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Eon-Chef Teyssen : Bruch mit der Firmenkultur

  • -Aktualisiert am

Sein Stil zieht einen tiefen Graben: Johannes Teyssen Bild: dpa

Der radikale Arbeitsplatzabbau kostet den Vorstandsvorsitzenden des Energieversorgers viele Sympathien. Teyssen muss nun wenigstens passende Ergebnisse liefern.

          Seit genau 592 Tagen führt Johannes Teyssen den Eon-Konzern. Am 1. Mai 2010 war der damals Fünfzigjährige mit einigen Vorschusslorbeeren als neuer Vorstandsvorsitzender gestartet. Schon vor seiner Zeit als „Innenminister“ des Konzerns, als er seinem Vorgänger Wulf Bernotat im Tagesgeschäft den Rücken freihielt, hatte er sich hohes Ansehen als Energiefachmann und als uneitle Führungskraft erworben. „Endlich kommt einer von uns, der uns kennt und unsere Sprache spricht“, hieß es im Unternehmen. Auch bei den Gewerkschaften mochte man den umgänglichen Manager.

          Keine zwei Jahre später hat Teyssen mit seinem Führungsstil einen tiefen Graben durch den Konzern gezogen. Unter den rund 35000 Eon-Mitarbeitern in Deutschland gibt es zwei Lager. Das eine bilden die „Verlierer“, im Kern davon mindestens 6000 Beschäftigte, für die kein Platz mehr im Konzern ist. Im anderen Lager sammeln sich die Gewinner, mit denen der Eon-Vorstand ein neues Geschäftsmodell aufbauen will.

          Harte Jahre voraus

          Denn Deutschlands größter Energiekonzern kämpft gegen eine schwere Krise an, vor dem Unternehmen liegen harte Jahre. Es gilt, erheblich größere Herausforderungen zu bewältigen, als Teyssen bei seinem Antritt als Vorstandsvorsitzender erwarten konnte.

          Der neue Chef sollte und wollte den Konzern auf den damals offensichtlich rauer werdenden europäischen Energiemarkt ausrichten. Das gedachte Teyssen, wie er kurz vor seiner Beförderung anklingen ließ, nicht mit einem radikalen Kurswechsel umzusetzen, sondern er wollte dem Konzern zunächst ein schärferes Profil verschaffen.

          Als Vorsitzender von Eon Energie in München hatte er bereits beachtliche Vorleistungen erbracht, das aus vielen Gesellschaften der Eon-Wurzeln - Veba und Viag/Bayernwerk - gebildete Versorgungsgeschäft vereinheitlicht und zusammengeschweißt.

          Problem Energiewende

          Die Entwicklung an den Energiemärkten, die schleppende wirtschaftliche Erholung in weiten Teilen Europas - darauf war Teyssen vorbereitet. Auch das von Managergenerationen vorher aufgebaute System von langfristigen, an den Ölpreis gebundenen Gasverträgen - zurzeit die Quelle hoher Verluste - kannte Teyssen.

          Aber ein größeres Problem konnte selbst er als ausgewiesener Energiefachmann nicht vorhersehen: die Zick-Zack-Politik der schwarz-gelben Bundesregierung, die zuerst eine jahrzehntelange Atombrücke für den Umbau der Energieversorgung vorsah und nur Monate später die Kehrtwende zur Energiewende mit dem beschleunigten Ausstieg aus der Atomkraft beschloss.

          Die Kostenschnitte wirkten nicht

          Als promovierter Jurist hat Teyssen von Anfang an die Rechtmäßigkeit der sofortigen Stilllegung von acht älteren Atommeilern bestritten. Als kühl kalkulierender Stratege, der es versteht, komplexe Zusammenhänge von allen Seiten zu analysieren, hat er dennoch als Erster der vier Kernkraftwerksbetreiber in Deutschland die Entscheidung hingenommen und angekündigt, Eon werde forciert die Energiewende mitgestalten.

          Das größte Manko des Konzerns ist nun die mit den Übernahmen der zurückliegenden Jahre angeschwollene Mannschaft. Schon vor seiner Bestellung zum Vorstandsvorsitzenden hatte Teyssen mit Maßnahmen wie dem milliardenschweren Sparprogramm „perform-to-win“ begonnen, den Konzern straffer und effizienter aufzubauen. Im Nachhinein waren diese Kostenschnitte alle nicht besonders wirksam - nicht zuletzt deshalb, weil die Arbeitnehmerseite den Arbeitsplatzabbau zu bremsen verstand.

          Noch immer Rückhalt der Aktionärsvertreter

          Nun geht Teyssen den Arbeitsplatzabbau radikal an. Er will ohne Einbindung der Mitbestimmung vollendete Tatsachen schaffen und scheut dabei auch nicht die direkte Konfrontation, etwa wenn er für die Informationsveranstaltung für den Betriebsrat nach der Dezember-Sitzung des Aufsichtsrats die Mittel verweigert. Für jemanden, der sich „als Eon-Mensch mit Herz und Seele“ sieht, ist dies ein radikaler Kurs.

          Bisher hat er zwar in der Belegschaft erheblich an Ansehen verloren, genießt aber immer noch den Rückhalt der Aktionärsvertreter im Aufsichtsrat. Nun beginnt für Teyssen die Zeit, in der er mit neuen Projekten beweisen muss, dass sich für ihn und den Konzern der Kulturbruch auszahlen wird.

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