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Reduzierter Schadenersatz : Erstes Glyphosat-Urteil gegen Bayer ist durch

  • Aktualisiert am

Rodrigo Werle, Wissenschaftler an der Universität von Wisconsin, inspiziert in Wisconsin Soja-Felder nach Resten des Unkrautvernichter Dicamba. Bild: Reuters

In Amerika hat ein krebskranker Glyphosat-Kläger ein millionenschweres Urteil gegen Bayer akzeptiert. Der Chemiekonzern will dagegen vorgehen – kann aber in einer anderen Sache aufatmen.

          Im ersten Prozess in den Vereinigten Staaten um angeblich verschleierte Krebsrisiken von Bayers Unkrautvernichter Glyphosat hat der Kläger einen vom Gericht festgesetzten millionenschweren Schadensersatz akzeptiert. Ursprünglich hatte eine Geschworenen-Jury dem an Lymphdrüsenkrebs erkrankten Dewayne Johnson 289 Millionen Dollar (255 Millionen Euro) zugesprochen. Die zuständige Richterin Suzanne Ramos Bolanos hatte diese Summe dann in der vergangenen Woche auf rund 79 Millionen Dollar reduziert, dem Antrag Bayers auf einen neuen Prozess aber nicht statt gegeben.

          Die Reduzierung des Schadensersatzes sei zwar nicht angemessen, teilten die Anwälte von Johnson am Mittwoch (Ortszeit) mit. Allerdings akzeptiere ihr Mandant das Urteil dennoch – in der Hoffnung, noch in seiner Lebenszeit eine endgültige Lösung in dem Streit zu finden. 

          Bayer bekräftigte, gegen das Urteil vorgehen zu wollen. Der Konzern ist nach wie vor davon überzeugt, dass das Urteil im Widerspruch zu den im Prozess vorgelegten Beweisen steht, wie ein Sprecher erklärte. Daher soll beim California Court of Appeal Berufung eingelegt werden.

          Unkrautvernichter Dicamba weiter erlaubt

          Wesentlicher Grund der zahlreichen Klagen gegen Monsanto, die sich seit der Fusion gegen Bayer richten, ist ein Bericht der Internationalen Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Diese hatte den Unkrautvernichter Glyphosat 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ für Menschen eingestuft. Bayer verweist indes immer wieder auf Studien, die dem Unternehmen zufolge besagen, dass Glyphosat keine Krebsrisiken birgt.

          In Amerika laufen laut den letzten Angaben bereits rund 8700 Klagen wegen möglicher Erkrankungen durch Glyphosat. Die Zahl war nach dem Urteil im August sprunghaft gestiegen. Aktuelle Zahlen werden bei der Veröffentlichung des Geschäftsberichts für das dritte Quartal am 13. November erwartet.

          In einer anderen Sachen kann Bayer indes aufatmen: Die amerikanische Umweltschutzbehörde EPA hat die Zulassung des Unkrautvernichters Dicamba mit Einschränkungen bis Ende 2020 verlängert. Das teilte die Behörde in der Nacht zum Donnerstag mit. In wenigen Tagen läuft die bisherige Genehmigung aus.

          Beschwerden deutlich zurückgegangen

          Bei einer Verzögerung oder gar einer Verweigerung der Zulassung hätten Landwirte keinen Grund mehr gehabt, Saatgut von Bayer zu kaufen, das gegen das Mittel resistent ist. Wichtig ist die Zulassung daher auch für die mittelfristigen Ziele von Bayer, die der Konzern im Dezember vorstellen will.

          Um sicherzustellen, dass das Mittel richtig angewendet wird, machte die EPA Auflagen. So darf nur noch speziell geschultes Personal das Mittel ausbringen. Bisher hatte ein geschulter Aufseher ausgereicht. Zudem muss unter bestimmten Umständen ein Abstand zu den Feldrändern eingehalten werden. Für Baumwolle sind weniger Behandlungen erlaubt als bisher.

          Dicamba hatte für negative Schlagzeilen gesorgt, weil der Wind das Mittel auf Felder wehte, auf denen Sojabohnen angebaut wurden, die gegen das Mittel nicht immun sind. Wegen der Schäden auf Nachbarfeldern fordern mittlerweile zahlreiche Bauern in den Vereinigten Staaten Schadensersatz in Sammelklagen, die sich auch gegen die Wettbewerber BASF und DowDuPont richten.

          Bayer führt die Probleme vor allem auf eine unsachgemäße Verwendung des Mittels zurück und steckte zuletzt viel Geld in die Schulung von Landwirten. Dem Unternehmen zufolge gingen die Beschwerden 2018 deutlich zurück, obwohl sich die Anbaufläche 2018 im Vergleich zum Vorjahr demnach auf rund 20 Millionen Hektar verdoppelte. Landwirte setzten Dicamba unter anderem ein, um Unkraut zu bekämpfen, die gegen das umstrittene Glyphosat immun sind.

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