25.09.2007 · Die EU-Kommission ist offenbar bereit, kleine Winzer von dem Verbot der Zuckerung im Rahmen der Weinmarktreform auszunehmen, wenn sie das in wirtschaftliche Schwierigkeiten bringt. Das verlautete am Dienstag aus hohen Kommissionskreisen. Betroffen sind vor allem deutsche Winzer.
Deutsche Winzer dürfen wahrscheinlich auch künftig Zucker bei der Weingärung zusetzen. Die Europäische Kommission sei bereit, kleine Winzer von dem Verbot der Zuckerung im Rahmen der geplanten Weinmarktreform auszunehmen, wenn sie das in wirtschaftliche Schwierigkeiten bringe, verlautete am Dienstag aus hohen Kommissionskreisen in Brüssel. Grundsätzlich werde die Behörde an dem Zuckerungsverbot aber festhalten.
Die Kommission kommt mit diesem neuen Vorstoß vor allem Deutschland und Österreich entgegen. Sie setzen traditionell Zucker zu, wenn die Weintrauben wegen fehlender Sonnentage wenig Fruchtzucker haben. Der Alkoholanteil darf so um bis zu 3,5 Prozent erhöht werden. Viele Winzer fürchten bei einem strikten Verbot um ihre Existenz. Landwirtschaftsminister Horst Seehofer hat schon Widerstand gegen ein Zuckerungsverbot angekündigt.
Eines der Kernstücke der Reform
Die EU-Agrarminister beraten an diesem Mittwoch in Brüssel über die Vorschläge der Kommission zur Weinmarktreform, mit der die wachsende Weinüberproduktion in Europa reduziert werden soll. Das Verbot der Zuckerung ist eines der Kernstücke der Reform. Die zuständige Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel argumentiert, die Zuckerung führe dazu, dass qualitativ schlechte Weine produziert werden. Wenn sie nicht verboten werde, müsse die EU mehr Geld für die Rodung von Weinstöcken ausgeben, um die Produktion zu begrenzen, heißt es in der Behörde. Statt der bisher vorgesehenen 200 000 Hektar müssten dann 300 000 Hektar bis zum Jahr 2013 gerodet werden. Die Rodung ist freiwillig. Die EU will die Winzer mit Prämien dazu bewegen. Dafür sind 1,2 Milliarden Euro eingeplant.
Deutsche Winzer und die Bundesregierung halten dem entgegen, dass die Zuckerung seit Jahrhunderten üblich ist. Das Verbot belaste so einseitig Winzer aus Deutschland und Österreich, obwohl sich deren Weine im Gegensatz zu manchen Weinen aus Süd- und Osteuropa sehr gut verkauften. Allerdings ist auch in Deutschland die Zuckerung von Qualitätsweinen verboten. Die Kommission schlägt nun als Kompromiss vor, kleinen Weinbauern, die den Wein nicht in großen Kooperativen, sondern selbst produzieren, die Zuckerung weiterhin zu erlauben.
Die Kommission will die Reform bis zum Ende der französischen Ratspräsidentschaft in der zweiten Hälfte 2008 abschließen. Der Vorschlag stößt in den EU-Staaten aus verschiedenen Gründen auf Widerstand. Deutschland ist auch gegen Förderung der Rebstockrodung. Da es nach 2013 keine Begrenzungen für den Anbau mehr geben soll, habe es wenig Sinn, zuvor Geld für die Rodung auszugeben. Andere Staaten aus Süd- und Osteuropa sperren sich gegen die Abschaffung der Subventionen für die Destillation. Sie könnten unverkäuflichen Wein dann nicht mehr zu Alkohol brennen. Derzeit gibt die EU dafür jährlich knapp ein Drittel des Weinbudgets von 1,3 Milliarden Euro aus.
Chemiefabriken ?
Lutz Grellmann (Lumi1)
- 26.09.2007, 01:45 Uhr
Ohne Zusatz von Zucker
Norbert Brand (Jirmejahu)
- 26.09.2007, 09:25 Uhr
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