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Windflaute : Das Netzgeschäft hält Innogy auf Kurs

Windräder drehten sich nur langsam. Bild: dpa

Die aus Teilen von RWE entstandene Innogy will eigentlich eine Ökostrom-Gesellschaft sein. Eine Windflaute und wenig Regen sorgten aber zuletzt dafür, dass sie ihr Geld vornehmlich woanders verdiente.

          Die RWE-Abspaltung Innogy firmiert zwar meistens als „Ökostrom-Gesellschaft“, tatsächlich verdient sie ihr Geld allerdings überwiegend mit dem Betrieb von Strom- und Gasverteilnetzen. Im ersten Halbjahr sind die beiden Posten weit auseinandergelaufen: Die Einnahmen aus den Netzen sprudeln und halten den Konzern mit einem Gewinnplus von fast zwanzig Prozent auf Kurs, während die Erträge aus erneuerbaren Energien fast genauso stark nachgegeben haben. Weil der Wind unerwartet schwach blies, drehten sich die Rotoren langsamer als geplant. Gleichzeitig fehlte es an Regen, weshalb auch die Turbinen der Wasserkraftwerke oft nur mit begrenzter Kraft liefen. Auch das Vertriebsgeschäft, das dritte Standbein der „grünen“ RWE-Tochtergesellschaft, stottert. Schwierigkeiten auf dem wichtigen britischen Markt machten dem Vorstandsvorsitzenden Peter Terium in dieser Sparte einmal mehr einen Strich durch die Rechnung und zogen das Teilergebnis um rund 8 Prozent herunter.

          Helmut  Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Doch das starke Netzgeschäft bügelt alle Schwächen bisher aus. Von Januar bis Juni stand es mit seinen staatlich regulierten Renditen für einen Betriebsgewinn (bereinigtes Ebit) von 1,1 Milliarden Euro und steuerte fast zwei Drittel zum operativen Konzernergebnis bei. Zu dem starken Anstieg beigetragen hätten insbesondere niedrigere Aufwendungen für den Betrieb und die Instandhaltung der deutschen Netze, erläuterte Innogy. Positiv wirkte auch das kühle Wetter in Osteuropa, weil deshalb mehr Heizgas durch die Innogy-Pipelines geleitet wurde.

          In der Gesamtbetrachtung bewegt sich Innogy entlang der Planungen. „Wir halten Kurs, wie wir es versprochen haben. Wir haben den Schwung aus unserem Neustart mitgenommen“, kommentierte Terium bei einer Telefonkonferenz die Zwischenbilanz.

          Übernahmespekulationen „heiße Luft“

          An der Prognose für das erste volle Geschäftsjahr als unabhängiges Unternehmen hält der Vorstandschef unverändert fest. Das bereinigte Nettoergebnis soll um mindestens 7 Prozent auf mehr als 1,2 Milliarden Euro steigen. Davon sind 70 bis 80 Prozent als Ausschüttung eingeplant.

          Diese wichtige Kennziffer zog in der Zwischenbilanz deshalb die besondere Aufmerksamkeit auf sich: Mit einem Plus von 16 Prozent auf 857 Millionen Euro ist sie der Zielvorgabe ein gutes Stück näher gekommen. Ohne die Bereinigung um Sondereffekte lag der Konzerngewinn bei 817 Millionen Euro und damit um knapp ein Viertel unter dem Vergleichszeitraum von 2016.

          Der Kurs der Innogy-Aktie gab am Freitag in einem schwachen Markt leicht nach. Der Konzern war in den vergangenen Monaten immer wieder Gegenstand von Übernahmespekulationen. Terium sprach von „heißer Luft“. Es gebe dafür keine geschäftliche Grundlage.

          Immer noch Probleme in Großbritannien

          Analysten bemängelten am Freitag die schleppende Erholung im britischen Vertriebsgeschäft. Die dort erhoffte Trendwende muss warten: Das Betriebsergebnis ist sogar ins Minus gerutscht, und bis Jahresende rechnet Innogy auch nicht mehr mit einem positiven Resultat. Der Versorger kämpft auf der Insel seit Jahren mit Abrechnungsproblemen und Kundenschwund. Ein neues Management und ein Restrukturierungsprogramm, dem auch zahlreiche Arbeitsplätze zum Opfer gefallen sind, konnten die Entwicklung bisher nicht drehen. „Das geschäftliche und politische Umfeld in Großbritannien bleibt angespannt, der Wettbewerb hart“, beschrieb Finanzvorstand Bernhard Günther die Lage. Zwar sei es gelungen, den Kundenschwund mit Preiszugeständnissen zu bremsen. Ebenso wie höhere Beschaffungskosten ging dies aber zu Lasten der Erträge.

          Die Prognosen für Großbritannien stehen unter dem Vorbehalt, dass es nicht zu weiteren regulatorischen Eingriffen kommt. In der politischen Diskussion sind unter anderem Preisobergrenzen für bestimmte Kundengruppen, die Innogy das Geschäft zusätzlich verhageln könnten. Auch für den Vertrieb in den Niederlanden und in Osteuropa weist Innogy leicht rückläufige Ergebnisse aus. Umso besser lief es in Deutschland, wo der Spartengewinn um fast ein Viertel auf 340 Millionen Euro angestiegen ist.

          Aus dem Geschäft mit erneuerbaren Energien erzielte Innogy im Halbjahr nur etwa 179 Millionen Euro - ein bescheidener Wert im Vergleich zu Teriums hohem Anspruch: „Innogy will internationaler Vorreiter einer modernen Energiewelt sein“, sagte er. Dafür will er nun auch in den Vereinigten Staaten und in Kanada gezielt in Wachstum investieren. „Die Erneuerbaren werden sich dort in vielen Regionen allein schon aus ökonomischen Gründen durchsetzen“, prognostizierte er.

          Die Einnahmen aus dem Börsengang haben Innogy den Spielraum für Investitionen eröffnet. Das meiste Geld fließt bislang in neue Windparks in der Nordsee und an Land. Im September werde Innogy auch in Irland einen ersten Windpark bauen, kündigte Terium an. Als neues Geschäftsfeld engagiert sich Innogy seit der Übernahme des Solar- und Batteriespezialisten Belectric ebenfalls in der Photovoltaik. In Indien würden in der zweiten Jahreshälfte mehrere große Solarkraftwerke fertiggestellt, weitere Projekte, etwa in Israel stünden kurz vor Baubeginn.

          Quelle: F.A.Z.

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