http://www.faz.net/-gqe-73lyf
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 14.10.2012, 18:18 Uhr

Erfolgsgeheimnisse Deutschlands Stärke hat 13 Gründe

In keinem Land der Erde sind mehr Weltmarktführer beheimatet als in Deutschland. Berater und Wissenschaftler sind auf der Suche nach dem deutschen Erfolgsgeheimnis. Wer genau hinschaut, findet deren mehrere.

von Hermann Simon
© Illustration F.A.Z. Weltmarktführer Deutschland - jedenfalls in vielen Bereichen

Es war im Jahr 1986, als mich Harvard-Professor Ted Levitt, der den Ausdruck Globalisierung populär machte, fragte, warum die deutsche Wirtschaft im Export immer vorn mitspiele. In den 25 Jahren seither hat sich wenig geändert. Zehnmal waren wir in diesem Zeitraum Exportweltmeister. Auch 2011 brachte wieder einen neuen Rekord. Der Export, nicht die Binnennachfrage, ist für unseren Wohlstand und die niedrige Arbeitslosigkeit verantwortlich. Noch nie war das Interesse am „deutschen Modell“ so groß wie heute. Was sind also die Wurzeln unserer Wettbewerbsstärke?

Zwei Antworten seien vorangestellt. Erstens gibt es nicht die eine, alles erklärende Ursache. Und zweitens, es liegt nicht an den Großunternehmen. Die Vereinigten Staaten haben viermal und Japan hat doppelt so viele Fortune Global 500-Unternehmen wie Deutschland, sogar Frankreich hat mehr als wir. Die Hauptursache für den anhaltenden deutschen Exporterfolg liegt in der Stärke unseres Mittelstandes oder, präziser gesagt, der Elite des Mittelstandes, den sogenannten „Hidden Champions“. Seit 25 Jahren sammle ich die Namen dieser wenig bekannten mittelständischen Weltmarktführer. Meine globale Liste umfasst 2734 Unternehmen, von denen sage und schreibe 1307 aus Deutschland stammen. Die Hidden Champions stehen für gut ein Viertel der deutschen Exporte. Sie sind ein in der Welt einzigartiges Phänomen. Deutschland hat 16 Hidden Champions je eine Million Einwohner, in Frankreich sind es 1,1, in den Vereinigten Staaten 1,2, in Japan 1,7. Lediglich Österreich und die Schweiz weisen mit knapp 14 ähnliche Werte wie Deutschland auf. Warum gibt es bei uns so viele Hidden Champions? Bei dem Versuch, diese Frage zu beantworten, stoßen wir auf ein Bündel von Einflussfaktoren, die teilweise weit in die Geschichte zurückreichen und letztlich die deutsche Exportstärke erklären.

1. Historische Kleinstaaterei

Anders als beispielsweise Frankreich war Deutschland bis Ende des 19. Jahrhunderts kein Nationalstaat, sondern eine Ansammlung von Kleinstaaten. Jeder Unternehmer, der wachsen wollte, musste internationalisieren. Der Drang zur Internationalisierung steckt den deutschen Unternehmern im Blut und setzt sich bis heute fort. Sie beginnen viel früher und bei kleinerer Unternehmensgröße als ihre ausländischen Kollegen mit dem Export. Das ist der Nährboden, auf dem Hidden Champions und Exporterfolge gedeihen.

2. Traditionelle Kompetenzen

In vielen deutschen Regionen gibt es jahrhundertealte Kompetenzen, die ihr Licht bis in die Gegenwart werfen. So wurden im Schwarzwald seit je Uhren gefertigt, das erforderte hohe feinmechanische Kompetenzen. Schließlich gilt die Uhrmacherei als „the key machine of the modern industrial age“ (Lewis Mumford). Heute gibt es im Raum Tuttlingen am Schwarzwaldrand mehr als 400 medizintechnische Unternehmen, die aus dieser feinmechanischen Tradition entstanden sind, einige sogar direkt aus Uhrmachereien. Oder nehmen wir Göttingen. Wieso finden wir dort 39 Hersteller von Messtechnik, viele von ihnen Weltmarktführer? Die Erklärung liegt darin, dass die mathematische Fakultät der Universität Göttingen über Jahrhunderte führend war. Einige dieser Firmen gehen auf Prinzipien zurück, die Carl Friedrich Gauss entdeckte. Der frühere Siemens-Vorstand Edward Krubasik sagt dazu: „Deutschland nutzt die Technologiebasis, die bis ins Mittelalter zurückgeht, um im 21. Jahrhundert erfolgreich zu sein.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Borussia Dortmund in China Fußball Made in Germany auf Tour

Mehr als eine Übungseinheit Tai-Chi und Vermittlung chinesischer Schriftzeichen: Borussia Dortmund eröffnen sich bei der Reise nach China beste Perspektiven. Mehr Von Marvin Binz, Schanghai

27.07.2016, 09:39 Uhr | Sport
Normandie Trauer und Wut nach Attentat auf Kirche in Frankreich

Nach dem offenbar islamistischen Attentat auf einen Gottesdienst in Saint-Étienne-du-Rouvray, bei dem ein Priester ermordet und eine weitere Person schwer verletzt wurden, zeigen sich die Einwohner dieser kleinen Gemeinde im Norden Frankreichs fassungslos und erschüttert. Mehr

27.07.2016, 22:16 Uhr | Politik
Gründerkultur Viele Studenten wissen nicht, was sie wollen

Deutsche Unternehmen schaffen es nicht, ein Start-up-Netzwerk zu etablieren. Der Blick auf Berlin reicht nicht - und im Kanzleramt wäre ein Staatsminister für Digitales nötig, sagt einer, der es wissen muss. Mehr

24.07.2016, 12:16 Uhr | Wirtschaft
Nach Mord an Priester Hollande empfängt Vertreter der Religionsgemeinschaften

Einen Tag nach dem grausamen Mord an einen katholischen Priester durch Islamisten hat Frankreichs Präsident Francois Hollande ein demonstratives Zeichen religiöser Toleranz gesetzt. Die Bewohner von Saint-Eienne-du-Rouvray stehen unter Schock, viele kannten den getöteten Priester. Mehr

27.07.2016, 16:26 Uhr | Politik
Nach Anschlägen Es braucht mehr Religion, um Extremismus zu bekämpfen

Wenn die Religion vollkommen aus dem öffentlichen Raum verdrängt wird, stärkt das religiösen Extremismus. Um Muslime besser integrieren zu können, das zeigt das Beispiel Frankreich, muss Religion stärker sichtbar werden. Ein Kommentar. Mehr Von Rainer Hermann

22.07.2016, 18:02 Uhr | Politik

Leeres Gerede

Von Werner Mussler, Brüssel

Die EU-Kommission sieht von Bußgeldern gegen Spanien und Portugal ab. Dieser Schritt ist unter mehreren denkbaren Optionen die mildeste. Schade. Mehr 1 23

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“