30.03.2004 · Der Bau der für 2006/07 geplanten Landebahn am Frankfurter Flughafen ist gefährdet. Nach Ansicht der EU-Kommission ist das Gelände zu dicht am Chemiewerk Ticona angelegt und verstößt gegen europäisches Umweltrecht.
Wilhelm Bender, Vorstandsvorsitzender der Betreibergesellschaft des Frankfurter Flughafens, schließt eine Verzögerung bei der Fertigstellung der für 2006/07 geplanten Landebahn nicht mehr aus. Er appellierte an alle Verfahrensbeteiligten, das Verfahren zügig voranzutreiben, wobei die Maxime "Gründlichkeit vor Schnelligkeit" gelten müsse. Der Anlaß für eine vermutliche Verzögerung ergebe sich aus dem gegenwärtigen Verlauf des im September begonnen Planfeststellungsverfahrens für das größte privatfinanzierte Investitionsvorhaben in Deutschland (3,4 Milliarden Euro).
Bender wies zudem die Bedenken der EU-Kommission gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens zurück. Die EU-Kommission rüge mit formalen Argumenten, daß die Umweltproblematik (die sogenannte Seveso-2-Richtlinie) nicht schon im Raumordnungsverfahren geprüft worden sei, sondern dies erst im laufenden zweiten Teil des Genehmigungsverfahrens geschehen solle. "Diese Rechtsauffassung ist aus unserer Sicht falsch", sagte er am Dienstag in Frankfurt. Daraus erwarte er jedenfalls allein aufgrund des EU-Verfahrens keine Verzögerungen des bis 2007 geplanten Baus einer neuen Landebahn.
Zu nah am Chemiewerk geplant
Wie am Montag bekannt wurde, verstößt Fraport aus Sicht der Europäischen Union (EU) mit der unmittelbaren Nähe des zum Celanese-Konzern gehörenden Chemiewerkes Ticona gegen europäisches Umweltrecht (siehe F.A.Z. vom 30. März). Deshalb hat die Europäische Kommission am Dienstag der Bundesregierung eine "erste schriftliche Mahnung" in dieser Angelegenheit übermittelt. Brüssel wirft der hessischen Landesregierung vor, sie habe die gemeinschaftlichen Rechtsvorschriften zur Vermeidung schwerer Industrieunfälle nicht korrekt angewendet.
Bender warf der Störfallkommission beim Bundesumweltministerium "gravierende handwerkliche Fehler" bei ihrer Einschätzung bezüglich des Gefahrenpotentials des Chemiewerks vor. Ein Gutachten des TÜV Pfalz habe die vermeintliche Unvereinbarkeit als zum Teil "nicht nachprüfbar" kritisiert. Bender sagte, bei konsequenter Anwendung des Votums und Begründung der Störfallkommission auf andere deutsche Flughäfen wäre der Luftverkehrsstandort Deutschland insgesamt gefährdet.
2003 war gutes Fraport-Jahr
Für das laufende Geschäftsjahr äußerte sich Bender zuversichtlich. Nach der seit Ende 2003 zu beobachtenden Aufwärtstendenz bei den Passagierzahlen und zwei Rekordmonaten zu Beginn dieses Jahres rechnet er damit, daß der größte deutsche Flughafen 2004 voraussichtlich 3,5 bis 4,5 Prozent mehr Passagiere verzeichnen und so erstmals die Schwelle von 50 Millionen Passagieren überschreiten werde. Der Konzernumsatz soll nach Angaben von Bender um 5 Prozent steigen, das konzernweite Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) und der Jahresüberschuß werde überproportional steigen, sagte Bender und Finanzvorstand Stefan Schulte.
Das vergangene Jahr war für Fraport trotz schwieriger Bedingungen ein gutes Jahr, betonte er. Der Umsatz sei um 1,7 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro gewachsen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen betrug 503,4 Millionen Euro und übertraf den bereinigten Vorjahreswert leicht. Der Konzernüberschuß stieg um 8 Prozent auf 115,2 Millionen Euro. Vorstand und Aufsichtsrat werden eine Erhöhung der Dividende um 10 Prozent auf 44 Cent je Aktie vorschlagen.
Konzernweit legten die Passagierzahlen um 1,9 Prozent auf 70,6 Millionen zu. Den größten Wachstumssprung von allen Konzernflughäfen machte dabei Hahn im Hunsrück. Die Passagierzahlen nahmen um 67,3 Prozent auf 2,4 Millionen zu. Am Heimatstandort Frankfurt lag dieser Wert mit 48,4 Millionen noch um 0,2 Prozent unter dem Vorjahreswert. Am Rhein-Main-Flughafen arbeiteten mit 15 330 die meisten der konzernweit 23 353 Mitarbeiter.
Die Flughafengesellschaft erwartet am Flughafen Hahn im Hunsrück noch vor dem Jahr 2006 einen operativen Gewinn (Ebitda). Zwei Jahre später werde dann ein Gewinn geschrieben, sagte Schulte, der den Flughafen Hahn in der Bilanz von Fraport auf Null abgeschrieben hat. Im vergangenen Jahr wurde ein operativer Verlust von 7,6 Millionen Euro (2002: minus 10,9 Millionen) verbucht.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.373,80 | −1,46% |
| Dow Jones | 12.444,20 | −1,08% |
| EUR/USD | 1,2418 | −0,56% |
| Rohöl Brent Crude | 104,06 $ | −2,61% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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