Home
http://www.faz.net/-gqe-740py
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Entlassungen bei der UBS Ins Pub statt in die Bank

In London haben Dutzende Banker der Schweizer UBS den Tag unerwartet nicht mit dem Handel von Finanzprodukten verbracht, sondern beim gemeinsamen Bierchen im Pub. Ihre Sicherheitschips zum Einlass ins Büro waren schon deaktiviert.

© AFP Zahlreiche Händler der UBS mussten am Dienstag draußen bleiben

Es hat sie auf dem falschen Fuß erwischt: Dutzende Banker der Schweizer UBS haben den Tag unerwartet nicht mit dem Handel von Finanz-Produkten verbracht, sondern beim gemeinsamen Bierchen im Pub „Railway Tavern“, einen Steinwurf entfernt von der britischen UBS-Zentrale im Londoner Finanzdistrikt. Jeder neu hinzukommende Kollege wird mit lautem Hallo begrüßt.

„Ich bin um 7.20 Uhr ins Büro gekommen“, erzählt ein Händler. „Aber mein Sicherheitschip funktionierte nicht. Ein bulliger Türsteher brachte mich zum Aufzug - wo schon ein anderer bulliger Türsteher auf mich wartete. Dann bin ich direkt hierher gekommen, also, naja, nicht wirklich direkt, weil das Pub erst um 8.00 Uhr aufsperrte. Also war ich vorher noch einen Kaffee trinken.“

Nach und nach erscheinen die Händler an ihrem bisherigen Arbeitsplatz - um dann doch nicht ins Büro zu dürfen. Die Schlange der draußen Stehenden wird immer länger. Schließlich beschließen einige, Unterschlupf im Pub zu suchen, nahe der Station Liverpool Street im Herzen des Finanzdistrikts.

Plastiktüten für die persönlichen Gegenstände

Rund 20 von ihnen stehen hier nun, prosten sich mit Lager-Bier zu - und können es doch noch nicht so richtig fassen. Klar habe man von geplanten Entlassungen gehört, doch die Zahl 10.000 habe man nicht glauben können. „Und nun sitze ich hier“, sagt einer entgeistert.

Statt Zutritt gab es für die Banker Plastiktüten - mit den persönlichen Habseligkeiten aus dem Schreibtisch. Manch einer ruft einen Kollegen im Gebäude an, damit er die Sachen nach draußen bringt.

Die Händler haben einen Brief der UBS erhalten: bezahlter Urlaub, bis auf weiteres. Offiziell sind sie weder geschasst oder auch nur Risiko-Kandidaten. Aber die Sache mit dem Sicherheitschip ist schon ein Wink mit dem Zaunpfahl. Wenn eine solche Eintrittskarte nicht mehr funktioniert, ist das in der Branche oft ein klarer Hinweis, dass mit dem Job etwas im Argen liegt. Investmentbanken machen das so, weil sie verhindern wollen, dass zusammen mit dem Banker sensible Daten das Haus gleich mit verlassen.

Mehr zum Thema

Im Pub stehen immer noch viele Schlipsträger. Nur einer war inzwischen kurz daheim, hat sich umgezogen und trägt nun Jeans und T-Shirt. Den Rest des Tages will er mit den Leidensgenossen verbringen.

Schließlich wird es philosophisch: Der Stellenabbau sei für ihn persönlich zwar der Horror und er wisse noch nicht, was als nächstes komme, sagt ein Händler. „Aber es ist die richtige Entscheidung der UBS. Die City of London verändert sich, und dies ist ein Teil davon.“

Quelle: Reuters

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Amerikanische Manager Lieber Regionalbank als Wall Street

Mehr mitgestalten, näher dran sein und eine bessere Work-Life-Balance haben: Amerikanische Bank-Manager lassen sich zunehmend von Regionalbanken abwerben. Die Riesen an der Wall Street gucken in die Röhre. Mehr

30.08.2015, 08:00 Uhr | Beruf-Chance
Ernest Hemingway Der alte Mann und der Schnee

Der Schriftsteller Ernest Hemingway verbrachte zwei unvergessliche Winter in Österreich: mit stillen Skitouren im Hochgebirge, wilden Pokernächten im Wirtshaus und einer folgenreichen Affäre mit einem Mannequin. Auf den Spuren eines Abenteurers, der nie genug bekam. Mehr Von Bernd Steinle

13.03.2015, 14:03 Uhr | Gesellschaft
Investition Die Allianz will den Londoner City-Flughafen

Londons kleiner Flughafen nahe den großen Banken steht zum Verkauf. Auch die deutsche Versicherung Allianz will mitbieten. Denn sie sucht nach lukrativen Geldanlagen. Mehr

31.08.2015, 07:59 Uhr | Wirtschaft
Sehnsüchtig erwartet: Papst besucht El Alto in Bolivien

Der katholische Priester Sebastian Obermaier hat sein halbes Leben in El Alto in Bolivien verbracht. Einen Höhepunkt des geistlichen Lebens des gebürtigen Deutschen stellt die Visite von Papst Franziskus Anfang Juli dar. In Vorbereitung hat er sich in der Region für Hochzeiten und Taufen stark gemacht. Mehr

05.07.2015, 12:06 Uhr | Gesellschaft
Stau-Ranking Köln ist Deutschlands Stauhauptstadt

Fast drei volle Tage standen Autofahrer 2014 in Köln im Stau – mehr als in jeder anderen Großstadt. Die staureichsten Straßen liegen jedoch woanders. Mehr Von Britta Beeger

24.08.2015, 07:07 Uhr | Wirtschaft

Veröffentlicht: 31.10.2012, 11:10 Uhr

Es geht um die Macht im Lufthansa-Konzern

Von Ulrich Friese

Schon wieder drohen die Piloten der Lufthansa mit Streik. Der Arbeitskampf ist kompliziert, des es geht nicht nur um Löhne und Altersvorsorge. Sondern um die Zukunft des ganzen Unternehmens. Mehr 4

Umfrage

Wolfgang Schäuble will das Betreuungsgeld nicht in die Kitas stecken. Was meinen Sie?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Deutsche Start-ups wollen in Deutschland verkaufen

Wer in Deutschland ein Unternehmen gründet, will selten auf den Weltmarkt. Einige machen das sogar nur für die Region, in der sie wohnen. Mehr 0