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Erneuerbare Energien Grüner Strom aus schwarzen Abraumhalden

24.11.2010 ·  Die Revierkonzerne RWE und RAG wollen alte Zechengelände für die Produktion von Ökostrom nutzen. Ein mit Windenergie betriebenes Pumpspeicherkraftwerk ist das Pilotprojekt für Technik und Genehmigungsprozess.

Von Werner Sturbeck, Essen
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Der Steinkohlekonzern RAG will seine früheren Betriebsimmobilien intensiver für die Erzeugung von Ökostrom nutzen. Windräder auf den bis zu 100 Meter hohen Bergwerkshalden sind keine Seltenheit mehr im Ruhrgebiet. Auf der Halde Scholven in Gelsenkirchen arbeiten zwei Windräder mit jeweils 2,3 Megawatt Leistung. Bei küstenähnlichen Windverhältnissen könnten sie rechnerisch rund 10 000 Einwohner mit Strom versorgen, erklärte der RAG-Vorstandsvorsitzende Bernd Tönjes am Dienstag vor der Presse in Essen.

Doch Strombedarf und verfügbarer Windstrom passen längst nicht immer zusammen. Deswegen wollen der zur RAG-Stiftung gehörende Bergwerkskonzern und der Versorger RWE gemeinsam ein Kombikraftwerk errichten, das mit Wind und Wasser rund um die Uhr bedarfsgerecht Strom zur Verfügung stellen kann. Für das rund 60 Millionen Euro teure Pilotprojekt in der Nähe von Hamm haben die beiden Tochtergesellschaften RWE Innogy und die RAG Montan Immobilien am Dienstag eine Absichtserklärung unterzeichnet.

Auch kleine Beiträge helfen

Der von der Bundesregierung bis 2030 geplante Ausbau der regenerativen Energien werde bei der begrenzten Verfügbarkeit von Windkraft nur gelingen, wenn gleichzeitig die Stromnetze verbessert und neue Stromspeicher geschaffen werden, sagte Innogy-Chef Fritz Vahrenholt. „Wenn im Jahr 2030 der Anteil der Windenergie an der Stromerzeugung 30 Prozent beträgt und wir nur eine windschwache Woche durch gespeicherte erneuerbare Energie überbrücken müssten, bräuchten wir das Siebzigfache der heute in Deutschland zur Verfügung stehenden Pumpspeicherkapazität von rund 7000 Megawatt“, rechnete er vor. Mit Haldenprojekten allein lasse sich die Speicherproblematik gewiss nicht lösen. Aber auch kleine Beiträge könnten helfen.

Das Kombikraftwerk an der Abraumhalde Sundern ist in mehrerer Hinsicht ein Pilotprojekt. Innerhalb der nächsten 18 Monate sollen die grundlegenden Daten – Windverhältnisse auf der Halde, Kosten, Genehmigungsfähigkeit und Absatzpotential – analysiert werden. Dann ist ein ambitionierter Genehmigungsprozess geplant, der nur ein Jahr dauern soll. Schon Ende 2014 soll die Produktion von Ökostrom beginnen. Die in Essen ansässigen Partner gehen davon aus, dass ihr Kraftwerk direkt vermarktbare Elektrizität erzeugt und keine Einspeisungsgebühren benötigt. RWE Innogy will das Kraftwerk finanzieren und betreiben. RAG würde dafür die Immobilie verpachten. Bewährt sich das Projekt, könnte auf den RAG-Halden an Rhein, Ruhr und Saar eine Speicherkapazität von insgesamt bis zu 200 Megawatt errichtet werden.

„Wenn das nicht geht, was geht dann noch?“

Oben auf der Halde Sundern soll ein Speichersee mit voraussichtlich 600 000 Kubikmetern Fassungsvermögen gebaut und zwei bis vier Windräder errichtet werden. Am Fuß der Halde stünde das Pumpspeicherkraftwerk mit einer Leistung von 15 bis 20 Megawatt. Mit überschüssiger Windenergie könnte das Wasser aus dem Auffangbecken am Kraftwerk wieder nach oben in den Speichersee gepumpt werden. Damit ließen sich 8000 Haushalte mehr als sechs Stunden am Tag mit Strom versorgen, überschlägt Hans-Peter Noll, der Geschäftsführungsvorsitzende der Immobiliengesellschaft.

Mit dem 2008 begonnenen Pumpspeicherkraftwerk in Atdorf im Schwarzwald hat RWE allerdings enorme Genehmigungsprobleme. Vahrenholt hofft dennoch, dass diese Großanlage mit 1400 Megawatt Leistung im Jahr 2018 in Betrieb genommen werden kann. Für die Halde Sundern sieht er die Ausgangslage wesentlich günstiger: ein kleines Projekt auf altem Zechenglände, das keinen Eingriff in urwüchsige Natur erfordert. Vorsorglich verband Vahrenholt seine Einschätzung mit einem Appell: „Wenn es sich bei der Genehmigung dennoch als problematisch erweisen sollte, müsste sich die Politik allerdings die Frage stellen: Wenn das nicht geht, was geht dann noch?“

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Jahrgang 1949, Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

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