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Erotik-Branche : Beate Uhse stemmt sich gegen die Flaute im Bett

  • -Aktualisiert am

Da war die Welt noch in Ordnung: Beate Uhse 1999 beim Börsengang. 2001 starb die Firmenchefin. Bild: Beate Uhse

Während der Fußball-Weltmeisterschaft herrscht in den deutschen Schlafzimmern Funkstille - behauptet der Erotikhändler Beate Uhse. Das Unternehmen sieht darin eine Geschäftschance.

          Die Weltmeisterschaft in Brasilien lässt die Herzen der Fußballfans höher schlagen. Doch die Begeisterung für Müller, Neymar und Co. hat eine Schattenseite: Im Schlafzimmer herrscht Flaute. „Viele Paare haben während der WM deutlich weniger Sex“, behauptet zumindest der Vorstandsvorsitzende der Beate Uhse AG, Serge van der Hooft. Dies hätten Studien gezeigt. Seine Erklärung: Wenn die Aufmerksamkeit der Männer Abend für Abend durch Fußball, Bier und Pizza gebunden ist, liegt das Liebesleben eben brach. Das sei vor allem für Frauen eine unbefriedigende Zeit, findet der Manager – auch wenn die Damenwelt inzwischen oft selbst begeistert Fußball schaue und daher zunehmend eine Mitschuld am Sexmangel während der WM trage. Er will den Kundinnen von Deutschlands größtem Erotikhändler dabei helfen, diese Durststrecke zu überbrücken.

          Während des Turniers wirbt die Beate Uhse AG in ihren Läden verstärkt für elf besondere Sexspielzeuge („11 Jungs, 11 Profis, 11 Sieger“), die den Mann in dieser Phase entbehrlich machen sollen. In den niederländischen Filialen gibt es unter anderem ein sexy Kleidchen in der Nationalfarbe „Oranje“, das den Partner zumindest nach dem Spiel noch zur Höchstform bringen soll. Van der Hooft gibt zu, dass diese Marketing-Offensive seinen Umsatz nicht gerade durch die Decke katapultieren wird. Dafür seien Fußball und Erotikhandel zu weit auseinander. Aber den Versuch, wenigstens ein bisschen vom Rummel um das Sportfest zu profitieren, sei es auf jeden Fall wert, sagt der 36Jahre alte Niederländer.

          „Wir mussten uns komplett neu orientieren“

          Dass die Strategen von Beate Uhse sich überhaupt den Kopf über die Bedürfnisse von Frauen zerbrechen, ist neu. Jahrelang stand der Verkäufer von Erotikartikeln mit Hauptsitz in Flensburg vor allem für Sex-Shops in Bahnhofsnähe. Dort gab es Regale voller Pornofilme und schmuddelige Videokabinen. Der Katalog, ein wichtiger Vertriebskanal, glich einem Prospekt für frustrierte, in die Jahre gekommene Single-Männer. Mit dem Anspruch der Gründerin Beate Uhse, die ihre unternehmerische Tätigkeit in der Nachkriegszeit auch als Beitrag zur sexuellen Befreiung verstanden wissen wollte, hatte das nicht mehr viel zu tun. Und auch wirtschaftlich lief es immer schlechter. Die Konkurrenz aus dem Internet saugte einen immer größeren Teil des Geschäfts auf. Wer Pornos umsonst auf Seiten wie Xvideos oder Youporn anschauen kann, braucht eben keine DVD aus dem Laden mehr. Das bekam die Beate Uhse AG, die kurz vor der Jahrtausendwende an die Börse gegangen war, heftig zu spüren. Vom Jahr 2007 an rutschte die Firma immer wieder ins Minus und geriet in eine gefährliche Schieflage. „Wir mussten uns komplett neu orientieren“, sagt van der Hooft, der im schlimmsten Krisenjahr 2010 die Führung übernommen hat.

          Seither haben die Flensburger ihr Geschäft eingedampft. Knapp zwei Drittel der einst rund 300 Läden, welche die Beate Uhse AG auf eigene Faust oder über Lizenzpartner betrieb, wurden geschlossen. Etwa die Hälfte von einst rund 1300 Mitarbeitern verlor ihre Stelle. Unrentable Läden in zweifelhafter Lage flogen aus dem Filialnetz. Stattdessen konzentrierte der Vorstand sich auf größere Filialen in zentraler Lage. Videokabinen gibt es dort nicht mehr. Die Shops kommen nun edler daher. Holzfußböden und weißgetünchte Wände sollen die Eintrittsschwelle für Frauen senken. Auch das Sortiment soll verstärkt weibliche Kunden und Paare ansprechen. Auf teilweise mehr als 240 Quadratmetern finden sie Reizwäsche und allerlei batteriebetriebene Spielereien. Hinter dem Eingang geht es mit Unterwäsche, Vibratoren aus Kautschuk und allerlei Cremes und Gleitmitteln los. Erst in den hinteren Regalen finden Kunden, die es etwas härter mögen, auch Peitschen, Lackmasken und anderes Zubehör für Fortgeschrittene.

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