zusammen mit den deutschen Kollegen noch viel bewegen.
Welches Ziel setzen Sie der neuen Bank?
Unser Job ist es, unseren Kunden auf 19 Märkten exzellenten Service zu bieten. Wenn wir das relativ schnell schaffen, bringt das auch großen wirtschaftlichen Erfolg. Ein Erfolgskriterium wird auch sein, daß wir möglichst schnell aufhören, von "denen" und "uns" zu reden, und statt dessen "wir" sagen.
In Deutschland scheint das Bankgeschäft derzeit geringere Margen und mehr Risiken zu bringen als anderswo. Haben Sie deshalb Sorgen zur Werthaltigkeit der Bilanz der HVB?
Wir haben die Bank und ihre Bilanz mit großer Aufmerksamkeit analysiert. Unter dem Strich glauben wir, daß für uns die Fusion ein gutes Geschäft ist.
Wenn Sie bis zu 900 Millionen Euro im Jahr einsparen wollen, bedeutet dies auch Entlassungen?
Das bedeutet nicht Entlassungen über Nacht, sondern eine Optimierung und Reduzierung des Personalbestandes innerhalb von drei Jahren um etwa sieben Prozent, zusätzlich zu den verkündeten Plänen des bisherigen Vorstandes.
Gibt es in der deutschen Bankenbranche nur Schwierigkeiten mit der Konjunktur oder auch strukturelle Probleme?
Das deutsche Bankensystem ist noch größtenteils in öffentlicher Hand und hat noch nicht die Restrukturierung erfahren, wie sie in Italien seit 1990 mit einem neuen Sparkassengesetz begonnen hat. Daher hat sich auch noch nicht der Konzentrationsprozeß eingestellt, wie wir ihn erlebt haben. Doch das Ende der Staatsgarantien für die Landesbanken wird erste Veränderungen bringen.
Werden Sie nun Deutsch lernen?
Ich werde Deutsch lernen müssen, auch wenn bei uns vieles in Englisch abläuft. Meine Deutschkurse an der Universität liegen lange zurück, und die Sprache ist schwierig. Aber mir ist wichtig, daß ich direkt verstehen kann, was die Kollegen in Deutsch zu mir sagen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2467 | −0,17% |
| Rohöl Brent Crude | 106,24 $ | −0,57% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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